Das nächste Stück von der Freude am Leben

11. August 2009, 17:53
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Österreich kickt gegen Kamerun, um zu zeigen, dass es im Fußball keine Zufälle mehr gibt - Die gute Laune soll die Basis fürs Wachstum sein

Klagenfurt - Die Liste der im Fußball gebräuchlichen Floskeln wird angeführt von: "Der Ball ist rund." Diese hat Teamchef Dietmar Constantini am Tag vor dem Treffen mit Kamerun vielleicht bewusst ausgelassen, er suchte sich stattdessen die nächstbeste aus, die lautet: "Man muss von Spiel zu Spiel schauen." Wobei er schon vorausschickte, dass sie zu den dümmsten Phrasen überhaupt zählt, allerdings müsse man zur Kenntnis nehmen, "dass sie stimmt" . Mit dem Ausdruck des Bedauerns hat er darauf beharrt.

Österreich gegen Kamerun am Mittwoch in Klagenfurt (20:15, ORF1) und der Versuch einer Inhaltsangabe. Wobei Kameruns Teamchef Pau Le Guen und Superstar Samuel Eto'o kein Interesse haben, diese auch einzuhalten. Constantini schlägt folgendes Programm vor: "Über den Kampf ins Spiel kommen." "Schnell und beweglich sein, sich dagegenstemmen." "Zeigen, dass das 2:1 gegen Rumänien und das 0:1 in Serbien keine Zufallsprodukte waren" . "Jeder drängt sich für weitere Aufgaben auf." Schlusspointe sollte ein Sieg sein, der vom Publikum, ehe der Vorhang fällt, heftig akklamiert wird.

Jedes Stück benötigt eine Besetzung. Constantini verrät die Aufstellung nie, selbst die Darsteller werden spät, aber noch rechtzeitig vor Anpfiff informiert. Christian Fuchs wirkt sicher nur 45 Minuten mit, sein Arbeitgeber Bochum hat darum förmlich gefleht. Fuchs wurde übrigens während des Trainings von einer Wespe gestochen, dem Opfer geht es gut, der Täter ist entkommen, das hat aber nichts mit den Einsparungen bei der Polizei zu tun. Das Tor wird sicher nicht leer bleiben, Helge Payer und der vereinslose Jürgen Macho dürften sich den Job brüderlich teilen, hintereinander.

Constantini wird wohl die eine und vielleicht auch eine andere Überraschung liefern, der 22-jährige Rapidler Christopher Trimmel könnte debütieren. Jener Trimmel, von dessen Existenz Andreas Ibertsberger "bis vor zwei Tagen nichts gewusst hat" . Kapitän Paul Scharner und sein zwickender Oberschenkel, die davon ausgehen, 45 Minuten durchzuhalten, haben Trimmel "im Fernsehen gesehen" . Trimmel selbst, der binnen drei Wochen von null auf hundert beschleunigt hat, schickt sich an, "den Teamchef zu überzeugen. Mein Aufstieg ist kein Zufall, sondern Resultat harter Arbeit."

Scharner betont die gute Stimmung. "Jeder nimmt vom Team positive Energien mit." Ibertsberger glaubt, nun Teil einer Mannschaft zu sein, "die wachsen kann" . Constantini schätzt "die professionelle Einstellung" . Der Eindruck, die Lockerheit und Harmonie grenzten fast an Kitsch, täusche. "Es ist doch wichtig, dass die Spieler Freude am Leben haben."

Die bisherigen Vergleiche mit Kamerun endeten remis (1998 in Toulouse 1:1, 2002 in Wien 0:0). Martin Hiden und Ivica Vastic werden 2009 offiziell verabschiedet, jeder der beiden absolvierte 50 Länderspiele. Der ursprüngliche Plan, sie noch einmal fünf Minuten einzusetzen, musste verworfen werden. Die humorlose Uefa hätte sie zum Austauschkontingent (sechs Wechsel sind erlaubt) gezählt. Ganz im Ernst kann Kamerun das Match durchaus gewinnen. Denn der Ball ist rund. (Christian Hackl, DER STANDARD Printausgabe, 12.8.2009)

  • Elf Freunde sollt ihr sein, vielleicht auch ein wenig mehr. Österreichs Fußballer versammeln sich zum Test gegen Kamerun.
    foto: gepa/jannach

    Elf Freunde sollt ihr sein, vielleicht auch ein wenig mehr. Österreichs Fußballer versammeln sich zum Test gegen Kamerun.

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