John Yettaw: Rätselhafter Schwimmer in heiliger Mission

11. August 2009, 13:56
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US-Bürger schwamm zum Haus von Burmas Demokratieführerin - Nun sieben Jahre Gefängnis

Bangkok - Mit seinem ungebetenen Besuch hat John Yettaw der burmesischen Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi keinen Gefallen getan. Weil der 54-jährige US-Bürger im Mai heimlich durch den Inla-See See zu ihrem Haus in Rangun geschwommen war, wurde die Vorsitzende der Nationalen Liga für Demokratie am Dienstag zu weiteren eineinhalb Jahren Hausarrest verurteilt. Der mysteriöse Schwimmer selbst, der sich offenbar nach einer religiösen Vision auf den Weg gemacht hatte, wurde zu sieben Jahren Gefängnis und Zwangsarbeit verurteilt.

Bevor er im Mai in Rangun in den See sprang, fotografierte Yettaw sich selbst. Die Bilder zeigen einen großen, leicht verwirrt wirkenden Mann, der ein weißes Hemd und ein Paar selbst gebastelte Schwimmflossen trägt. "Er ist ein sehr aufrichtiger und frommer Mensch", sagte sein Anwalt Khin Maung Oo der Nachrichtenagentur AFP. Seine dritte Ehefrau Yvonne Yettaw erklärte gegenüber dem US-Magazin "Newsweek", ihrem Ex-Mann gehe es offenbar nicht gut.

Mormone

Allem Anschein nach ist der strenggläubige Mormone auch gesundheitlich angeschlagen. Er leidet an Diabetes, epileptischen Anfällen und Krämpfen und musste während des Prozesses im Insein-Gefängnis in Rangun ins Krankenhaus. Vor seinem rätselhaften Besuch bei Suu Kyi lebte er in Falcon im US-Staat Missouri. Er hat insgesamt sieben Kinder aus mehreren Ehen, war als junger Mann in der US-Armee, studierte kurzzeitig Psychologie, hatte ein Alkoholproblem und verbrachte große Teile seines Lebens in Wohnwagen.

Warnung vor Mordkomplott

Im Prozess sagte Yettaw, er habe Suu Kyi vor einem Mordkomplott warnen wollen. Er sei zu dem abgeschotteten Haus geschwommen, "weil Gott ihn darum gebeten" habe. Er habe eine Vision gehabt, in der Suu Kyi "von Terroristen ermordet" worden sei. Im Prozess kam auch heraus, dass Yettaw nicht zum ersten Mal auf das abgesperrte Gelände vorngedrungen war. Bereits im November 2008 lief er über ein Abflussrohr am Seeufer zu dem Haus, legte dort aber lediglich das "Buch Mormon", die religiöse Schrift der Mormonen, ab.

Mit seiner religiös inspirierten Mission machte sich Yettaw jedoch auf allen Seiten verdächtig. Suu Kyis Anhänger bezeichneten ihn als "Abenteurer" und "Idioten", der dem Militärregime letztlich einen Vorwand geliefert habe, die Politikerin weiter einzusperren - und sie damit an der politischen Betätigung vor den angekündigten Wahlen im kommenden Jahr zu hindern. Die Militärjunta verdächtigte ihn dagegen, ein Geheimagent oder Suu Kyis Liebhaber zu sein. (AFP)

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