Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Beamte

10. August 2009, 20:21
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Fahrlässige Tötung unter besonders gefährlichen Verhältnissen - Weitere Zeugenbefragungen

Krems/Korneuburg - Nach den Schüssen auf zwei jugendliche mutmaßliche Einbrecher in einem Kremser Supermarkt wird gegen die beiden Polizeibeamten wegen fahrlässiger Tötung unter besonders gefährlichen Verhältnissen (Strafrahmen bis drei Jahre Haft) ermittelt. Das hat der Sprecher der Staatsanwaltschaft Korneuburg, Friedrich Köhl, am Montag bekanntgegeben. Der getötete Florian P. (14) wird am Donnerstag in Krems beigesetzt.

Die Staatsanwaltschaft hat am Montagnachmittag - wie erwartet - beim Landesgericht Korneuburg eine Tatrekonstruktion beantragt. Die Entscheidung liege nun beim zuständigen Richter, sagte Köhl. Er gehe von einem Zeitrahmen von zwei bis drei Wochen aus, in dem es zur Tatrekonstruktion kommen werde, weil auch die Termine des medizinischen und schießtechnischen Sachverständigen zu koordinieren seien. Darüber hinaus merkte der Staatsanwalt an, dass der Lokalaugenschein "möglichst bei den selben Beleuchtungs- und Lichtverhältnissen wie zum Tatzeitpunkt" stattfinden werde.

Die Rekonstruktion soll Klarheit darüber bringen, was genau sich am vergangenen Mittwoch in den frühen Morgenstunden in der Filiale des Merkur-Marktes abgespielt hat. Während die Polizisten von einer Notwehrsituation gesprochen haben, hat der angeschossene inzwischen 17-Jährige ausgesagt, er und der ums Leben gekommene Florian P. hätten bereits flüchten wollen, als die Schüsse gefallen sind. "Aus jetziger Sicht" seien bis zur Tatrekonstruktion keine weiteren Einvernahmen geplant, so der Staatsanwalt weiter.

Auf die Frage, wie lange das Ermittlungsverfahren dauern wird, ehe feststeht, ob gegen die Polizisten Anklage erhoben oder das gegen sie gerichtete Verfahren eingestellt wird, verwies Köhl auf die nötigen Gutachten. Vor allem die Expertise des Schießsachverständigen sei "einigermaßen aufwändig". Es sei auch davon auszugehen, dass noch einige Wochen verstreichen werden, ehe das schriftliche Gutachten des Gerichtsmediziners vorliegt.

Zeugenbefragung

Die Polizei hat unterdessen weitere Zeugen und Auskunftspersonen befragt. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage nach möglichen Mittätern. Die Ermittler gehen hinsichtlich des Einbruchs vorerst von drei Verdächtigen aus.

Rainer Rienmüller, der Anwalt der Polizisten, appellierte am Montagabend an Medien und Öffentlichkeit, die ermittelnden Behörden in Ruhe ihre Arbeit verrichten zu lassen. Nach seinem Dafürhalten wird es einige Wochen dauern, ehe der Gerichtsmediziner in schriftlicher Form seine gutachterliche Stellungnahme zum Tod des 14-Jährigen vorlegen kann: "Der Obduktionsbefund ist ja nur eine Seite. In die medizinischen Schlussfolgerungen werden mit Sicherheit auch die Erkenntnisse des Schießsachverständigen miteinfließen müssen."

Die Beamten sind laut Rienmüller nach wie vor "sehr betroffen" und nehmen psychologische Hilfe im Rahmen des Post-Shooting-Programms der Polizei in Anspruch, das sich bei Bedarf individuell verlängern lässt. Der Anwalt betonte, seine Mandanten würden nicht von der Öffentlichkeit abgeschirmt und wären auch nicht an einen unbekannten Ort verbracht worden. Sie wären vielmehr in ihr vertrautes familiäres bzw. verwandtschaftliches Umfeld eingebunden.

"Notwehrsituation"

Rienmüller versicherte einmal mehr, die Beamten hätten sich in einer Notwehrsituation befunden: "Wir sind weit davon entfernt, dass Minderjährige bei einem Ladendiebstahl auf der Flucht beschossen worden sind." Einer der Jugendlichen soll sich mit der Gartenharke den Polizisten in den Weg gestellt und "Ausholbewegungen" gemacht haben. Fragen nach dem konkreten Bedrohungsszenario, ob einer der beiden Burschen sich dabei hervortat und wie es aus Sicht der Beamten letztlich zu dem tödlichen Schuss kam, wollte Rienmüller nicht beantworten. Dies betreffe einerseits die Privatsphäre seiner Mandanten, andererseits wolle er die laufenden Ermittlungen nicht kommentieren. "Das Bedrohungsszenario hat jedenfalls ausgereicht, dass sich beide übereinstimmend entschlossen haben, von den Dienstwaffen Gebrauch zu machen."

Begräbnis am Donnerstag

Der Termin für das Begräbnis von Florian P. steht inzwischen definitiv fest. Der Totengottesdienst wird demnach am Donnerstag um 12.00 Uhr in der Pfarrkirche Krems-Lerchenfeld, die Beerdigung um 13.15 Uhr auf dem Friedhof der Stadt stattfinden. (APA)

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    Wegen fahrlässiger Tötung unter besonders gefährlichen Verhältnissen wird nach den Schüssen in einem Kremser Supermarkt gegen zwei Polizisten ermittelt.

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