Müllvermeidung steckt in den Windeln

23. März 2003, 09:35
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23 neue Projekte gegen den Mistberg - vom Windeldienst bis zum Handyrecycling

Wien - In ein paar Wochen soll es losgehen: Da werden in Wien die Mehrwegwindeln abgeholt, gewaschen und dann wieder zugestellt. Ein Service, das nicht nur lästige Arbeit erspart - sondern vor allem auch die Umwelt schont.Dieser Windeldienst ist eines jener Projekte, die im Rahmen der Initiative "Abfallvermeidung in Wien" von einer Jury zur Umsetzung empfohlen wurden, wie Umweltstadträtin Isabella Kossina (SP) am Freitag berichtete.

Windelprojekt

Das Windelprojekt läuft unter dem Namen "Verein zur Förderung von waschbaren Wickelsystemen", kurz WIWA, und hat sich zum Ziel gesetzt, die flächendeckende Verwendung von Mehrwegwindeln zu fördern. Derzeit läuft das Projekt bereits in einer Testphase. Die Mitarbeiter des Vereins kommen zweimal pro Woche, um die gebrauchten Windeln abzuholen und neue zu bringen. Kosten soll der Dienst etwa das Gleiche wie die Benützung von Wegwerfwindeln, wurde versichert.

Im ersten Jahr sollen rund 400 Familien versorgt werden können."Mir geht es um innovative, konkrete Konzepte, nicht um irgendwelche neuen Papiere", erklärte Kossina am Freitag bei der Präsentation der neuen Kampagne.

Jeder Wiener produziert eine halbe Tonne Müll jährlich

Handlungsbedarf gibt es jedenfalls genug: Jeder Einwohner von Wien produziert im Schnitt jährlich eine halbe Tonne Müll. Pro Jahr und Haushalt werden 180 Millionen Stück Getränkedosen, 147 Millionen Einweg-Pet-Flaschen und 40 Kilo Werbematerial weggeworfen.

Wettbewerb

Ende des Vorjahres war eine internationale Jury beauftragt worden, Abfallvermeidungsprojekte im Rahmen eines Wettbewerbes zu prüfen. Von 61 Einreichungen wurden 23 ausgewählt und gefördert.Projekte gibt es nun nicht nur für Kleinkinder und deren "Betreuer", sondern auch für Handybenutzer, Gärtner und Spitäler:

Mobiltelefone

Gefördert wird etwa die Sammlung und Weiterverwendung von nicht mehr funktionstüchtigen Mobiltelefonen. Weiters läuft eine Analyse, ob biologische abbaubare Pflanzentöpfe Marktchancen haben. Auch in Krankenhäusern wird nach Abfallvermeidungspotenzialen gesucht.

Umweltfreundliches Einkaufszentrum

Geplant ist zudem die Erstellung eines Umsetzungskonzepts für ein umweltfreundliches Einkaufszentrum in Wien. Der Business-Plan soll für ein Kaufhaus gelten, in dem nur nachhaltig produzierte Waren und Dienstleistungen angeboten werden.

Näheres beim Misttelefon: [TEL] (01) 546 48. Laut Kossina werden heuer drei Millionen Euro für die Projekte zur Verfügung gestellt. Ab September soll die Ausschreibung für 2004 laufen. Erfolgreiche Projekte können auch verlängert werden und müssen sich nicht neu bewerben. (APA, frei, DER STANDARD Printausgabe 22/23.3.2003)

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