Chávez droht Kolumbien mit Krieg

10. August 2009, 17:30
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Chavez wirft Kolumbien vor, die gemeinsame Grenze verletzt zu haben - Kolumbien wirft Venezuela vor, die linken Farc-Rebellen zu unterstützen.

Bogotá/Caracas/Puebla - Für Hugo Chávez ist alles klar: Der neuerliche Konflikt Kolumbien - Venezuela ist ein Stellvertreterkrieg. Schuld daran haben die USA, die in alter imperialistischer Manier in Lateinamerika intervenieren und ihre Militärbasen in Kolumbien ausbauen. „Wenn das Imperium einmal präsent ist, wird auch Uribe keine Kontrolle mehr über die Aktionen der Amis haben, und das ist für uns eine ernste Gefahr" sagte er in einem Zeitungsinterview. „Schon in Honduras waren es die Yankees, die den Putsch gegen Präsident Manuel Zelaya planten." Geht es nach Chávez, sollte es bei dem Unasur-Gipfel am Montag in Quito um die Beziehungen Lateinamerikas zu den USA gehen.

Am Sonntag ließ Chávez bereits Benzinlieferungen an Kolumbien aussetzen, weil Kolumbien angeblich die Grenzen verletzt habe, und drohte dem Nachbarland mit Krieg. Die diplomatischen Beziehungen liegen ohnehin auf Eis, nachdem kolumbianische Militärs schwedische Raketenwerfer, die aus Venezuela stammen, im Besitz der Farc-Rebellen sichergestellt hatten. Für den rechten kolumbianischen Präsidenten Álvaro Uribe war das ein erneuter Beweis dafür, dass Chávez mit den linken Rebellen eng kooperiert.

Caracas hatte nach längerem Lavieren erklärt, die Waffen seien 1995 aus einem kleinen grenznahen Arsenal gestohlen worden. Uribe blieb wegen der Krise am Montag dem Unasur-Gipfel fern. Es ist bereits die fünfte ernste Krise zwischen den beiden ideologischen Antagonisten. Zuletzt hatte Chávez 2008 Truppen an der Grenze aufmarschieren lassen, nachdem Kolumbien ein Farc-Lager auf ecuadorianischem Boden angegriffen hatte. Dass der Konflikt friedlich beigelegt wurde, dazu haben auch die Nachbarn mit ihren Vermittlungen beigetragen.

Angst vor dem Kalten Krieg

Auch jetzt vermittelt Brasilien zwischen den USA und Chávez. Und auf dem Unasur-Gipfel klammerten die Außenminister aus Argentinien, Bolivien, Brasilien, Chile, Kolumbien, Ecuador, Guyana, Paraguay, Peru, Surinam, Uruguay und Venezuela eine konfliktträchtige Resolution über die neuen Militärbasen in Kolumbien erst einmal aus. Das Thema könnte erst Ende des Monats bei einem Treffen des Südamerikanischen Verteidigungsrates ausgiebig diskutiert werden. Die Militärbasen lösten in vielen Ländern Besorgnis über die „Rückkehr des Kalten Krieges" aus.

Die Krise hat ebenso wie der Putsch in Honduras klar gemacht, dass die von US-Präsident Barack Obama versprochene „neue Ära" in den Beziehungen zu Lateinamerika weitgehend in alten Mustern verharrt. So verurteilten die USA zwar den Putsch in Honduras - aber doch in diplomatischem Ton. Obama zog seinen Botschafter nicht ab und machte die USA damit angesichts der Maximalposi_tion der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) zum entscheidenden Vermittler zwischen den Putschisten und Zelaya. Und das Abkommen mit Kolumbien über die Nutzung von sieben Militärbasen im Kampf gegen den Drogenhandel bestätigt, dass auch Obama nicht nur auf „soft power" setzt. Außerdem muss er die Militärlobby für den geplanten Irak-Abzug entschädigen. (Sandra Weiss, DER STANDARD, Printausgabe, 11.8.2009)

CHRONOLOGIE

Streit unter Nachbarstaaten

April 2006 Venezuela tritt aus der Andengemeinschaft aus.

November 2007 Der venezolanische Präsident Hugo Chávez friert die Beziehungen zu Kolumbien ein, weil Präsident Alvaro Uribe ihm das Vermittlungsmandat mit den Farc-Rebellen entzogen hatte.

Jänner 2008 Chávez beschuldigt Kolumbien, einen militärischen Angriff auf sein Land zu planen.

März 2008 Venezuela weist den kolumbianischen Botschafter wegen eines Militärschlags der kolumbianischen Soldaten gegen ein Lager der Farc in Ecuador aus. Kolumbien wiederum verdächtigt Chávez, die Rebellen zu unterstützen.

Juli 2009 Kolumbien wirft Venezuela vor, Waffen an die Farc ausgegeben zu haben.

August 2009 Die USA wollen sieben Militärstützpunkte im Kampf gegen Rauschgiftkriminalität in Kolumbien nutzen. Brasilien protestiert.

  • Chávez zeigte vor wenigen Tagen in Caracas Raketen-werfer, die auch bei den linken Farc-Rebellen in Kolumbien gefunden wurden.
    foto: epa/david fernandez

    Chávez zeigte vor wenigen Tagen in Caracas Raketen-werfer, die auch bei den linken Farc-Rebellen in Kolumbien gefunden wurden.

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