"Spanische Regierung als hilfloser Akteur"

10. August 2009, 18:01
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Dass bei den Anschlägen keine Touristen verletzt wurden, hat einen Grund: Die Eta will als politischer Akteur wahrgenommen werden

Palma de Mallorca/Wien - Die Anschlagsserie auf der spanischen Urlaubsinsel Mallorca löst sowohl in spanischen Regierungskreisen als auch im Königshaus Überraschung und Ratlosigkeit aus. Genau auf diesen Effekt hat die baskische Separatistenorganisation Eta wohl gehofft: „Ihr Ziel ist, die spanische Regierung als hilflosen Akteur darzustellen", sagt Günther Maihold, Spanien-Experte in der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin. Der Polizei gehe es nun darum, so schnell wie möglich die Attentäter zu finden und für die verängstigten Touristen und Inselbewohner wieder Normalität herzustellen, sagt Maihold zum Standard. „Das ist allerdings angesichts der Menschenbewegung auf der Insel schwierig."

Die Eta hatte sich sowohl zu dem Anschlag vor elf Tagen, bei dem zwei Polizisten getötet wurden, als auch zu den drei Explosionen am Sonntag bekannt.

In Damentoilette deponiert

Nach dem ersten Anschlag waren die Sicherheitsbestimmungen verschärft worden: Jeder, der die Insel betritt oder verlässt, wird kontrolliert. Derzeit überprüft die Polizei, ob sich die Täter noch auf der Insel aufhalten: Aufschluss darüber könnte es geben, wenn geklärt ist, ob die Bomben mittels Zeitzünder aktiviert wurden. Die Ermittler gehen davon aus, dass in der Gruppe mindestens eine Frau dabei ist. Denn alle drei Bomben, die am Sonntag in zwei Restaurants und einem Einkaufszentrum gezündet wurden, waren in der Damentoilette deponiert gewesen. Am Montag wurde aus Polizeikreisen bekannt, dass alles darauf hindeute, dass eine Explosion in einem Lokal im Zentrum von Palma ebenfalls von der Eta ausgelöst worden war. Die Detonation war zunächst als eine Gasexplosion und ein Unglücksfall eingestuft worden.

In den drei Fällen waren in den Anschlagsorten Warnungen - offenbar aus Frankreich - eingegangen, verletzt wurde niemand. „Die Eta will beweisen, dass sie aktionsfähig ist - trotz der Verhaftungen ihrer Führungspersonen in den vergangenen Monaten", sagt Maihold. Dass die Polizei vorgewarnt wurde, ist für den Experten keine Überraschung. „Würde die Eta Zivilisten töten, dann wäre sie von anderen Terroristengruppen nicht zu unterscheiden. Ihr Ziel aber ist, zu einem legalen politischen Akteur zu werden."

Das Gegenteil aber ist der Fall: Sämtliche Eta-nahen Parteien wurden verboten. Auch der Rückhalt in der Bevölkerung für die Separatisten geht zurück. Noch immer aber lassen sich Jugendliche von der Eta einspannen. (Marijana Miljkovic, DER STANDARD, Printausgabe, 11.8.2009)

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    Auf Mallorca werden wegen der Anschläge alle Besucher von der Polizei kontrolliert: Die Täter sind allerdings noch nicht gefunden. Den Tourismus sieht man aber nicht gefährdet.

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