"Fremdwährungskredit ist praktisch tot"

11. August 2009, 18:39
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Oberbank stoppt Vergabe solcher Darlehen an Privatkunden

Wien - Die Oberbank beendet die Vergabe von Fremdwährungskrediten an Privatkunden. Die Nachfrage nach diesen Krediten habe zuletzt praktisch bei Null gelegen, begründet ein Oberbank-Sprecher die Entscheidung. Diese Kredite seien "praktisch tot", heißt es. Unternehmen könnten weiterhin Fremdwährungskredite aufnehmen. Privatkunden mit derartigen Krediten haben die Wahl zwischen einem Wechsel auf Euro-Darlehen oder dem Verbleiben in der fremden Währung, heißt es.

Im Zusammenhang mit den Vorfällen im Herbst 2008 - damals hatte die Oberbank Fremdwährungskredite mithilfe einer Stop-Loss-Klausel in Euro-Darlehen umgewandelt, ohne die Kunden vorher zu fragen - hat die Bank mit den betroffenen Personen eine Lösung gefunden. Wie der STANDARD berichtete, hat die Bank den Kunden den Rückwechsel in die fremde Währung angeboten, wobei entstandene Verluste die Oberbank zu 70 Prozent übernommen hat. Angenommen wurde das Angebot "kaum", sagt der Bank-Sprecher. Es habe sich gezeigt, dass der Euro die bessere Performance liefere und niemand wollte riskieren, dass sich seine Schulden aufgrund der fremden Währung erhöhen, heißt es.

Betriebsergebnis gestiegen

Die Performance der Oberbank zeigt sich zum Halbjahr derweil krisenresistent. Das Betriebsergebnis ist um 4,6 Prozent auf 93,3 Mio. Euro gestiegen, obwohl es beim so genannten "at Equity-Ergebnis" (Wert der Unternehmenbeteiligungen) ein Minus von 68,4 Prozent auf 9,9 Mio. Euro gab. Das begründete Bank-Vorstand Franz Gasselsberger vor allem mit dem Einbruch beim Voest Ergebnis.

Ordentlich erhöht hat die Oberbank ihre Risikovorsorge, diese wurde um 58 Prozent auf knapp 50 Mio. Euro aufgestockt. Diese Rückstellungen sollen nicht nur für Kreditausfälle sondern auch für Portfolioverluste verwendet werden.

Bei Investitionen setzt die Oberbank auf Innovations- und Entwicklungsprojekte. Das Obligo für Förderungen ist im Halbjahr um 16 Prozent auf 417 Mio. Euro gestiegen. In diesem Bereich liegt laut Gasselsberger der "neue Trend" .

Angesprochen auf die eventuelle Kapitalerhöhung zeigt sich Gasselsberger wortkarg. Er könne noch keine Angaben machen, außer, dass eine Erhöhung des Kapitals in Erwägung gezogen werde. (mpa, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.8.2009)

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    Oberbank-Chef Franz Gasselsberger sieht sich mit seinem Institut gut aufgestellt.

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