Der Pfusch, die Rache

10. August 2009, 18:01
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Pfusch ist – gerade in der Krise – die Rache der vermeintlich zu kurz Gekommenen an denen da oben - Von Leo Szemeliker

Pfusch ist Alltag in Österreich. Wer Putzmann oder Babysitterin anmeldet, wer für Nachhilfestunden oder für das Schneiden der Gartenhecke Rechnungen schreibt, ist vermutlich selbst Träger eines öffentlichen Amtes oder mit einem solchen verwandt - und müsste ein öffentliches Aufblatteln fürchten.

Doch in diesen Bagatellfällen wird meist keine Wirtschaftsstruktur ruiniert. Am Bau, in der Gastronomie und in der Landwirtschaft hingegen hat das vermeintliche Kavaliersdelikt ernstere Folgen. Schwarzarbeit unterminiert das Funktionieren des Marktes, da nicht alle Anbieter zu gleichen - gesetzeskonformen - Bedingungen produzieren. Es werden außerdem Notsituationen von Ausländern ausgenutzt: Drei Euro für das Ernten von Zwiebeln, wie in einem von der Kontrollbehörde berichteten Fall, sind ein Hungerlohn, für die kein Österreicher diese Arbeit tun würde.

Pfusch zeigt aber auch grundsätzliches Misstrauen gegen den Staat auf. Auch wenn Österreich von griechischen oder italienischen Verhältnissen entfernt ist - ein Viertel bis ein Fünftel der Wirtschaftsleistung passiert dort laut OECD-Schätzung im Schatten; bei uns nicht einmal zehn Prozent -, so missgönnt man hierzulande "dem Staat" oft die Einnahmen. Pfusch ist - gerade in der Krise - die Rache der vermeintlich zu kurz Gekommenen an denen da oben. Wäre die Lust daran nicht eine österreichische Grundstimmung, könnte man daraus aber auch ableiten, dass unser auf Arbeit fixiertes Steuersystem endlich einer Reform bedarf. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.8.2009)

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