Infektiologe: Keine Überraschung

11. August 2009, 13:01
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Effekt hängt von möglichst frühzeitiger Einnahme ab - Für Risikopersonen angebracht - Keine Studie zu Influenza-Pandemie

London/Wien - "Die Studie zur Verwendung der antiviralen Medikamente gegen die Influenza bei Erwachsenen zeigt eigentlich, was wir eigentlich bisher schon wussten. Ihr Effekt ist relativ bescheiden. Vom Standpunkt des öffentlichen Gesundheitswesens ist natürlich eine prophylaktische Impfung wesentlich besser", erklärte am Dienstag Christoph Wenisch, Leiter der Infektionsabteilung am Kaiser-Franz-Josef-Spital in Wien.

Man müsse aber auch die Limitierungen der Meta-Analyse sehen. Der Experte: "Die Untersuchung hat mit A(H1N1) nichts zu tun, weil sie nicht anhand von Studien über diese Influenza durchgeführt wurde. Zweitens tritt der größte Effekt der antiviralen Medikamente bei frühester Gabe ein. Bei Einnahme innerhalb der ersten zwei bis drei Stunden wird man auch bei sonst Gesunden einen Effekt haben." Risikopersonen werde man die Medikamente auf jeden Fall geben.

Stellungnahme zu Tamiflu

Zu der Studie über die Verwendung von antiviralen Influenza-Medikamenten bei Kindern gab es auch eine Stellungnahme von Roche, dem Hersteller von Oseltamivir ("Tamiflu"). Darin hieß es unter anderem: "Alle namhaften Zulassungsbehörden, allen voran die europäische EMEA und die amerikanische FDA haben weltweit die Wirksamkeit und Verträglichkeit von 'Tamiflu' untersucht und auf Basis von zahlreichen Placebo kontrollierten Studien, die alle dem neuesten Stand der Wissenschaft entsprechen, zur Therapie und Prophylaxe von Influenza-Infektionen zugelassen. Auf dieser Basis hat auch die WHO Tamiflu eingehend geprüft, bevor sie entsprechend positive Empfehlungen zum Einsatz von Tamiflu gegeben hat."

Der Effekt sei klar. Das Unternehmen: "Laut diesen Zulassungsstudien verkürzt 'Tamiflu' klar die Krankheitsdauer und die Anzahl von Komplikationen signifikant, wenn mit der Therapie innerhalb von 48 Stunden begonnen wird. Erfolgte der Therapiebeginn früher, war die Wirksamkeit noch wesentlich besser." Meta-Analysen hätten bekanntermaßen eine beschränkte Aussagekraft, da man hier Studien mit unterschiedlichen Rahmenbedingungen analysiere. Als Grundlage für die Zulassung von Arzneimitteln seien solche Untersuchungen ungeeignet. Man sollte "in Krisenzeiten (wie dies eine Pandemie darstellt) mit Information zu Studien und Studiendesigns transparent und verantwortungsvoll" umgehen und weder Bevölkerung noch Ärzteschaft verunsichern. (APA)

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