Von Haftungsfragen in der Märchenwelt

11. August 2009, 22:05
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Laut einem Gutachten ist die Bank Austria für Investments in Madoff (durch Primeo-Fonds) haftbar. Die Bank weist das zurück

Laut einem Gutachten ist die Bank Austria für Investments in Madoff (durch Primeo-Fonds) haftbar. Die Bank weist das zurück. Da die HSBC nun Forderungen beim Madoff-Masseverwalter angemeldet hat, dürfen Anleger hoffen.

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Wien - Mit einem Rechtsgutachten zur Causa Madoff will die Wiener Anwaltskanzlei PHH zeigen, dass die Bank Austria für Investments in Madoff haftbar gemacht werden kann. Das Gutachten der Kanzlei kommt zum Schluss, dass Ansprüche gegen die Bank Austria geltend gemacht werden können, da die Bank den Primeo-Fonds als Cayman-Island-Offshore-Gesellschaft gegründet habe, die Bank den Primeo-Prospekt erstellt und die Fondsaktivitäten kontrolliert habe.

Die Bank bezeichnete die Expertise der Kanzlei als "recht durchsichtige Marketingaktion und weder besonders substanziell noch gut recherchiert" . Die Anwälte hingegen halten fest, der Bank Austria - deren 95-Prozent-Tochter LB Holding den Fonds gegründet hat - hätte klar gewesen sein müssen, dass die Anlegergelder an den mittlerweile zu 150 Jahren Haft verurteilten Milliardenbetrüger Bernard Madoff geflossen sind.

"Die Bank Austria ist kein Opfer, es wurde bewusst gehandelt - und dafür muss jetzt die Verantwortung übernommen werden" , sagt Wirtschaftsanwalt Dieter Heine, der zugleich Geschädigten die Möglichkeit anbietet, sie gegen die Bank Austria zu vertreten und ihre Ansprüche durchzusetzen. Die Bank Austria bezeichnet die Aktion daher als "Kundenfang" .

2004 sei Anlegern fälschlicherweise im Emissions-Prospekt glauben gemacht worden, dass eine Risikostreuung stattfinden würden, so die Vorwürfe der Anwälte. Letztendlich seien die Gelder aber an die durch Madoff verwalteten Fonds Herald und Alpha Prime gegangen. Und: Die Kontrolle des Prospekts sei der Bank-Austria-Tochter BA Worldwide Fund Management Ltd. oblegen.

Die Bank betont dazu, dass die Emissionsprospekte vom Fonds selbst herausgegeben wurden und die Bank als Repräsentant lediglich für die formelle Prüfung des Prospekts und die Unterstützung der Kommunikation zwischen Fonds und Anlegern verantwortlich gewesen sei: "Diese vom Gesetz vorgesehenen Funktionen haben wir erfüllt" , kontert Halama.

Hoffen können indes heimische Madoff-Geschädigte. Die HSBC Luxemburg hat sich als Treuhänder nämlich doch dazu entschlossen, beim US-Masseverwalter Ansprüche anzumelden. Damit ist auch die Türe für die Bearbeitung aller Herald-Forderungen geöffnet, also auch jener von Privatklägern. Angemeldet hat die HSBC Forderungen von 1,89 Mrd. US-Dollar (1,33 Mrd. Euro). Unklar ist, ob Masseverwalter Irving Picard die Forderung in voller Höhe anerkennt.

Erste Bank im Anwaltsvisier

Auch gegen die Erste Bank gehen Anlegeranwälte nun vor. "Wir arbeiten mit Nachdruck an einer Klage gegen die Erste Bank" , zitiert Die Presse Franz Kallinger, Chef des Prozessfinanzierers AdvonFin in ihrer heutigen Ausgabe.

In den USA sind indessen die ersten Bücher zu dem größten Betrugsfall der Finanzgeschichte erschienen. Nur rund sechs Wochen nach der Verurteilung Madoffs geben mehrere Werke Einblick in die milliardenschwere Märchenwelt des Ex-Brokers. (bpf/DER STANDARD, Printausgabe, 12.8.2009)

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    Die Welt, wie sie Bernard Madoff für seine Anleger gezeichnet hat, hinterlässt viele Fragen. Eine davon ist, wer nun für die entstandenen Verluste haftet.

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