Aktien: "Definitiv Korrektur von 20 Prozent"

10. August 2009, 17:34
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Nach starken Zugewinnen an den internationalen Börsen rechnen viele Experten mit einem massiven Kursverlust

Wien - Die Börsen kannten in den vergangenen fünf Monaten kein Halten mehr. Weltweit, besonders in den Schwellenländern Brasilien und China, haben die Aktienkurse stark zulegen können: insgesamt um rund 53 Prozent. Diese hohen Gewinne sind aber relativ. An den globalen Aktienmärkten (gemessen am MSCI World Index) hatten Investoren in nur 18 Monaten seit Ausbruch der Krise im August 2007 knapp 60 Prozent ihrer Investments verloren. Die jüngste Rally hat diesen Verlust zwar auf 40 Prozent zusammenschmelzen lassen, aber von schwarzen Zahlen ist man hier noch weit entfernt.

Tatsächlich sind die meisten Aktien noch meilenweit von den Niveaus von vor zwei Jahren entfernt. Der österreichische Leitindex ATX notiert immer noch bei rund 2350 Punkten, mehr als 52 Prozent vom Höchststand (die 5000er Marke) entfernt und auf einem Niveau, das er schon 2005 erreicht hatte.

Von Depression zu Rezession

Globale Konjunkturpakete im Ausmaß von rund 1600 Milliarden Euro und billiges Geld durch niedrige Zinsen vonseiten der Notenbanken haben eine sehr scharfe Rezession, die zwischen November und März an den Märkten eingepreist wurden, abgewendet. Analysten der britischen Bank Barclays haben nach guten Daten vom amerikanischen Arbeitsmarkt und von den deutschen Exporteuren vergangenen Freitag gar das Ende der Rezession verkündet. Barclays-Ökonom Christian Broda: "Wir gehen davon aus, dass der Juni der letzte Monat der US-Rezession war, und April der letzte für den Abschwung in Deutschland. Die Rezessionen waren damit in beiden Ländern die längsten und schwersten in der Nachkriegszeit."

Da Aktienmärkte einen Wirtschaftsaufschwung in der Geschichte im Schnitt um ein halbes Jahr vorweggenommen haben, argumentieren viele Ökonomen und Analysten, dass die jüngste Rally gerechtfertigt ist.

Böse Überraschungen könnten von vielen Seiten kommen und der Aktienrally die Luft aus den Reifen lassen. Schlechte Nachrichten werden vom Markt für gewerbliche Immobilien in den USA und Unternehmenskrediten in Europa erwartet. Banken rechnen mit hohen Abschreibungen in den nächsten Monaten.

Heftige Verluste

Auch Börsenguru Mark Mobius ist pessimistisch. Als Fondsmanager bei Templeton Asset Management verwaltet er rund 25 Mrd. Dollar. In einem Interview mit Bloomberg TV kündigte er noch für dieses Jahr heftige Kursverluste an. "Wenn Aktien so schnell wie jetzt an Wert zulegen, kommt definitiv eine Korrektur. Auf Gewinne von 70 Prozent folgen Verluste von 20 bis 30 Prozent."

Ihm pflichten auch die Händler für Optionen an der Chicagoer Derivatebörse bei. Denn dort rechnen viele für den September, den historisch schlechtesten Börsenmonat, mit einem starken Anstieg der Volatilität - der Schwankung von Aktienkursen. Steigt die Volatilität, sinken Aktienkurse tendenziell. Aktien wären dann von ihrer langfristigen Erholung wieder weiter entfernt. (Lukas Sustala, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 11.8.2009)

 

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