Eine Geschichte des Geschichtenerzählens

11. August 2009, 18:09
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Das Museum für angewandte Kunst zeigt "Global:Lab - Kunst als Botschaft"

Wien - Das Wiener Museum für angewandte Kunst zeigt Global:Lab - Kunst Als Botschaft Asien und Europa 1500-1700. Anhand von 470 Objekten - ein Großteil davon aus den Sammlungen des MAK - wird, gegliedert in vier Kapitel, den künstlerischen Kontakten und Beziehungen zwischen Asien und Europa nachgegangen. Zur Illustration der Funktion der Kunst als Kommunikationsmedium dient die Metapher des Labors, der experimentellen Küche als Ort, um das je Eigene am "Anderen" zu prüfen, Einflüsse zu verarbeiten, Differenzen festzulegen oder abzubauen.

Um in China die Akzeptanz einer seiner Landkarte und des damit verbundenen europäischen Wissens zu erhöhen, positionierte der Jesuitenmissionar Matteo Ricci (1552-1610) die Kontinente so, dass China in das Zentrum der Karte - und damit der Welt - rückte. Und kam damit der chinesischen Vorstellung, dass China, als "Reich der Mitte", selbstverständlich der Mittelpunkt der Welt sei, entgegen. Die Ricci-Karte belegt, dass "Globalisierung" stets absichtsvoll und also auch strategisch entgegenkommend betrieben wurde.

Und bei allem Kunst- und Wissenstransfer: Das je ideale Bild vom Selbst wollte selbstverständlich erhalten und durchgesetzt werden. Nicht nur die Gestalt des Himmels und der Erde wurden künstlerisch erfasst, auch die menschliche Gestalt entging nicht einer idealen Auslegung: Das Idealbild des europäischen Menschen zeigen etwa die Proportionsstudien Albrecht Dürers (1427-1502) oder die Marmorskulptur der Venus Este (Leihgabe Kunsthistorisches Museum, Wien) aus dem Giardino Secreto der Villa des Kardinals Ippolito I. d'Este (1509-1572) in Tivoli bei Rom.

Der Repräsentationszweck

Ein weiteres zentrales Thema - zumindest für die fürstlichen Auftraggeber der - war Repräsentation. Das Hamza-Nama, eine Mogulhandschrift des 16. Jahrhunderts, die zu den wichtigsten Werken der Malerei der islamischen Welt zählt, steht zentral in der Ausstellung. Von den ursprünglich 1400 Blättern sind heute noch 200 in verschiedenen Sammlungen weltweit erhalten. Mit 60 Miniaturen besitzt das MAK den größten zusammenhängenden Bestand.

Das Hamza-Nama basiert auf einer über viele Jahrhunderte mündlich überlieferten Geschichte, die von Hamza ibn Abdul-Muttalib (ca. 569-625), dem Onkel des Propheten Mohammed (um 570-632), erzählt. Die historischen Tatsachen wurden im Laufe der Jahrhunderte mit allerlei fiktiven Handlungen angereichert - zwecks Steigerung von Ruhm und Glorie, so wie eben auch China in den Mittelpunkt gerückt wurde der Mogulherrscher Akbar, der "Große". Er regierte von 1556-1605, gab das umfangreiche Werk in Auftrag. Es entstand zwischen 1557 und 1577 in seinen Hofwerkstätten. In MAK ist das Werk von europäischen Tapisserien und Paravents aus Japan und China umgeben.

Das Zusammenspiel von Ornament und erzählender Illustration, das die Kunst der islamischen Welt bestimmt, wird in persischen, türkischen und indischen Miniaturmalereien des 16. und 17. Jahrhunderts aus mehreren Wiener Sammlungen veranschaulicht. Zum ersten Mal können Mogul-Miniaturen aus dem so genannten "Millionenzimmer" in Schloss Schönbrunn mit der Skizze von Rembrandt van Rijn (1606-1669, Leihgabe Albertina, Wien) direkt verglichen werden.

Die Ausstellung Global:Lab macht deutlich, wie die Konfrontation mit dem Anderen zwangsläufig zur fruchtbaren Beschäftigung mit der eigenen Tradition führt. (Markus Mittringer, DER STANDARD/Printausgabe 12.8.2009)

Info

Bis 27. September

  • Blatt aus der Mogulenhandschrift "Hanza Nama", entstanden zwischen 1557 und 1577.
    foto: mak

    Blatt aus der Mogulenhandschrift "Hanza Nama", entstanden zwischen 1557 und 1577.

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