Die Lust auf das nächste Lob

10. August 2009, 17:53
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Österreichs Team wirkt motiviert vor dem Treffen mit Kamerun am Mittwoch. Es will drei Punkte holen. Das ist in einem Test zwar nicht möglich, doch bestätigt der Übereifer den positiven Trend im Fußball

St. Veit a. d. Glan - Es geht schlicht um einen schönen Mittwochabend. "Die Leute sollen danach nicht schimpfen, sondern uns loben" , sagt ÖFB-Teamchef Dietmar Constantini. Stürmer Erwin Hoffer, der seine ersten Erfahrungen bei Napoli gesammelt hat und erfahren musste, "dass ich praktisch kein Wort Italienisch verstehe" , verlangt gegen Kamerun sogar noch mehr. "Wir wollen die drei Punkte." Die kann es freilich nicht geben, Freundschaftsspiele sind diesbezüglich sogar in Klagenfurt gnadenlos. Aber Hoffer meint schlicht "Sieg" . Das zeugt von Ehrgeiz, Ernsthaftigkeit, Erfolgsgier.

Das österreichische Fußballteam bereitet sich seit Montag in Sankt Veit an der Glan vor. Es wohnt im Blumenhotel, und es scheint, diese Assoziation ist der absolute Heuler, rosigen Zeiten entgegenzublicken. Sebastian Prödl lamentiert weder über die Schleimbeutelentzündung im Knie noch über das 2:3 von Bremen gegen Frankfurt, er übt Selbstkritik und gelobt, gegen Kamerun das Beste zu geben. "Notfalls von der Bank aus." Kapitän Paul Scharner will seine Muskelverhärtung im Oberschenkel ignorieren, laut Constantini "tät' der auch um drei in der Nacht ein Ländermatch spielen" . Roman Wallner ist nach dreijähriger Absenz auch wieder dabei, er rückte statt des verletzten Rubin Okotie ein. Constantini: "Wer Leistung bringt, bekommt eine Chance."

Es ist offensichtlich nicht mehr peinlich und unangenehm, österreichischer Teamspieler zu sein, im Gegenteil. Constantini: "Die Buam freuen sich über Einberufungen. Es gab Zeiten, da dachten viele, hoffentlich ruft mich keiner an." ÖFB-Generaldirektor Alfred Ludwig vermeldete beim Kartenvorverkauf "vorne einen Zweier" , das heißt: nicht 20, nicht 200, auch nicht 2000, nein, 20.000 Tickets wurde schon abgesetzt. Das vom Abriss (Rückbau) schwer bedrohte Klagenfurter Stadion könnte ein letztes Mal voll sein.

Es ist Constantinis dritte Partie, vor Kamerun passierten Rumänien (2:1) und Serbien (0:1) "Wir haben uns zweimal gut verkauft, die bessere Leistung endete in der Niederlage." Womit bewiesen wurde, "dass der Fußball so ist, wie er ist" . Gerecht und ungerecht. In Sankt Veit sind der Fantasie Grenzen gesetzt, die drei Trainingseinheiten werden quasi im Schongang gewaschen. Regeneration, Auslaufen, an den Standards arbeiten, internes Spielchen. Kamerun wurde genau studiert. Constantini: "Man darf keinen Unterschied zur WM-Qualifikation machen. Fußball ist immer eine Qualifikation."

Die beiden neuen Rapidler Christopher Drazan und Christopher Trimmel könnten durchaus eingesetzt werden. "Deshalb sind sie ja da." Trimmel wurde wegen seiner Schnelligkeit einberufen. Der Hattrick gegen Austria Kärnten sei kein Schaden gewesen. "Es zahlt sich aus, auffällig zu sein." Drazan sei ein großartiger Flankengeber. Wobei jene Flanke, die zum 2:2 gegen APOP und zum Verbleib Rapids in der Europa League geführt hatte, eindeutig von Markus Katzer auf Trimmels Köpfchen getreten wurde. Constantini hatte sich felsenfest Drazan eingebildet. Drazan durfte trotzdem bleiben.

Speed, Größe, Käse

Der Teamchef sagt auch: "Wir müssen den Ball flach halten." Man benötige, um international mitzuhalten, viele schnelle Spieler und dazu drei großgewachsene, die bei Standardsituation zuschlagen. "Dann ist der Käse gegessen." (Christian Hackl, DER STANDARD, Dienstag 11. August 2009)

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    Trainer Constantini und Stürmer Hoffer sprechen "Fußball".

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