Chávez und Obama im Härtetest

10. August 2009, 18:12
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Im Konflikt Kolumbien - Venezuela geht es um die Rolle der USA in Lateinamerika

Spannungen zwischen Kolumbien und Venezuela gibt es schon länger, doch jetzt ist gar von Krieg die Rede. Präsident Hugo Chávez rief die Venezolaner auf, sich auf eine militärische Konfrontation vorzubereiten.

Chávez beschuldigte kolumbianische Soldaten, den Orinoco, im Oberlauf der Grenzfluss zwischen den beiden Staaten, überquert und illegal venezolanisches Gebiet betreten zu haben. Von Álvaro Uribe, dem Präsidenten Kolumbiens, wird das bestritten.

Für die zahlreichen Chávez-Kritiker handelt es sich um die typische Vorwärtsverteidigung des unter Druck geratenen Revolutionsführers von Venezuela. Seit Uribes Truppen im März 2008 die Grenze zu Ecuador überschritten und dort ein Lager der kolumbianischen Guerillatruppe Farc ausgehoben haben, hat die Regierung in Bogotá nicht aufgehört, Chávez anhand gefundener Dokumente die Unterstützung der Farc mit Geld und Waffen vorzuwerfen, was Chávez dementiert.

Doch der gegenwärtige Konflikt geht noch viel tiefer. Weil unbestritten ist, dass sich die Farc auch durch Drogenhandel finanziert, läuft der Krieg gegen sie in Kolumbien als Teil der Drogenbekämpfung. Und in dieser Auseinandersetzung setzt Uribe auf die USA. Uribe, einer der wenigen verbliebenen konservativen Staatschefs Südamerikas unter lauter moderaten oder radikalen Linken, will den USA in Kolumbien Zugang zu sieben Militärbasen, darunter zwei Seehäfen, einräumen.

Linksrevolutionär Chávez sieht darin, Barack Obama hin, Hillary Clinton her, einen Aufmarsch der bösen Yankees. Diese Militärbasen seien „der Anfang eines Kriegs in Südamerika", warnte Chávez. Befreundete Staatschefs wie Evo Morales in Bolivien und Rafael Correa in Ecuador (wo die US-Militärbasis Manta heuer geschlossen wird) fielen in die Proteste ein. Aus Kuba meldete sich Fidel Castro zu Wort. Uribes Absicht, „US-Flugzeugträger und Atom-U-Boote" in seine Häfen zu lassen, werde auch bei zentristischen und rechten Regierungen „Kopfschmerzen verursachen", orakelte der alte Mann aus Havanna.

Im Bewusstsein, dass seine Position bei Regierenden der Region höchst unpopulär ist, verzichtete Uribe darauf, am gegenwärtig in Ecuadors Hauptstadt Quito stattfindenden Gipfel der Union Südamerikanischer Nationen (Unasur) teilzunehmen. Stattdessen reiste er im Vorfeld zu gemäßigt linken Regierungschefs, um seine Pläne zu erklären. Doch Argentinien, Chile und Uruguay reagierten reserviert. Bemerkenswert fiel der Kommentar von Brasiliens Außenminister Celso Amorim aus: Die geplante US-Militärpräsenz scheine „weit über das hinauszugehen, was Kolumbien im Landesinneren braucht".

Chávez sieht in dieser Konfrontation natürlich wieder eine Chance, weitere Länder in die von ihm geführte, US-kritische Staatengruppe zu holen. In den Regierungen der - noch - moderaten Länder glaubt man zwar nicht, dass die USA ihre Vorherrschaft mit Waffengewalt wiederherstellen werden. Wohl aber hat man den Eindruck, dass die Regierung Obama, über freundliche Worte hinaus, noch keine neue, von George Bush unterscheidbare Lateinamerikapolitik gefunden hat.

In Honduras, wo der gewählte Präsident (und Chávez-Freund) Manuel Zelaya aus dem Amt geputscht wurde, setzte sich US-Außenministerin Hillary Clinton für dessen Rückkehr ein. Das Pentagon scheint dagegen vor allem an seiner honduranischen Militärbasis Palmerola interessiert zu sein.

„Altes Denken" bewies zu Beginn dieser Woche auch Obama selbst, als er zum Treffen nordamerikanischer Staaten nach Mexiko kam. Mexikanische Wünsche, als ungerecht empfundene Teile des nordamerikanischen Freihandelsabkommens Nafta neu zu verhandeln, lehnte der US-Präsident glatt ab. (Erhard Stackl, DER STANDARD, 11.8.2009)

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