Nachlese

Mafiaanklage gegen Tierschützer

11. August 2009, 18:14
  • Artikelbild
    foto: standard/cremer

    Der Strafantrag umfasst rund 200 Seiten und soll auch den zentralen Vorwurf der Bildung einer kriminellen Organisation nach dem sogenannten Mafia-Paragrafen 278a Strafgesetzbuch (StGB) enthalten.

Zehn Aktivisten wegen Paragrafs 278a vor Gericht

Wien - Der Strafantrag ist mit 218 Seiten beachtlich dick - und auch die in ihm enthaltenen Vorwürfe sind beachtlich: Nach mehr als zwei Jahren Ermittlungen sowie monatelanger Prüfung des Falls durch die Oberstaatsanwaltschaft Wien und das Justizministerium hat die Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt entschieden, zehn Tierschützer wegen des Antimafiaparagrafen 278a vor Gericht zu stellen. Ihnen drohen bis zu fünf Jahre Haft, ein Prozesstermin steht noch nicht fest.

Der Strafantrag wurde den Anwälten einzelner Beschuldigter am Dienstag zugestellt. Er besagt, dass die Aktivisten laut Paragraf 278a eine "auf längere Zeit angelegte unternehmensähnliche Verbindung" konstituiert haben - im vorliegenden Fall eine "Zelle der international agierenden Animal Liberation Front".

Den je fünf Mitgliedern des Vereins gegen Tierfabriken (VGT) und der Basisgruppe Tierrechte (BAT) wird vorgeworfen, durch Buttersäureanschläge und Sachbeschädigungen, gefährliche Drohung und Nötigung Druck auf Textilketten und andere Unternehmen ausgeübt zu haben. Die Firmen sollen in ihrer wirtschaftlichen Existenz gefährdet gewesen sein. Die Proteste der Tierschützer hatten sich unter anderem gegen Pelztierhaltung und Pelzverkauf gerichtet.

Für Stefan Traxler, Anwalt des mitangeklagten VGT-Obmanns Martin Balluch, kommt die Anklageerhebung "angesichts des Umfangs, der Länge und der Kosten der Ermittlungen nicht überraschend". Er kündigte an, sich gegen die geplante Durchführung der Verhandlung vor einem Einzelrichter in Wiener Neustadt wehren zu wollen: "Die dortigen Richter und Staatsanwälte sind großteils befangen".
Verunsicherung bei NGOs

Wegen der Anwendung von Paragraf 278a gegen politische Aktivisten werde die Anklageerhebung zu Verunsicherung bei anderen NGOs führen, sagte SPÖ-Justizsprecher Hannes Jarolim. Die Anklagebegründung sei also "besonders wichtig". (bri, DER STANDARD Printausgabe, 12.8.2009)

 

 

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 677
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15
Hebe
01
30.8.2009, 08:41
Lesen müssen, bitte, alles von Anfang bis zum Ende!


http://www.schattenblick.de/infopool/... rwg03.html

Warwick Hills
00
30.8.2009, 15:24
Danke, sehr aufschlussreich!

Balluch (5. Frage):

"Bei Paragraph 278 a geht es nur noch um den, so hat mir das die Oberstaatsanwältin wörtlich gesagt, subjektiven Gesamteindruck. Es geht wirklich darum, bei jemandem - jetzt in den Augen eines tendenziell rechtskonservativen Richters - den Eindruck zu erwecken, das ist jemand, der ist gefährlich für die Gesellschaft. Und das reicht."

Gefährliche Tendenzen, in der Liga von Bush und Cheney!

Papiertiger
36
23.8.2009, 23:24
mich würde interessieren warum der standard.at ständig von "mafia" schreibt, jedoch weder die Staatsanwaltschaft noch der Verteidiger von einer solchen sprechen

entweder mangelt es den autoren hier an einer qualitiativen ausbildung bzw recherche arbeit oder die zeitung betreibt schlichtweg einfach nur schlechten journalismus.

in jedem fall beschähmend für eine zeitung, die doch den ruf hat eine qualitätszeitung, was ihren inhalt betrifft, zu sein!

kikonabetoko
43
28.8.2009, 00:56
Antimafiaparagraf

Der wird so genannt, weil er - hoffentlich! - ursprünglich dazu gedacht war, besser gegen mafiaähnliche Organisationen vorgehen zu können. Deswegen soll er auch in diesem Zusammenhang so genannt werden - um klar zu machen, dass der Paragraf hier missbraucht wird!

