Ein Gärtner für gewisse Stunden

11. August 2009, 13:29
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Nicht jeder hat genügend Zeit für die Gartenarbeit. In diesem Fall helfen Profigärtner, die man stunden- oder saisonweise mieten kann

Seit gut zwei Jahren gibt Grünzeug Ute Woltron im RONDO Woche für Woche Tipps, wie man den Garten in wenigen, aber gezielten Handgriffen in ein prachtvolles Paradies verwandeln kann. Da werden Bäume geschnitten, Samen gesät, Läuse und Mäuse verjagt. Doch was tun, wenn für die gärtnerische Betätigung, Quell von Lebensfreude und Kontemplation, schlicht und einfach keine Zeit bleibt? Für diesen höchst bedauerlichen Fall gibt es in Österreich eine Reihe an Fachbetrieben und selbstständigen Gärtnern, die einem aus der Patsche helfen.

Die meisten Gartenmärkte bieten neben einer fachkundigen Planung die regelmäßige Pflege des Privatgartens an - vorausgesetzt natürlich, man kauft das dafür nötige Saatgut und Pflanzenmaterial auch dort ein. "Wir empfehlen unseren Kunden zumindest ein bis zwei Service-Termine im Jahr", erklärt Claudia Wolf, Landschaftsplanerin beim Pflanzengroßmarkt Starkl, "erfahrungsgemäß machen die meisten Hobbygärtner nämlich gravierende Fehler beim Strauch- und Obstbaumschnitt." Eingreifen müsse ein Profigärtner auf jeden Fall, noch bevor den Gewächsen Nährstoffmangel und Schädlingsbefall droht.

Rundum-Service

Wer eine regelmäßige Gartenpflege wünscht, der bekommt ein komplettes Rundum-Service geboten - vom Rasenmähen über Unkrautjäten und Düngen bis hin zum Neu- beziehungsweise Nachpflanzen von abgestorbener Flora. Abgerechnet wird nach Zeitaufwand, wobei sich der Stundenlohn bei den meisten Anbietern auf rund 50 Euro beläuft. Gegebenenfalls kann auch eine Jahrespauschale vereinbart werden. "Ein Jahresauftrag umfasst je nach Wetter etwa 20 Besuche", sagt Wolf, je nach Aufwand und Gartengröße könne man dafür mit 3000 Euro aufwärts rechnen. Material und Entsorgung sind in diesem Preis noch nicht inbegriffen.

Wie oft was genau zu tun ist, das weiß Fritz, der Gärtner. Unter diesem Pseudonym jedenfalls ist der selbstständige Gärtner Fritz Gafko in der Wachau unterwegs. "Wenn das Mähgut abtransportiert wird, sollte der Rasen zehn- bis zwölfmal im Jahr gemäht werden. Wenn es jedoch liegenbleibt, dann genügt es, wenn man den Rasen alle sechs bis acht Wochen mäht." Und was den Schnitt von Obst- und Großbäumen betrifft: "Das muss man sich vor Ort anschauen, das ist von Baum zu Baum und von Garten zu Garten unterschiedlich."

Knapp 40 Euro kostet die Stunde im Raum Wachau, bei Fahrten nach Wien werden zehn Euro aufgeschlagen. "Am liebsten mache ich Kleinstgärten", so Gafko, "auf den kleinen Flächen kann man sich am besten austoben." Einziger Nachteil: "In den meisten Wohn- und Reihenhausanlagen ist der Erdboden wegen der schweren Baumaschinen, die darauf gefahren sind, viel zu dicht. Idealerweise sollte man den Boden daher etwas auflockern."

Gartenpflege braucht viel Zeit

Einen ganz anderen Ansatz vertritt der Wiener Gartengestalter Günther König. "Ein Garten ist mehr als einfach nur ein grünes Fleckchen Erde vorm Haus. Ein Garten ist in erster Linie ein lebender Organismus, der zu Beginn sehr genau geplant werden muss." Nicht überall könne man einfach machen, was man will, denn: "Jeder Raum und jede Pflanze folgt einer inneren Ordnung. Die Japaner beispielsweise sind Meister darin, diese Ordnung zu respektieren und zu unterstützen. Doch wer kein Gefühl dafür hat, der macht alles nur kaputt."

Mit ein paar wenigen Pflegebesuchen im Jahr ist es bei den Gärten Königs daher nicht getan. "Die meisten meiner Kunden kümmern sich selbst um ihren Garten, weil ihnen die Arbeit ein persönliches Anliegen ist. In der Regel komme ich alle paar Wochen vorbei, um einen Blick darauf zu werfen, ob alles in Ordnung ist. Wenn ich die Pflege allerdings vollständig übernehme, dann kümmere ich mich intensiv darum." Je nach Gartengröße verbringt König mindestens drei bis sechs Stunden pro Woche darin. "Die Arbeit zahlt sich aus. Im Gegensatz zu den meisten Dingen im Leben wird ein Garten nämlich von Jahr zu Jahr schöner." (Wojciech Czaja, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8./9.8.2009)

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    Professionelle Gartenarbeit kostet zwischen 40 und 50 Euro pro Stunde.

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