Die Rückkehr der Doper

10. August 2009, 16:07
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Leichtathletik-WM mit etlichen Stars, die Sperren abgesessen haben, und fünf ungesperrten Jamaikanern

Berlin - Freispruch im Schnellverfahren: Zwei unter Dopingverdacht stehende Klubkollegen von Sprintstar Usain Bolt und zwei weitere 400-m-Läufer sind unmittelbar vor der Leichtathletik-WM in Berlin von Jamaikas Anti-Doping-Kommission (Jadoc) freigesprochen worden. Damit kann das Quartett, zu dem auch Yohan Blake, Weltranglisten-Fünfter über 100 m (9,93) und Trainingspartner von Bolt gehört, ab Samstag im Olympiastadion starten.

Neben Blake ist auch Marvin Anderson ein Bolt-Kollege aus dem Racers Track Club. Außerdem bleiben die 400-m-Läufer Lanceford Spence und Allodin Fothergill straffrei, wie die gut informierte Internetseite trackalerts.com berichtete. Zuvor war Sheri-Ann Brooks, Vize-Weltmeisterin 2007 mit der Sprintstaffel, freigesprochen worden. Alle fünf hatten bei den jamaikanischen Meisterschaften Ende Juni positive Dopingtests mit Methylxanthin abgeliefert, das einer Kategorie verbotener Stimulanzien angehört und in vielen Asthma-Sprays enthalten ist.

Acht Stunden lang hörte ein Jadoc-Ausschuss die Verteidiger der Läufer an. "Dabei wurden keine Gründe für eine Schuld gefunden" , zitierte trackalerts.com einen Insider. Der Weltverband (IAAF), bis Montag nicht informiert, behält sich den Gang vor den Sportgerichtshof (CAS) vor.

Auch Dopingsünder, die tatsächlich bestraft wurden, sind in Berlin zu sehen. Gut ein Dutzend Sportler haben nach Ablauf von Sperren genannt, einige zählen auf Anhieb zum Favoritenkreis wie die Russinnen Tatjana Lysenko, Hammerwurf-Weltrekordlerin, und Natalja Sadowa, Ex-Diskus-Weltmeisterin. Mit den kürzlich zurückgekehrten Bulgarinnen Wenelina Wenewa (Hochsprung-EM-Zweite) und Wanja Stambolowa (400-m-Europameisterin) ist zu rechnen, mit dem ehemaligen 100-m-Europarekordler Dwain Chambers sowieso. Der Brite wurde von vielen Top-Meetings zur Persona non grata erklärt, darf jedoch bei Meisterschaften starten.

Mehr als zwei Dutzend Topathleten allerdings fehlen in den Listen, weil sie aktuell ihre Sperren verbüßen. Darunter sind so prominente wie der dreimalige Hammer-Weltmeister Iwan Tichon (Weißrussland), der wie 1500-m-Olympiasieger Rashid Ramzi (Bahrain) in Peking überführt wurde. Besonders viele der Gesperrten, beinahe fünfzig Prozent, kommen aus Russland. Oder, besser gesagt, sie kommen eben nicht. (fri, sid, DER STANDARD, Dienstag 11. August 2009)

Kommentar: Bolt und Spiele

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    Usain Bolt ist seit Peking, da er 100 m in 9,69 lief, der schnellste Sprinter der Welt. Sein Klubkollege Yohan Blake (Bild) ist 2009 Fünfter der Weltrangliste. Er war positiv, darf dennoch nach Berlin.

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