Die Strandbadpartei

10. August 2009, 18:32
118 Postings

Bis heute weiß niemand so recht, wozu es diese Partei überhaupt gibt - außer vielleicht als Lebensgrundlage einiger aus dem FPÖ-Nest Geflüchteter - Von Walter Müller

Kärntner Badewaschl gegen Wiener Hausmasta: Authentischer hätte man die Charakterzüge zweier Spitzenrepräsentanten der österreichischen Rechten nicht beschreiben können als jenes Filmdokument, das ein Wiener Societyreporter kürzlich im VIP-Bereich des Beachvolleyballturniers am Wörthersee angefertigt hatte. Kärntens BZÖ-Landeshauptmann Gerhard Dörfler im tiefen verbalen Infight mit FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache über die Vorherrschaft an den Stammtischen.

Bei allen persönlichen Animositäten, die da vor der Kamera breitgetreten wurden, blieb eines abermals offenkundig. So sehr sich Blaue und Orange auch widersprüchlich gebärden: Sie kommen eben doch aus demselben Schoß.

Seit der Abspaltung von der FPÖ bemüht sich das BZÖ zwar, eine Identität und politische Legitimität als rechtspopulistische Partei aufzubauen. So nach der Devise: Wir sind die guten Blauen, nix rassistisch, nix ausländerfeindlich. Der orange politische Alltag sieht aber anders aus: "Wir säubern Graz", plakatierte das BZÖ bei den Grazer Gemeinderatswahlen und meinte damit nicht den Straßenschmutz.

Bis heute weiß niemand so recht, wozu es diese Partei überhaupt gibt - außer vielleicht als Lebensgrundlage einiger aus dem FPÖ-Nest Geflüchteter. Das BZÖ bleibt ein politisches Retortenprodukt, das nur an der Kärntner Überlebensmaschine hängt. Dort könnte die Gruppe auch Klagenfurter Strandbadpartei heißen. Egal. Denn das BZÖ lebt hier in der Wahrnehmung ohnehin ausschließlich als Bündnis zum Gedenken Jörg Haiders - vorerst - weiter. (Walter Müller, DER STANDARD, Printausgabe, 11.8.2009)

Share if you care.