"Neofaschist" will nicht von Styria lassen

12. August 2009, 11:45
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Styria sponsert den rechten kroatischen Sänger "Thompson" seit einem Jahr nicht mehr, heißt es in Graz - Logos eines Styria-Blatts auf seinen Plakaten

Graz/Zagreb/Stuttgart - Der österreichische Verfassungsschutz bewertet manche seiner Lieder als "stark nationalistisch, neofaschistisch und militaristisch". Das Zentrum für Antisemitismusforschung an der Freien Universität Berlin wirft ihm die Verbreitung einschlägiger Klischees vor. Die Bischofskonferenz seines Heimatlandes entdeckt in den Songs eine "Sprache des Hasses", die unvereinbar sei mit den "Errungenschaften des Christentums": Der kroatische Sänger Marko Perković hat viele Kritiker.

Auf Distanz

In Kroatien, das sich seit der Jahrtausendwende geöffnet hat und den EU-Beitritt anstrebt, sinkt sein Stern. Spätestens, seit sich die Staatsführung von ihm distanziert hat und Perkovića im Gegenzug die politische Elite des Landes als "Verräter" beschimpft, weil sie mit dem UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag zusammenarbeitet. Auch zu Auftritten in München, Gelsenkirchen und Stuttgart kamen weniger Besucher, als die Organisatoren gehofft hatten.

Mediensponsor seines Konzerts diesen Sommer in Stuttgart:  Vecernji list, eine der kroatischen Tageszeitungen der Grazer Styria Media Group. Jedenfalls stand das auf der Homepage des Sängers, der sich nach seiner Maschinenpistole im Kroatienkrieg "Thompson" nennt. Auch auf den Plakaten fand sich das Logo des Styria-Blatts.

Zusammenarbeit beendet

Allein: Sowohl in der Konzernzentrale wie bei der Styria-Tochter in Zagreb weiß man von einer Kooperation nichts, hat erst auf STANDARD-Anfrage davon erfahren. Benjamin Cerovac, Marketingdirektor von Vecernji list: "Wir haben die Zusammenarbeit mit Thompson bereits vor einem Jahr eingestellt." Damals zeigten Fans bei mehreren Konzerten Symbole der faschistischen Ustascha-Bewegung. "Thompson hat sich von diesen Besuchern nie öffentlich distanziert. Deshalb war eine Zusammenarbeit für uns nicht mehr akzeptabel", sagt Cerovac.

Die Kooperation zwischen Perković (zuletzt auch im Mai in Wien) und dem nationalkonservativen Styria-Ableger hatte auch in Österreich für Diskussionen gesorgt. Bei Konzerten des Sängers trat die Zeitung in den beiden Vorjahren als Medienpartner auf, zudem moderierte Exilkroatin Jadranka Celik, die das Perković-Konzert in Gelsenkirchen organisierte, 2007 und 2008 eine Gala der Vecernji List in Frankfurt. Dabei auch ein Thompson-Bandmitglied.

Wahrheitswidrig als Sponsor

Inzwischen hat sich das Verhältnis zwischen Perković und der Zeitung merklich abgekühlt. Cerovac: "Wir haben das Thompson-Management sofort davon unterrichtet, dass wir es nicht tolerieren werden, wenn unser Blatt wahrheitswidrig als Sponsor genannt wird. Wir verurteilen das auf das Schärfste."

Dumpf-klerikaler Nationalismus

Zusammengepasst haben die beiden ungleichen Partner ohnehin nie. Während sich die Vecernji list der katholisch geprägten Styria als "medialer Motor des modernen Kroatien" sieht, repräsentiert Perković den in der Amtszeit des verstorbenen Ex-Präsidenten Franjo Tudjman vorherrschenden dumpf-klerikalen Nationalismus. Wobei es der Sänger und sein Management im Bedarfsfall auch mit den christlichen Werten nicht so genau nehmen. Zumindest zur Wahrheit haben Perković und seine Entourage offenbar ein eher taktisch geprägtes Verhältnis. (Martin Eich/DER STANDARD; Printausgabe, 12.8.2009)

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    "Stark nationalistisch, neofaschistisch" finden Verfassungsschützer den kroatischen Sänger "Thompson". Die Styria inzwischen auch.

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