Scammer setzen auf Voodoo

10. August 2009, 15:13
8 Postings

In der Finanzkrise haben E-Mail-Betrüger mehr zu tun und vertrauen auf kuriose Mittel wie magische Schildkröten

Es ist eigentlich kaum zu glauben, dass User noch immer auf den sogenannten Nigeria-Scam hereinfallen. Doch laut US-Behörden werden in den USA Bürger jährlich um hunderte Millionen Dollar betrogen. Die E-Mails eines vermeintlichen verschollenen Verwandten oder einer Diktatoren-Witwe, die Europäer oder Amerikaner um Hilfe bei einer Geldtransaktion mit hoher Belohnung bitten, sind bereits legendär. Die Washington Post hat mit einigen Scammern geplaudert und erhielt einen interessanten Einblick in das Leben der Online-Betrüger.

Popsongs über "yahoo boys"

Das auch 419 Scam - nach dem entsprechenden Paragraphen des nigerianischen Strafgesetzbuches - genannte Vorschussbetrug sei in Nigeria bereits Teil der Populärkultur geworden. Scammer hießen auch "yahoo-yahoo boys" und würden in Popsongs besungen. Der Song "Yahoozee" habe besondere Bekanntheit erlangt, nachdem der frühere US-Außenminister Colin Powell 2008 auf einem Festival in London dazu getanzt hatte. ("Beweismaterial" ist freilich auf YouTube zu finden, wobei es unterschiedliche Stimmen gibt, ob Yahoozee tatsächlich auf den Vorschussbetrug anspielt).

60.000 Dollar im Monat

In guten Monaten würden die Scammer - vor allem College-Studenten - 30.000 Dollar, manche gar 60.000 Dollar einnehmen. Aber die Zeiten seien momentan schwer und die Einnahmen seien um 40 Prozent zurückgegangen, erzählt ein Scammer namens Felix der Zeitung. "Wir arbeiten härter. Die Finanzkrise macht es nicht einfach für die da drüber (Anm. gemeint sind US-Amerikaner). Sie haben kein Geld. Und das Geld, das sie nicht haben, wollen wir", so ein anderer Scammer namens Banjo.

Voodoo-Pulver und magische Schildkröten

Um erfolgreicher zu werden würden einige Scammer sogar auf Voodoo zurückgreifen. Es gebe magisches Pulver, das dem Scammer mehr Autorität im Umgang mit seinen Opfern verleihe. Mit dem Pulver im Gesicht hätten die Opfer via Webcam keine Chance, dem Scammer etwas abzuschlagen. Einer der interviewten Betrüger vertraue auf die Kräfte einer magischen Schildkröte, die er lebendig an einem Strick um den Hals trage.

Zu nervige Opfer

Es habe jedoch auch schon Fälle gegeben, in denen die Scammer das Geld - oder zumindest einen Teil davon - wieder zurück an die Opfer überwiesen hätten. Banjo erzählt von dem Fall eines US-amerikanischen Truckers namens Jimmy, den er als "Monica" online bezirzte, "ihr" Geld zu überweisen, um in die USA auswandern zu können. Dreimal habe "Monica" alias Scammer Banjo vorgegeben, den Flug verpasst zu haben. Doch der Lastwagenfahrer habe nicht nachgelassen und seine Angebetete immer wieder angeschrieben, doch endlich zu ihm zu kommen. Das habe Banjo so genervt, dass er Jimmy von dem Betrug geschrieben und ihm 1000 Dollar wieder zurück überwiesen hätte.

Sorgen würden sich die Scammer aber offenbar nicht machen, dass ihnen irgendwann die Opfer ausgehen. In Amerika werde schließlich jeden Tag ein neuer "maga" - ein neues Opfer - geboren. (red)

  • Auch Scammer müssen in der Finanzkrise härter arbeiten.

    Auch Scammer müssen in der Finanzkrise härter arbeiten.

Share if you care.