"ZARA" droht das Aus

24. März 2003, 10:48
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Beratungsstelle für Rassismus-Opfer fordert Geld vom Bund - Report 2002 präsentiert: Rassismus in Österreich nimmt zu - Das Papier zum Download

Wien - Der Staat Österreich sei im beschämenden Maß untätig im Kampf gegen den Rassismus und unterstütze weder die Beratungsstelle für Zeugen und Opfer von Rassismus, noch biete er einen anderen Weg, um professionell mit Rassismus umzugehen. Das erklärten die Vertreter des Vereins ZARA (Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit) am Freitag bei der Präsentation des "Rassismus Report 2002" in einer Pressekonferenz. Seit Jänner 2000 betreibe ZARA die einzige Beratungsstelle im Kampf gegen den Rassismus. Aus Geldmangel drohe Zara jetzt das Aus.

Internationaler Tag gegen Rassismus

Der Report Rassismus 2002 wurde anlässlich des heutigen Internationalen Tages gegen Rassismus der Öffentlichkeit vorgestellt. Darin werden 170 von über 300 jährlichen Fällen ausgewählt und dokumentiert, die etwas, so Verena Krausneker, Gründerin von ZARA, eindeutig aussagen: Das Klima in Österreich werde zunehmend rassistisch, die Hemmschwelle vor Gewalt und körperlichen Übergriffen sei deutlich gesunken. "Diese Tendenz, die in Deutschland schon länger offensichtlich ist, wird auch in Österreich Realität", stellte Krausneker fest. Zum nahezu gewohnten Bild in Wien gehörten rassistische Beschmierungen. "Tötet Neger" oder "Neger raus" sei auf zahlreichen Hausmauern zu lesen. "Von der Präsenz in der Sprache zur Umsetzung in die Tat ist es oft nicht weit", warnte Krausneker.

Österreich säumig

Am 13. Juni 2003 müsse eine EU-Richtlinie zur Gleichbehandlung umgesetzt sein. Hier sei Österreich säumig, denn in der juristischen Beratung gegen Rassismus wäre der Mangel an rechtlicher Handhabe gegen rassistische Übeltäter oft schmerzlich spürbar, stellte Ali Talhikhan, juristischer Berater von ZARA, fest. Der Forderungskatalog des ZARA-Teams reicht darum von einem umfassenden Antidiskriminierungspaket bis zu Dienstnummern auf den Uniformen von Exekutivbeamten.

Da sich Österreich zu Schritten gegen den Rassismus offenbar nur schwer motivieren lasse, sei das Engagement des einzelnen umso wichtiger, meinte Krausneker. Und der Sprecher von ZARA, der Schauspieler Alexander Pschill, erklärte: "Wenn meine afroamerikanische Freundin oder mein jüdischer Freund nicht sicher sein können oder nicht in die selben Lokale gehen können wie ich, dann kann ich auch nicht sicher sein, kann auch ich mich nicht wohlfühlen."

Das Aus droht

Jetzt droht ZARA das Aus. Es wäre immer schwieriger geworden, die 80.000 bis 90.000 Euro jährlich für die Beratungsstelle aufzubringen. Da vom Bund kein Cent für die Anti-Rassismus-Arbeit komme, sei ein weiterer Betrieb nicht mehr machbar, erklärte Katrin Wladasch, Vorstandsmitglied von ZARA. Neben Geld sei aber auch ein Klimawandel in Österreich dringend nötig. Dazu brauche es aber, so Krausneker, politische Signale, dass Rassismus in Österreich nicht erwünscht sei. Diese aber würden bislang fehlen.

Die Grüne Menschenrechtssprecherin Terezija Stoisits forderte eine Antidiskriminierungsgesetz, die Aktion Kritischer SchülerInnen ein Ant-Diskriminierungspaket für Schulen. (APA)

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ZARA

Termin

16. April ZARA-Benefiz-Konzert
im Chelsea
AIKA SURROUND (Dancehallfieber Records) GRANT ROYAL HOLLY MAY Djs: SMART IMPORT 5 wohlfeile Euro (zu 100% an ZARA)

  • Der "Rassismus Report 2002"

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    screenshot: derstandard.at
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