Motivation eines "hyper­aktiven Gartenzwergs"

10. August 2009, 17:38
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Das BZÖ muss über Kärntens Landesgrenzen kommen, wenn es bundespolitisch überleben will - Der Steirer Gerald Grosz wäre ausreichend motiviert

Graz/Wien - Ganze 1,72 Prozent fuhr das BZÖ zuletzt bei den steirischen Landtagswahlen 2005 ein. Stellt man das Mini-Ergebnis in Bezug zum öffentlichen Auftreten des orangen Landesobmannes und stellvertretenden Bundesparteichefs Gerald Grosz, vermittelt dies den Eindruck, man habe es mit einem politischen Maxi zu tun. "Er gibt zu allem seinen Senf dazu, in alter Haider-Manier, eine wirkliche Nervensäge, die täglich die Mail-Ordner überfüllt", ätzt der Grazer SPÖ-Klubchef Karl-Heinz Herper über seinen orangen Gemeinderatskollegen.

Grosz' Verhalten in den Parlamenten - ob im Bundesparlament in Wien oder im Grazer Gemeinderat - sei oft "an der Grenze des Erträglichen". Herper: "Grosz ist für ein demokratisches Gemeinwesen ungeeignet." Beinahe jede Gemeinderatssitzung ende mit einem Eklat und stehe knapp vor dem Abbruch, weil Grosz "ständig provoziert und persönlich beleidigend agiert". Vor einigen Monaten sei es im Gemeinderat beinah zu körperlichen Auseinandersetzungen gekommen. Auch in Wien stöhnen die Kollegen anderer Fraktionen über den lästigen Abgeordneten, der ihnen auch persönlich nahetritt. Sein Naturell, Politikerkollege bis zur Weißglut zu reizen, hatte jüngst eine Bierzeltauseinandersetzung im Parlament mit dem SPÖ-Nationalratsabgeordneten Christian Faul ausgelöst. Grosz nervte den Mandatar dermaßen, dass dieser die Kontrolle über seine Rhetorik verlor: "Sei still! Du bist genau um den Schädel zu klein, wo das Hirn drinnen sein müsste. Nein, er geht mir so auf den 'Zeiger', das ist unvorstellbar. Eine große 'Papp'n' und ein kleines Hirn".

Grosz kostet die Kritik an seiner Person einen Lacher: "Die Abgeordneten bekommen genug Schmerzensgeld, um mich auszuhalten. Sie sollen net so wehleidig sein. Ich weiß, dass mich viele für einen hyperaktiven Gartenzwerg halten." Im nächsten Jahr will er in dieser Rolle auch landesweit mitmischen. Aus den 1,72 Prozent sollen nach den Träumen des steirischen BZÖ-Chefs 2010 bei den Landtagswahlen sechs bis 14 Prozent werden. Grosz: "Das ist drinnen. Die Steiermark ist nach Kärnten mittlerweile das zweitstärkste BZÖ-Land." Bei den Nationalratswahlen erreichten die Orangen hier 13 Prozent, knapp 100.000 Stimmen. Das heißt für Grosz: Das BZÖ käme in die Landesregierung.

Der Kärntner BZÖ-Chef und Vizebundesparteiobmann Uwe Scheuch hält die nächsten Wahlgänge auf Landesebene für die Zukunft seiner Partei für entscheidend. Wenn es nicht gelinge, sich auch in anderen Bundesländern außerhalb Kärntens zu verbreitern, werde das BZÖ auch bundespolitisch keine Rolle spielen können. Scheuch nimmt hier insbesondere die Bundespartei in die Pflicht: Diese müsse endlich Strukturen aufbauen, um bei Wahlen reüssieren zu können.

Für die nächsten Wahlgänge ist Scheuch vorsichtig optimistisch. In Oberösterreich habe man mit Jörg Haiders Schwester Ursula Haubner wenigstens eine bekannte Persönlichkeit an der Spitze.

Streit in Wien

Schwieriger ist die Situation schon in Vorarlberg, ganz schwierig ist sie in der Bundeshauptstadt Wien, wo im nächsten Jahr gewählt wird. "Die Landesgruppe ist klein und zerstritten" , sagt Scheuch. Er ist sich nicht sicher, ob das Wiener Bündnisteam in diesem Zustand überhaupt zur Wahl antreten soll. Obmann ist Michael Tscharnutter. Peter Westenthaler, der wohl bekannteste BZÖ-Funktionär in Wien, wird auf der Homepage gar nicht mehr angeführt und kommt auch im "Bündnisteam" nicht vor.

Die Bandbreite auf Bundesebene sieht Scheuch bei fünf bis 15 Prozent, "dafür muss man aber auch etwas tun" , mahnt BZÖ-Chef Josef Bucher. Bei der Nationalratswahl 2008 kam das BZÖ - noch mit Jörg Haider an der Spitze - auf 10,7 Prozent. (Walter Müller und Michael Völker, DER STANDARD, Printausgabe, 11.8.2009)

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    Gerald Grosz nervt. Das weiß der steirische BZÖ-Obmann auch selbst. Die anderen bekämen dafür genug "Schmerzensgeld" , meint er. Nächstes Jahr will er auch in den Landtag kommen.

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