Grusel-Bilder ohne Ende

11. August 2009, 17:45
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Seit Jacksons Tod wird man - vor allem als TV-Konsument - mit einer Flut an makaber-grotesken Bildern und Nachrichten konfrontiert

Schön wäre es zu erfahren, wie es dazu kommen konnte, dass aus einem begnadeten Jungen eine groteske Kunstfigur wurde, die sich Michael Jackson nannte, aber wohl nicht einmal mehr von der eigenen Mutter erkannt wurde. Seit Jacksons Tod wird man allerdings - vor allem als TV-Konsument - mit einer Flut an makaber-grotesken Bildern und Nachrichten konfrontiert. Als wäre der Jackson-Clan eine Firma, die sich darauf spezialisiert hat, gruselige Fakten und Gerüchte zu produzieren.
Das fing schon mit Jacksons Vater an, der - Sohn Michael war noch weit davon entfernt, begraben zu werden - euphorisch die Gründung einer Plattenfirma verkündete.

Nicht leicht zu ertragen war auch das erstaunlich gut gelaunte Gedenkkonzert in Anwesenheit des Jackson-Sarges. Dann tauchten auch noch jene alten, bizarren Aufnahmen auf, die zeigten, wie Jacksons Haare bei einem Werbespotdreh zu brennen begannen.
Dem Moonwalker fiel nicht auf, dass sein Kopf schon ein wenig einem Feuerball glich, bis sich einige Leute - Feuer löschend - auf ihn stürzten.

Schönes Geld wird jemand damit verdient haben, dies Material zu lancieren. Es wird schon nicht Bruder Jermaine Jackson gewesen sein. Wobei: Selbiger hat sich nun wahrlich zum echten Gedenk-Unternehmer entwickelt, der uns auch mit Seltsamkeiten beliefert. Er verkündete die Todesnachricht. Er sang vor dem Sarg ein Lied, bei dem es ums Lachen ging. Er wiederholte das Lied unlängst wieder bei Zwentendorf, und er ist nun dabei, Gedenkkonzerte möglich zu machen. Womit wir bei der letzten Skurrilität im Zusammenhang mit dem Toten angelangt wären.

Auf CNN, bei Larry King, hat Jermaine unlängst gemeint, Schönbrunn wäre ein schöner Konzert-Ort - das Ambiente habe Michael gefallen. Und nun wird man offenbar bald Karten für ein Konzert kaufen können, von dem bis dato weder Ort noch Zeit und auch kein Künstler bekanntgegeben wurde. Wird schon stattfinden, wird schon wer übertragen. Und neue, makabre TV-Bilder schenken. (Ljubiša Tosic, DER STANDARD; Printausgabe, 12.8.2009)

 

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Michael Jackson.

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