Iranische Mitarbeiterin der französischen Botschaft freigelassen

11. August 2009, 21:15
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Wegen Spionage angeklagte Sprachlehrerin Clotilde Reiss weiter im Gefängnis

Paris/Teheran - Die iranische Justiz hat eine inhaftierte Mitarbeiterin der französischen Botschaft freigelassen. Staatspräsident Nicolas Sarkozy habe bereits telefonisch mit Nazak Afshar gesprochen, teilte der Elysée-Palast am Dienstag in Paris mit. Nun müssten alle Anklagepunkte gegen die 50-Jährige Franko-Iranerin fallengelassen werden, forderte Sarkozy.

Die am vergangenen Donnerstag verhaftete Botschaftsmitarbeiterin erschien am Samstag erstmals bei einem Massenverfahren vor Gericht, das international als Schauprozess verurteilt wurde. Dabei hatte sie laut der staatlichen iranischen Nachrichtenagentur IRNA unter Tränen gestanden, dass sie an Protesten gegen die umstrittene Präsidentschaftswahl teilgenommen hatte.

Sarkozy dankte der Europäischen Union und weiteren Freunden, wobei er ausdrücklich Syrien erwähnte, für ihre Hilfe bei den Verhandlungen, die zur Freilassung Afshars geführt hätten. Gleichzeitig forderte der Präsident die rasche Freilassung der immer noch im Iran inhaftierten und angeklagten Französin Clotilde Reiss.

Der seit sechs Wochen inhaftierten Reiss boten die Behörden unterdessen nach Angaben des iranischen Botschafters in Frankreich, Seyed Mehdi Mirabutalebi, Hafterleichterungen an. Die Bedingung dafür sei, dass die 24-Jährige in der französischen Botschaft in Teheran untergebracht werde, sagte der Botschafter dem Auslandssender Radio France International (RFI).

Mirabutalebi sagte weiter, die Regierung habe nicht auf das Angebot reagiert. Das Pariser Außenministerium bestellte den Botschafter daraufhin ein und wies dessen Darstellung kategorisch zurück. Die Behörden in Teheran wüssten seit Wochen, dass die französische Botschaft zur Aufnahme von Reiss bereit sein, erklärte Außenminister Bernard Kouchner. Er hoffe auf eine schnelle Entscheidung seitens der Behörden in Teheran.

Reiss steht vor Gericht, weil sie nach Darstellung der iranischen Justiz spioniert und nach der Wahl zu Protesten aufgestachelt haben soll. Die Sprachlektorin hatte seit Februar in der Islamischen Republik gearbeitet und war am 1. Juli festgenommen worden. Im Iran stehen mehr als hundert Teilnehmer der Proteste gegen die Präsidentschaftswahl vor Gericht.

Unterdessen ging der Machtkampf in der iranischen Führung in eine nächste Runde. In einem im Parlament in Teheran verlesenen Brief warnten 202 Abgeordnete Ahmadinejad, sein Kabinett müsse aus "erfahrenen" Mitgliedern mit "revolutionärem Geist" bestehen. Bereits kurz nach seiner Wiederwahl war Ahmadinejad wegen mehrerer umstrittener Entscheidungen von iranischen Hardlinern heftig kritisiert worden. Ahmadinejad soll kommende Woche seine Regierungsmannschaft vorstellen.

Ungeachtet der Manipulationsvorwürfe bei dem Urnengang hat UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon dem iranischen Präsidenten Ahmadinejad zur Wiederwahl gratuliert. Das Glückwunschschreiben sei am Montag abgeschickt worden, sagte UNO-Sprecherin Marie Okabe am Dienstag in New York. Es handle sich um den "üblichen Brief", der Staatschefs nach ihrer Wahl zugestellt werde. Ahmadinejad war bereits Mitte vergangener Woche vereidigt worden. Der umstrittene Wahlsieg Mitte Juni hatte im Iran für die heftigsten Proteste seit der Islamischen Revolution gesorgt. Mehrere westliche Länder hatten von einer Gratulation explizit Abstand genommen. (APA/AP)

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