Alles außer Kugeln

10. August 2009, 19:50
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Ein Italiener übt sich auf der Wieden in revolutionärer Mission in Sachen Joghurt-Eis

Wien - Manchmal, sagt Andrea Alberti, sei es schon zum Haareraufen: "Für die Wiener muss Eis immer als Kugel in die Tüte kommen. Etwas anderes wollen viele nicht." Mit der klassischen, in Kugelform gegossenen Kombination Vanille-Erdbeer-Schokolade kann der 29-jährige Neo-Gelatiere aus der norditalienischen Stadt Brescia nicht dienen.

Dafür kommt aus seiner eigens angefertigten Maschine das leichteste und wohl gesündeste Eis der Stadt. Nicht in Kugelform, sondern als Gupf. "Yoyogurt" nennt sich das Turiner Konzept, das Alberti in seinem unscheinbaren Eissalon in der Taubstummengasse 13 anbietet. Frisches Joghurt und frische Milch aus dem Friaul, Zucker, gekühlt auf vergleichsweise warme -7 Grad, fertig ist das Joghurt-Gelato.

Jede Portion wird frisch aus der Zentrifuge gezapft. Für Alberti das Geheimnis hinter Yoyogurt: "In anderen Salons steht das Eis oft den ganzen Tag in der Vitrine, das schmeckt man dann natürlich auch." Derzeit gibt es 26 verschiedene Toppings zum Drüberstreuen, von Nutella über Waldbeeren bis zu geriebenen Pistazien. Ältere Eisesser, hat Alberti beobachtet, ordern ihr Eis lieber "nackt" . Dafür stürmen in der Mittagspause dutzende Schüler des nahen Gymnasiums das kleine Gassenlokal, deren Favorit ist Nutella. Alberti freut's. "Ich wollte etwas Neues aus meiner Heimat nach Wien bringen." An die wundersame Form seiner Kreationen, hofft er, "werden sich die Leute schon noch gewöhnen" . Von der Konkurrenz wird sein Machwerk jedenfalls aufmerksam beobachtet. Der eine oder andere Wiener Eisdoyen, erzählt Alberti, sei schon vorbeigekommen und habe sich eiskaltes Joghurt ins Stanitzel zapfen lassen. Inkognito, versteht sich. (flon/DER STANDARD-Printausgabe, 11.8.2009)

  • Andrea Alberti, Erfinder des Gupf-Eises  "Yoyogurt" , in seinem Salon in der Taubstummengasse.
    foto: florian niederndorfer

    Andrea Alberti, Erfinder des Gupf-Eises "Yoyogurt" , in seinem Salon in der Taubstummengasse.

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