Pestizide in Lebensmitteln

21. März 2003, 13:11
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Agentur für Gesundheit und Ernährungsicherheit: Kein Grund zur Panik - Global 2000: Hauptprobleme in den Entwicklungsländern

Wien - Alle paar Monate verunsichern Meldungen über überhöhte Pestizidgehalte die Konsumenten. Grund genug für die neue Agentur für Gesundheit und Ernährungsicherheit (AGES), Fachleute aus den verschiedensten Sparten am Donnerstag zu einem Pestizid-Forum nach Wien einzuladen. Auch wenn Vorsicht angebracht sei, Grund zur Panik bestehe generell nicht, sagte AGES-Geschäftsführerin Christine Weber.

Generell konnte der Einsatz von Pestiziden mengenmäßig seit den achtziger Jahren in etwa halbiert werden, so Weber. Die Hauptursache dafür ist der wesentlich gezieltere Einsatz der Mittel durch die Landwirte. Auf der anderen Seite wird die Analytik besser, so können auch noch geringste Spuren Pestiziden in Lebensmitteln nachgewiesen werden.

Grenzwerte

Ausschlaggebend für Beanstandungen ist dabei der zulässige Grenzwert. Dabei wird im Tierversuch jene Dosis ermittelt, bei welcher keinerlei Gesundheitsbeeinträchtigungen zu beobachten sind. Meist wird dann ein Hundertstel von diesem so genannten No-Observed-Adverse-Effekt-Level (NOAEL) zum Grenzwert für menschliche Nahrung festgelegt. "Das bedeutet, dass Grenzwertüberschreitungen selbst um das Doppelte nicht zwangsläufig die Gesundheit beeinträchtigen", so die Expertin.

Pestizid-Gehalt

Generell sei zu beobachten, dass Billigprodukte im Handel häufiger mit hohen Mengen an Pestiziden belastet seien als teurere Ware, berichtete Weber. Wer aus finanziellen Gründen stets auf die verlockendsten Angebote zurückgreifen muss, kann nach Ansicht der Expertin dennoch etwa für seine Sicherheit tun. So seien saisonale Produkte aus Österreich nicht nur billiger, sondern meist auch geringer belastet als irgendwo anders zur falschen Zeit gezogenes Obst und Gemüse. Außerdem würden lange Transportwege zusätzlichen Pestizideinsatz erfordern.

Hauptprobleme in den Entwicklungsländern

Klaus Kastenhofer von Global 2000 wies darauf hin, dass laut Weltgesundheitsorganisation WHO jährlich drei Millionen Menschen weltweit direkt oder indirekt durch Pestizide erkranken und 220.000 sterben. Dabei lägen die Hauptprobleme in den Entwicklungsländern. Aber auch in den Industriestaaten sei zu wenig über Langzeitschäden durch Pestizide bekannt. Daneben werde bei der Festlegung von Grenzwerten zu wenig berücksichtigt, dass es so genannte Cocktaileffekte gebe. Dabei potenziert sich die Wirkung zweier oder mehrerer Schadstoffe. So könne es auch ohne nachweisbare Grenzwertüberschreitungen zu Gesundheitsrisiken kommen. So genannte Summengrenzwerte würden das Problem berücksichtigen.

In Österreich laufen mehrere Programme zur stichprobenartigen Kontrolle von Lebensmitteln. Die Zahl der Proben, die allesamt von der AGES untersucht werden, steigt von Jahr zu Jahr. Ebenso nimmt die Zahl der analysierten Stoffe pro Probe zu. Im Jahr 2002 wurden 1.282 Proben auf je 217 Schadstoffe untersucht. In sechs Prozent der Fälle wurden Grenzwertüberschreitungen festgestellt, berichtete Roland Grossgut von der AGES. Dabei schneidet importierte Ware in der Regel schlechter ab als österreichische. Die Feststellung einer Höchstwertüberschreitung durch die AGES führt automatisch zu einer gerichtlichen Anzeige. (APA)

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AGES
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