Kommission agiert "unverantwortlich"

10. August 2009, 13:44
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21-Jährige leide unter Berichterstattung "voller unbewiesener Aussagen und Unterstellungen"

Wien - Natascha Kampuschs Medienberater üben erneut massive Kritik an der Vorgehensweise der im Innenministerium angesiedelten Evaluierungskommission im Fall Kampusch. Mitglieder würden "psychologisch und medial unverantwortlich" agieren, kritisierte das Team am Montag in einer Aussendung "die anhaltenden unverantwortlichen Medienauftritte" einzelner Personen. "Es ist seit Tagen hinreichend bekannt, dass Frau Kampusch unter der intensiven Berichterstattung, die voller unbewiesener Aussagen und Unterstellungen ist, stark leidet."

Nach mehreren Interviews von Leiter Ludwig Adamovich hatte sich am Wochenende auch Kommissions-Mitglied Johann Rzeszut, Ex-Präsident des Obersten Gerichtshofs (OGH), zu Wort gemeldet und erklärt, der heute 21-jährigen Frau würde durch einen Mittäter ihres Entführers Wolfgang Priklopil Gefahr drohen. In einem Brief an die Tageszeitung "Österreich" erläuterte dieser auch, "dass eine Person, die während der Zeit der Opferabhängikeit wiederholt gemeinsam mit Priklopil und dem Tatopfer gesehen wurde, akzentuierten Erklärungsbedarf hat" und Kampusch "eine ganze Reihe möglicher Motive für bewusste (...) unwahre Angaben" habe.

"Diese unbelegten Aussagen führen zu Hetzleserbriefen und anhaltenden Anpöbelungen, sobald Frau Kampusch einen Schritt auf die Straße setzt", mahnten die Medienberater. "Das Fass zum Überlaufen bringt nun der offene Brief von Ex-OGH-Präsident Rzeszut, in dem er andeutet, Frau Kampusch schwebe in Lebensgefahr." Dieses Vorgehen werfe die dringende Frage auf, warum Natascha Kampusch nicht direkt gewarnt wird, kritisierten die Berater. "Stattdessen hat man sich dafür entschieden, das Thema über Medien in die Öffentlichkeit zu spielen. Dieses Vorgehen dient ausschließlich dem medialen Geltungsdrang der Mitglieder der Evaluierungskommission und nicht der Sicherheit von Frau Kampusch."

Man fordere eine sorgfältige Untersuchung stichhaltiger Beweise. Um die Gerüchteküche nicht weiter anzuheizen, würden keine inhaltlichen Kommentare zu den Medienberichten abgegeben, erklärten die Berater. Natascha Kampusch bleibe jedenfalls bei ihrer Angabe, nur von einem Täter - Wolfgang Priklopil - entführt und gefangen gehalten worden zu sein. "Das sagt sie seit drei Jahren und daran hat sich nichts geändert", betonten die Berater, die dementierten, dass die 21-Jährige von Kriminellen unter Druck gesetzt werde oder Personenschutz benötige. Rechtliche Schritte gegen die medialen Aussagen der Kommission seien derzeit nicht geplant. (APA)

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