Kadyrow wird zum Problem

11. August 2009, 19:04
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Der Moskauer Führung entgleitet zunehmend die Kontrolle über die Lage im Kaukasus

Noch im April träumte der tschetschenische Präsident Ramsan Kadyrow von einem blühenden und friedlichen Tschetschenien. Nach dem Ende des russischen Antiterroreinsatzes werde die Kaukasusrepublik zu einem Hort der Stabilität, so das Wunschdenken Kadyrows. Seinen Friedensträumereien zum Trotz startete Kadyrow wenige Tage später eine großangelegte Antiterroraktion im tschetschenisch-inguschetischen Grenzgebiet.

In den vergangenen drei Monaten sind bei den Sondereinsätzen 53 Extremisten getötet und 60 weitere festgenommen worden, brüstete sich der 32-Jährige. Kadyrows rücksichtsloser Kampf gegen mutmaßliche Terroristen, dem oft Regimekritiker und vollkommen Unbeteiligte zum Opfer fallen, hat im Kaukasus die Spirale der Gewalt weitergedreht. Allein in den vergangenen Wochen wurden im Kaukasus drei Menschenrechtsaktivisten und ein Journalist entführt und ermordet. Sechs Menschen kamen bei einem Selbstmordanschlag vor einem Konzertsaal in Grosny um.

Trotz wiederholter Beteuerungen seitens des Kremls und seines tschetschenischen Statthalters, dass sich die Lage in Tschetschenien normalisiert habe, zeigen die jüngsten Ereignisse, dass der Moskauer Führung die Kontrolle über Kadyrow und die Lage im Kaukasus zunehmend entgleitet. Noch bemüht sich Russlands Präsident Dmitri Medwedew, Kadyrow von den Vorwürfen, die derzeit von allen Seiten auf ihn niederprasseln, reinzuwaschen. Bei einer weiteren Eskalation der Lage wird Moskau allerdings gefordert sein, seine Kaukasuspolitik zu überdenken. (Verena DiethelmDER STANDARD, Printausgabe, 12.8.2009)

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