Das Schweizer Taschenmesser wird 125

10. August 2009, 15:58
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Das kleine rote Messer mit dem weißen Kreuz kann heute viel mehr als Holz sägen, Eber kastrieren und Hühner rupfen

Ein Messer für alle Lebenslagen eines Soldaten: Auf Basis dieser Idee entwickelte der Schweizer Schmied Karl Elsener vor 125 Jahren ein "Sackmesser". Am Anfang bestand das Messer aus Klingen, Pinzette und Schraubenzieher. Eine Sonderausstattung mit Korkenzieher wurde nur an Offiziere verkauft. Heute dient das kleine Messer nicht mehr nur zum Käse schneiden oder Gewehr nachjustieren, sondern auch zum Computer reparieren oder beinhaltet einen USB-Stick.

Mitten in den Schweizer Alpen fertigen Elseners Nachfahren auch heute noch das Taschenmesser mit dem roten Griff und dem weißen Schweizerkreuz an. Victorinox ist das letzte Unternehmen im Land, das sie noch herstellt. Beim Absatzmarkt haben London, New York und Tokio den Kasernen inzwischen den Rang abgelaufen. Victorinox bietet 100 verschiedene Versionen an. Als nächstes will Victorinox-Geschäftsführer Carl Elsener eine mit Blue-Tooth-Technologie ausgestattete Fernbedienung für Präsentationen auf den Markt bringen.

Ausstellung

"Vom Sackmesser zum Kultobjekt" heißt eine Ausstellung des Forums der Schweizer Geschichte in Schwyz, das die Kulturgeschichte der berühmten Klingen nachzeichnet: Am Anfang sollte das Klappmesser vor allem den Dolch ersetzen, daneben aber auch Holz sägen, Eber kastrieren, Hühner rupfen oder Kartoffelsäcke nähen. In Italien wurden verschnörkelte Klappmesser gerne als "Coltello d'amore" (Liebesmesser) zur Verlobung geschenkt. Sie sollten den künftigen Ehemann zur Treue anhalten und wurden dem Brautpaar wie ein Damoklesschwert übers Ehebett gehängt.

Karl Elsener hatte allerdings pragmatischere Funktionen im Sinn, als er 1884 in Ibach bei Schwyz eine Besteck- und Messerwerkstatt gründete. In dieser Zeit wollte die Schweizer Armee ihre Rekruten mit einem Allzweckmesser ausstatten, mit dem sie ihre Gewehre warten, aber auch Konserven aufschneiden konnten. Elsener entwarf zusammen mit anderen Messerschmieden ein Taschenmesser. Eine leichtere, elegantere Version mit zusätzlichen Funktionen wurde 1897 als Offiziersmesser patentiert, mit Korkenzieher, abgerundeten Enden und dem charakteristischen Schweizerkreuz.

Souvenir

Nach dem Zweiten Weltkrieg brachten US-Soldaten das Taschenmesser als Souvenir aus Europa nach Hause - und verbreiteten es damit weltweit. Heute fertigt Victorinox nach eigenen Angaben jährlich rund sechs Millionen Taschenmesser, dazu kommen noch einmal so viele andere Messer sowie andere Produkte der Firma - bis hin zum Victorinox-Parfum. (APA)

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    Das Schweizer Taschenmesser feiert 125. Geburtstag

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