Verändertes Aussehen hilft Tieren zu überleben

11. August 2009, 18:36

US-Forscher haben die große Anzahl verschiedener Erscheinungsbilder innerhalb mancher Arten untersucht

York - Biologen um Geoff S. Oxford von der University of York (USA) untersuchen seit längerem die Webspinnenart Theridion grallator auf Hawaii. Die im Englischen "happy face spider" genannte Spinne ist meist hellgelb. Auf manchen der Spinnenkörper sind aber auch Muster zu sehen - rot, schwarz und weiß -, die manchmal an ein glückliches Gesicht erinnern. Die Kennzeichnung wird an die Nachkommen vererbt. Was hinter dieser sichtbaren genetischen Vielgestaltigkeit innerhalb einer Art (Polymorphismus) stehen könnte, hat das Forschungsteam nun mit Hilfe eines Computermodells untersucht.

Apostatische Selektion

Als Erklärungsmodell war bisher die "apostatische Selektion" angenommen worden, d.h. dass sich Räuber die häufigsten Morphe (quasi die am häufigsten auftretende Kennzeichnung) in der Beutetierpopulation aussuchen. Seltene Morphe haben also einen Selektionsvorteil, nehmen in der Population aber nach und nach zu, während die bislang häufigsten Morphe von den Räubern gefangen werden. Die Räuber haben dazu ein mentales Suchbild der häufigsten Erscheinung der Beutetiere entwickelt, nach dem die Umgebung bei der Nahrungssuche besonders durchkämmt wird. Die Spinnen mit seltenem Muster werden so weniger als Beute wahrgenommen, weil ihre Erscheinung nicht dem Suchbild entspricht.

Erklärung

Den Forschern zufolge kann das oben beschriebene Selektionsmodell aber nicht die große Anzahl der verschiedenen Erscheinungsbilder innerhalb mancher Arten - wie Theridion grallator - erklären. Wie sie im Journal "Evolution" beschreiben, dürfte dahinter vielmehr eine Art "dietary wariness" (Nahrungsvorsicht) der Räuber stehen - nämlich das Zögern, neuartige Nahrung aufzunehmen, und ein Widerwille, diese dem gewohnten Speiseplan hinzuzufügen. Den Computeranalysen zufolge reicht bereits eine geringe Ausprägung dieser Zurückhaltung vor unbekannter Nahrung völlig aus, um bei den Beutetieren - zum Beispiel den oben beschriebenen Spinnen - eine hohe Vielgestaltigkeit zu schaffen.

"Ein Beutetier, das sich von den Artgenossen unterscheidet, hat einen Überlebensvorteil, weil es Räubern fremdartig erscheint", erläuterte Systemanalytiker Daniel Franks. "Manche Beutetierarten haben Polymorphismen entwickelt, um Räuber gezielt abzuschrecken. Sie konfrontieren die Jäger mit einer großen Vielfalt von visuell neuartigem Fressen." (red)

lemming0815
00
13.8.2009, 11:02
untersuchen seit längerem [...] auf Hawaii

ich glaube, dass dies die intention hinter der studie ist

Nick Tameer
00
13.8.2009, 12:02

Ein Fall von fröhlicher Wissenschaft, was ich begrüßen würde.

unfrieden
01
12.8.2009, 07:51

Und wo ist da jetzt die große Abweichung zur apostatischen Selektion?

Ob der Räuber es nicht isst, weil er ursprünglich nach anderer Beute gesucht hat oder ob er es nicht isst, weil es nicht seine übliche Beute ist... - Ich seh den gravierenden Unterschied einfach nicht.

Rincewind III
00
12.8.2009, 13:04

ich glaube, das eine ist angeborenes verhalten, das andere erlerntes.

Nick Tameer
00
12.8.2009, 18:11

Das ist wohl nicht ganz der Punkt. Ich verstehe es so:

Apostatische Selektion beruht darauf, dass der Fressfeind die Beute übersieht. Hier wird die Beute zwar erkannt, aber verschmäht, wenn sie ein ungewohntes Aussehen hat. Wenn man (das wird nicht so klar ausgesprochen) gedanklich noch den logischen Baustein hinzufügt, dass diese Vorlieben bei den Fressfeinden individuell verschieden sein können, hat jedes Beutetier mit neuartiger Zeichnung einen Vorteil, was die Zahl der Varianten erhöht.

greenIT
04
11.8.2009, 21:54
was der bauer nit kennt frisst er nit

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