Spitzenpositionen sind fest in Männerhand

11. August 2009, 17:22
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Frauen drängen in die Medizin: Sie stellen zwar 60 Prozent der Turnusärzte, aber nur zehn Prozent der Primariate

Wien - Männerdominiert bleibt vor allem die Spitze: Nur knapp zehn Prozent aller österreichischen Primariate sind in Frauenhand. Beispiel Wien: Hier sind 305 Männer in dieser Leitungsfunktion und 51Frauen. Und das, obwohl Frauen bereits 60 Prozent der Turnusärzte stellen, 50,5 Prozent der Allgemeinmediziner, 48 Prozent der Dermatologen und 53 Prozent der physikalischen Mediziner.

In den verschiedenen Disziplinen gibt es ein äußerst unterschiedliches Männer-Frauen-Verhältnis. Laut Gabrielle Fischer, eine der wenigen weiblichen Universitätsprofessorinnen, drängen Männer vor allem in jene Bereiche, die gut bezahlt sind. Chirurgie, Gynäkologie und Urologie seien etwa männlich dominiert. In der Psychiatrie hingegen gebe es mehr Frauen. Fischer selbst ist Psychiaterin, sie leitet die Drogenambulanz im Wiener AKH.

Dass Führungsposten fast ausschließlich männlich besetzt sind, konnte auch ein Anreizsystem, das noch unter Ministerin Elisabeth Gehrer eingeführt wurde, nicht ändern. Für die Berufung einer Frau in eine Professur gibt es vom Staat 33.000 Euro Förderung. Die meisten Spitäler verzichteten darauf.

Ändern der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen

Auch der universitäre Bereich wird von Männern beherrscht. Fischer macht darauf aufmerksam, dass die Senate, die über Professuren entscheiden, zu 80 Prozent männlich besetzt seien. Auch die Berufungskommissionen seien wiederum männlich besetzt. Ein Zustand, den Wissenschaftsminister Johannes Hahn ändern möchte, in all diesen Wirkungsbereichen sollen künftig wenigstens 40 Prozent Frauen sitzen.

Melitta Bohn-Rieder, die Organisatorin des alljährlichen Ärztinnentages, will zwar nichts von Quoten wissen, meint aber, dass es "gläserne" Kriterien brauche, "damit wir dorthin kommen, wo wir hinwollen" - sprich Frauen auch stärker in die Führungsfunktionen vorstoßen. Wobei die Ärztin auch glaubt, dass sich die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen ändern müssten. Konkret spricht sie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie an, genauer jene von Karriere und Familie, denn: "An der Qualifikation liegt es sicher nicht, dass Frauen nicht in Spitzenpositionen kommen." Ein wichtiges Thema sei dabei die Gleichstellung in der Kinderbetreuung. "So lange wir das nicht egalisieren können, wird es schwierig", sagt Bohn-Rieder, "da geht einfach Arbeits- oder Ausbildungszeit verloren".

"Ein großes Karrierehindernis baut sich nach den Interviewbefunden in dem Moment auf, in dem Frauen Kinder bekommen", heißt es auch in einer "Ärztinnenstudie". Diese stammt zwar aus dem Jahr 2002 - am Befund hat sich aber wohl nichts geändert. (pm, völ, DER STANDARD, Printausgabe, 12.8.2009)

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