Rafsanjani darf Freitagspredigt nicht halten

11. August 2009, 13:07
posten

Bei letzter Predigt des Ex-Präsidenten am 17. Juli war es zu Protestkundgebungen gekommen

Teheran/Wien (APA) - Aus Angst vor Unruhen hat das iranische Regime Ex-Präsident Ayatollah Akbar Hashemi Rafsanjani gezwungen, die kommende Freitagspredigt in Teheran nicht zu halten, obwohl er turnusgemäß an der Reihe wäre. Bei der letzten Predigt des 75-jährigen Vorsitzenden der mächtigen Expertenversammlung und des Schlichtungsrates war es am 17. Juli zu Protestkundgebungen gekommen.

Wie der staatliche iranische Sender Press TV am Dienstag auf seiner Homepage meldete, veröffentlichte der als Gegner von Präsident Mahmoud Ahmadinejad geltende Rafsanjani am Montag eine Erklärung, in der er die Absage seiner Freitagspredigt an der Teheraner Universität bekanntgab. Offenbar auf Druck des Regimes machte der zweimal zum Präsidenten gewählte Rafsanjani damit seine Ankündigung von Samstag rückgängig, dass er die Predigt halten werde.

Der für die Freitagspredigten zuständige Geistliche, Hojjatoleslam Seyyed Reza Taqavi, räumte ein, dass am 14. August Rafsanjani an der Reihe gewesen wäre. Doch um jedem "Missbrauch" aus "politischen Gründen" vorzubeugen, werde der Ex-Präsident auf einen Auftritt verzichten, sagte Taqavi.

Die wöchentlichen Freitagspredigen sind ein wichtiges öffentliches Ereignis in der Islamischen Republik. In den vergangenen Wochen wurden diese meist von Hardlinern wie dem Obersten Führer Ayatollah Ali Khamenei, Ayatollah Ahmad Khatami, Ayatollah Ahmad Jannati und Ayatollah Mohammad Emami Kashani gehalten.

Am 17. Juli hatte der als Pragmatiker geltende Rafsanjani seine erste Freitagspredigt seit der umstrittenen Präsidentenwahl am 12. Juni gehalten. Dabei hatte er unter anderem erklärt, der Iran stecke in einer Krise, die Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Wahlergebnisses hätten Misstrauen erzeugt.

Hunderttausende Menschen hatten sich zu Rafsanjanis Predigt eingefunden und anschließend ihren Protest auf den Straßen zum Ausdruck gebracht. Sie wollten damit das vom Regime verhängte Demonstrationsverbot umgehen. Polizei und Bassiji gingen brutal gegen die Demonstranten vor, mindestens 40 von ihnen wurden festgenommen. (APA)

Share if you care.