Ein Kontinent außer Kontrolle

11. August 2009, 18:09
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Die IAAF gibt zu, dass in Afrika keine Blutdopingtests stattfinden

Berlin - Afrikas Läufer müssen keine Angst vor unangekündigten Blutkontrollen haben. Auf dem Kontinent gab es vor der am Samstag in Berlin beginnenden Leichtathletik-WM keinen einzigen Bluttest. Chris Butler, Anti-Doping-Sprecher des LA-Weltverbands (IAAF), hat dem Tagesspiegel die Unglaublichkeit bestätigt.

Hintergrund sei das Fehlen von Labors, die von der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) für die Analyse von Blutkontrollen zugelassen sind und nach einem einheitlichen Verfahren die Parameter ermitteln. Die Wada verlangt, dass Blutproben binnen 36 Stunden ins Labor geschafft und bei vier Grad plus transportiert werden. Solange es in Afrika kein Labor gibt, wird das Kontrollsystem weiter Lücken aufweisen. Butler: "Doch selbst wenn es ein Labor in Südafrika gäbe, wäre es schwer, eine Probe aus Kenia dorthin zu bringen."

Der schwedische Wissenschaftler und Dopingexperte Bengt Saltin kritisierte die Zustände: "Das ist sehr überraschend und inakzeptabel." Für ihn ist die Erklärung der IAAF "eine schlechte Ausrede" . In jedem afrikanischen Krankenhaus ließe sich zumindest der Hämoglobinwert des Blutes bestimmen. Saltin muss nach eingehenden Untersuchungen zahlreicher Blutprofile seit langem davon ausgehen, dass afrikanische Läufer Blutdoping betreiben. Seit etwa sieben Jahren seien "viele Werte abnormal" . Der Schwede hatte der IAAF schon im Vorjahr schwere Vorwürfe gemacht, ohne dass sie reagierte.

Der Fall der fünf positiv getesteten jamaikanischen Sprinter wird indes immer skurriler. Jamaikas Anti-Doping-Kommission (Jadco) hatte die Läufer zunächst freigesprochen, womit sie bei der WM startberechtigt wären. Nun hat Jadco gegen das eigene Urteil berufen. Damit muss u.a. Yohan Blake, 2009 fünftbester Sprinter weltweit und Klubkollege von Usain Bolt, wieder um seine WM-Teilnahme bangen. (sid, fri, DER STANDARD Printausgabe, 12.8.2009)

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    Äthiopiens Kenenisa Bekele überragt als Olympiasieger über 5000 und 10.000 m alle Afrikaner, den Weltrest sowieso.

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