Bowdoin
62
24.8.2009, 12:26
sorry, es wird sich nicht ändern

jeder weiss, dass du sowas wie einen heiligen krieg gegen das wort mafia in bezug auf par. 278a führts. du wirst diese bezeichnung nie in deinem leben abschaffen können, weil sie das wesen des par. in einem wort erfasst.

der verteidiger hat schon während der u-haft von "mafia" gesprochen und wird es vor gericht wieder tun. es ist klar, warum die staatsanwaltschaft das wort sorgfältig meidet, oder?

die journalisten von "standard" und apa haben sehr wohl den durchblick. willst du sagen, dass andere medien nicht "mafiagesetz" und so schreiben?

Marie Murmel
34
13.8.2009, 12:36

ja ich seh grad ein wie furchtbar naiv ich war, ich war mit zwar bewusst dass konzerne mega viel macht haben aber dass es so weit gehen kann hätte ich in diesem regierungssystem nicht gedacht. Jetzt heisst es aufwachen!!

alleine wenn ich an die berichte denke wie die aktivistInnen festgenommen wurden.

die wega holte sie mit gezogenen waffen aus den betten...

Green Scare verbreitet sich ... welche Organisation ist die nächste ... die Öko-Heinis würden sich anbieten, diese kriminellen Genmaiszertrampla haben ja schon gezeigt welche Gefahr von ihnen ausgeht (wie könnt ihr da nur so lange tatenlos zusehen?).

Marinos Yannikos
25
12.8.2009, 22:52
Im Sumpf der Jägermafia...

...in NÖ kann man es ja machen.

dd_san
55
12.8.2009, 18:30
.

Ein Wort: Unverhältnismäßig!

Papiertiger
34
18.8.2009, 15:49
wie der Strafantrag? wieso das?

wenn ist er unbegründet. der terminus unverhältnismäßigkeit ist hier fehl am platz.

Ergreiferprämie
35
12.8.2009, 20:38

Was? Schwere Vorwürfe so lange intensiv zu verfolgen, bis alles aufgeklärt ist?

yes2bertl
42
13.8.2009, 16:34
Ergreiferprämie,

immer noch nicht ausbezahlt oder was keifen Sie hier herum?

Joconde
72
18.8.2009, 16:44
'Ergreiferprämie'

aka 'Papiertiger' und 'derStandardadvokat' (o.ä.)! Nach eigenen Aussagen "Mitarbeiter einer Anwaltskanzlei".

Manchmal auch 'Theobald Tiger'?

Papiertiger
06
21.8.2009, 02:55
ihre fantasie scheint keine grenzen zu kennen

dass poster die ähnlicher und nicht ihrer meinung sind, einfach in einem großen forum vorkommen, gibt es wohl nicht oder?
oder gehen ihnen einfach nur die argumente aus und sie müssen deswegen die autoren diskreditieren...

in jedem fall sehr schwoch

Nineveh
62
20.8.2009, 08:56
Die Liste ist noch länger?

Ich denke, "David Seppi" auch. Schwer beschäftigt! (-;

Papiertiger
35
20.8.2009, 01:18
alt bekannte taktik

wenn einem die argumente ausgehen, einfach die autoren diskreditieren. sehr schwoch...

Andreas 1958
12
12.8.2009, 17:58
Herr Peter Graf,...

der mir aus einem Prozess (einem seiner vielen) persönlich bekannt, hat damals nicht davor zurückgechreckt, hinten und vorne zu lügen.
Was ihm dieses Duell mit einem Mobilfunkbetreiber auch verlieren ließ.
Paranoide "Obermenschen" in leitender Funktion sind eine Geißel für die Menschen.
Vielleicht will er ja auch nur seinen Frust darüber, dass damals Justitia nicht blind war, Luft machen?

