Thailand liefert Waffenhändler nicht an die USA aus

11. August 2009, 16:26
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Gerichtshof in Bangkok lehnt Auslieferungsantrag gegen Viktor Bout ab

Bangkok - Die Justiz in Thailand hat überraschend die Auslieferung des als "Händler des Todes" berüchtigten russischen Waffenhändlers Viktor Bout an die USA abgelehnt. Der thailändische Gerichtshof habe am Dienstag entschieden, den Antrag zu verwerfen, sagte der Richter Jitakorn Patanasiri. Ein US-Diplomat zeigte sich "enttäuscht", während sich die Regierung in Moskau zufrieden äußerte.

Der thailändische Gerichtshof sei nicht befugt, "im Ausland begangene Taten von Ausländern gegen andere Ausländer" zu bestrafen, begründete der Richter die Entscheidung. Die USA hatten Bout Millionengeschäfte mit den kolumbianischen FARC-Rebellen zur Last gelegt und deshalb seine Auslieferung gefordert. Thailand stufe die FARC zudem als "politische Bewegung" ein und nicht wie die USA als terroristische Organisation, fügte der Richter hinzu.

USA enttäuscht

"Wir sind enttäuscht und verwirrt von der Entscheidung des Gerichts", sagte der stellvertretende US-Botschafter in Bangkok, James Entwistle. Die Auslieferungsabkommen der beiden Länder passten genau auf den Fall Bouts. Die US-Regierung werde das Gespräch mit Bangkok suchen und gehe davon aus, dass die Entscheidung angefochten werde, fügte Entwistle hinzu. Die USA würden einen Einspruch mit allen Mitteln unterstützen.

Dem Urteil zufolge muss Bout nun weitere 72 Stunden in Haft bleiben, damit der Generalstaatsanwaltschaft innerhalb dieser Frist Einspruch gegen die Entscheidung einlegen kann. Der 42-Jährige äußerte sich am Dienstag nicht vor Gericht, sondern zeigte nach Ablehnung des Auslieferungsantrags mit der Hand das "Victory"-Symbol.

Von US-Agenten festgenommen

Der weltweit gesuchte Waffenhändler war im März 2008 von US-Agenten in einem Hotel in Bangkok gefasst worden, seitdem sitzt er in einem Hochsicherheitstrakt ein. Das Auslieferungsverfahren hatte im September begonnen. Die US-Behörden werfen dem 42-Jährigen vor, in großem Stil Waffen nach Südafrika, Afghanistan und Südamerika geliefert zu haben. Im vergangenen Jahr hatten die thailändischen Behörden eine Anklage gegen Bout fallengelassen, um dessen Auslieferung zu ermöglichen.

Die russische Regierung äußerte am Dienstag die Hoffnung auf eine rasche Freilassung Bouts. "Wir nehmen die Entscheidung des Gerichts mit Zufriedenheit auf und hoffen, dass er bald nach Hause zurückkehren kann", sagte ein Sprecher des russischen Außenministeriums der Nachrichtenagentur RIA Nowosti.

Der als "Händler des Todes" bekannte Bout soll unter anderem die Taliban in Afghanistan, das Terrornetzwerk Al-Kaida, marxistische Rebellen in Südamerika und den früheren liberianischen Präsidenten Charles Taylor mit Waffen versorgt haben. Im Falle einer Verurteilung in den USA müsste Bout mit lebenslanger Haft rechnen. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Victor Bout verlässt das Gericht in Bangkok.

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