Final Fantasy bei einer FM4-Radiosession

12. August 2009, 15:00
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Owen Pallett weilte in Wien und borgte sich das Radiosymphonie­orchester aus

Sprachlos war das Publikum im Radiokulturhaus nach dem Konzert von Owen Pallett alias Final Fantasy. Als der 29-jährige Kanadier für eine Zugabe auf die Bühne kam, fragte er: "Was wollt ihr noch hören?" Sei es aus Schüchternheit oder Ehrfurcht: Zunächst blieb es still. Schließlich wünschte sich doch jemand zaghaft "Peach, Plum, Pear", ein Lied von Freak-Folk-Ikone Joanna Newsom und Pallett covert brav. Bei der FM4-Radiosession spielte er alte und neue Songs des noch unveröffentlichten "Heartland". Geige und digitales Loop-Pedal bekamen bei der Aufnahme des neuen Albums Unterstützung von einem Prager Orchester, in Wien übernahm das das 40-köpfige ORF-Radiosymphonie­orchester unter der Leitung von Dirigent Gottfried Rabl.

Owen Pallett hat bislang zwei Alben, "Final Fantasy has a good Home" (2005) und "He poos clouds" (2006), unter dem Namen Final Fantasy veröffentlicht. Einen Namen gemacht hat er sich auch als Arrangeur für Bands wie Beirut, Pet Shop Boys oder Arcade Fire, mit denen er in den vergangenen Jahren auf Tour war. Die Presse scheut nicht mir großen Vergleichen und spricht gerne vom "Van Dyke Parks seiner Generation". Bei seinen Live-Auftritten erzeugt er mit Hilfe eines digitalen Looppedals sein eigenes Orchester. Er klopft, zupft und streicht die Töne aus seiner Geige und schichtet sie, auch in Kombination mit anderen Instrumenten wie Keyboards, übereinander. Bei dem Konzert in der Szene Wien fing er zum Beispiel den Applaus des Publikums im Resonanzkörper seiner Geige auf und bastelte aus den Schwingungen einen Klangteppich für einen Song.

Auf solche Experimente ließ er sich am Vortag im Radiokulturhaus nicht ein. Als er sich seiner spiegelglatt geputzten Lederstiefletten entledigte, um das Loop-Pedal in Socken zu bedienen, war ihm die Anspannung noch anzumerken. Die Arbeit mit den Klangschichten erlaubt kaum Fehler, der Live-Auftritt mit dem Orchester erschwert die Übung. Nachdem der Auftritt mit dem Orchester gelungen war, wurde er gelöster und berichtete von kuriosen deutschen Redewendungen, die er in Wien gelernt hat. "You say 'You walk on my cookie', when you are pissed off", sagte Pallett und zeigte dem Publikum sein Schuljungenlächeln.

Festival statt Rechtsstreit

Dabei war die Beziehung zu Wien, oder zumindest zu einem Wiener Unternehmen, nicht immer ungetrübt. Die Wiener Stadtwerke waren vor drei Jahren auf der Suche nach einem neuen Werbepartner und die Agentur Publicis überzeugte mit einer Kampagne, die Palletts Song "The Dream Of Win & Regine" garniert werden sollte. Der Künstler verweigerte die Zustimmung und die Agentur reagierte darauf mit einer von einem anderen Künstler eingespielten Version des Songs für ihre Kampagne. Statt eines Rechtsstreits gab es aber ein Festival: Die Stadtwerke finanzierten den Wien-Gig des Maximum-Black-Festivals 2008 und durften im Gegenzug die nachgespielte Version weiterhin verwenden, wenn auch mit dem Zusatz "nach einem Song von Final Fantasy". (Julia Schilly, derStandard.at, 12. August 2009)

Tipp

Der Live-Mitschnitt der FM4 Radiosession mit Final Fantasy und dem RSO ist am Mittwoch, den 12. August, ab 19 Uhr in der FM4 Homebase zu hören. Der Videostream vom Konzert ist ab Mittwoch auf FM4 zu finden.

  • Owen Pallett alias Final Fantasy mit dem ORF-Radiosymphonieorchester
    foto: fm4/pamela rußmann

    Owen Pallett alias Final Fantasy mit dem ORF-Radiosymphonieorchester

  • Ohne Schuhe, aber mit Loop-Pedal
    foto: fm4/pamela rußmann

    Ohne Schuhe, aber mit Loop-Pedal

  • Artikelbild
    foto: fm4/pamela rußmann
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