Ergreiferprämie
01
12.8.2009, 19:55

Was kann der jetzt dafür? Er hat legale Produkte verkauft - auch ich bin gegen Pelze und Derartiges, aber es ist nunmal erlaubt - und wurde zum Opfer schwerer strafbarer Handlungen-so what?

Andreas 1958
13
12.8.2009, 17:52
Die wahren Mafiosi im Nadelstreif,...

in ihren Glastürmen, gehen frei aus...
Wieder einmal ein unfassbarer Skandal!
Wobei das kein Freibrief für Sachbeschädigung ist!

Ergreiferprämie
00
12.8.2009, 19:56

Wieso soll man mutmaßliche Kriminelle nicht belangen, nur weil in unserem System andere Verhaltensweisen, bei denen ebenfalls großer Schaden entsteht, nicht strafbar sind?Sollen wir deshalb ab sofort die Strafgesetze nicht mehr anwenden?

lllaaa
10
13.8.2009, 21:50

"mutmaßliche" - *gg*.
vielleicht sind s´ja auch einer.....

fastethernet
36
12.8.2009, 17:28
Langsam aber doch ist da etwas Angst in mir!

Der Manager eines bekannten grossen Textilhauses greift zum Handy und ruft seinen Jagdgefährten bei der Polizei an:
"Geh Peppi - die stehen schon wieder vor unserer Tür in der Mariahilferstrasse - kannst net was machen gegen des Gesindel?"
"Na sicher Karl - dafür gibts ja jetzt den Antimafiaparagrafen!"
hört man aus dem Handy "ich werde mich darum kümmern!"
--------------------------------------------------
Frei und erfunden!

Ascensionate
03
12.8.2009, 18:23

Sehr polemisch, denn fürs "vor der Tür stehen" werden sie nicht angeklagt... (Das macht wohl Ihre Angst.)

Ich hab eher Angst vor Menschen, die für sich reklamieren tierlieb zu sein, gleichzeitig jedoch Nötigungen, Drohungen und Stalkingmethoden auch gegen Unbeteiligte gutheißen.
Hier stand nie das Wohlergehen der Tiere im Mittelpunkt, es ist nur das Deckmäntelchen für pervertierte Selbstjustizler. Kein einziges Tier wurde so gerettet. Seltsamerweise interessiert das hier kaum jemanden, und wird auch nicht diskutiert. Dabei sollte das aus Sicht wahrer Tierschützer die Ausgangsfragestellung sein.
Kriminell waren die Aktionen zweifellos - doch die Argumentation dass "der Zweck die Mittel heilige" geht hier völlig an der Sache vorbei

Thomas Bayer
71
12.8.2009, 17:37
Man sollte gegen Willkürjustiz demonstrieren

Ergreiferprämie
02
12.8.2009, 19:57

Nenne bitte Beispiele für die Willkürjustiz - ich meine Rechtsprechungsbehörden, nicht das Ministerium!

Threonin
22
12.8.2009, 17:12
Wäre man leicht paranoid, man könnte denken,

dass es sich um einen Testlauf für die Zukunft handelt. Etwa, wenn es darum geht, streikende (wilde Streiks) vor den Richter zu zerren, oder wenn es etwa darum geht, Menschenrechtsorganisationen, Umweltaktivisten oder Religiös abweichende Gruppen zu verfolgen.

Wehret den Anfängen hat wohl selten noch so eine dringende Aktualität gehabt.

Dass kriminelle Handlungen offenbar geschehen sind ist klar, und dass diese aufgeklärt werden müssen auch.
Aber genau das ist eben nicht geschehen, und weil man das nicht konnte, hat man einfach in Blaue hinein überwacht, in "Beugehaft" genommen und jetzt diese Anklage formuliert. Einfach mal dreinhauen und einschüchtern. Das scheint die Devise zu sein.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 677
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.