Evaluierungskommission steht hinter Adamovich

11. August 2009, 16:22
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Keplinger zu Ö1: Großer Kriminalfall, der bisher nicht von A bis Z geklärt

Wien  - Nachdem Ludwig Adamovich als Leiter und Sprecher der im Innenministerium angesiedelten Evaluierungskommission im Fall Natascha Kampusch nach medialen Aussagen zunehmend in die Kritik geraten ist, haben sich am Dienstag weitere Mitglieder der Kommission geschlossen hinter die Stellungnahmen des Ex-Verfassungsgerichtshofpräsident gestellt. "Wir tragen die Aussagen von Ludwig Adamovich mit", betonte Rudolf Keplinger, Chef des Landeskriminalamts Oberösterreich, im Ö1-Morgenjournal. "Wir sechs Mitglieder sind alle einer Meinung." Die Causa Kampusch sei ein großer Kriminalfall, der von A bis Z geklärt werden müsse - das sei bisher nicht geschehen.

Nachdem ein weiteres Mitglied Johann Rzeszut, Ex-Präsident des Obersten Gerichtshofs (OGH), sich bereits am Wochenende zu Wort gemeldet und dabei erklärt hatte, Kampusch drohe durch einen Komplizen ihres Entführers Wolfgang Priklopil Gefahr, nahm am Dienstag auch Susanne Reindl-Krauskopf vom Institut für Strafrecht öffentlich Stellung: "Die kriminologische Erfahrung zeigt, dass es durchaus immer wieder zu Bedrohungen des Opfers kommen kann, wenn es mehrere Täter gibt. Es will ja keiner, dass der Frau Kampusch wieder etwas Negatives zustößt", betonte die stellvertretende Kommissionsvorsitzende gegenüber Ö1.

Reindl-Krauskopf bestätigte Adamovichs Aussagen, dass der Ablauf der Entführung und der Gefangenschaft unklar und die Suche nach Mitwissern nicht abgeschlossen sei: "Bei allen Fragen muss man eigentlich sagen: Nein, sie ist nicht beantwortet. Da muss man weitermachen." Dass Kampusch unter den öffentlichen Aussagen der Kommission leide, tue ihr leid, aber es gehe auch um den Schutz möglicher anderer Opfer. Eine Befugnis Kampusch selbst vor einer Gefahr zu warnen habe die Kommission nicht.

Bisherige Schwierigkeiten bei den Ermittlungen in der Causa zwischen der Wiener Staatsanwaltschaft und dem Bundeskriminalamt sieht Reindl-Krauskopf laut Ö1 in der neuen Strafprozessordnung begründet, laut der die Behörde das Sagen hat und Ermittlungsaufträge an die Polizei erteilt. Der Evaluierungskommission gehören weiters der Leiter der Rechtssektion im Innenministerium, Mathias Vogl, sowie der Kriminalpsychologe Thomas Müller an. Beide waren am Dienstag telefonisch nicht erreichbar.(APA)

 

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