Clotilde Reiss, ein ideales Faustpfand

10. August 2009 14:56

Sie wollte den Iran und die iranische Kultur besser kennen lernen und landete vor Gericht - Clotilde Reiss ist das internationale Gesicht des Massenprozesses

Die französische Sprachlehrerin Clotilde Reiss (24) ist nicht die einzige Ausländerin, der nun im Iran der Prozess gemacht wird, aber die medientauglichste: Jung, weiblich, intellektuell, westlich, hübsch. Die perfekte Figur für das Regime, das glauben machen möchte, die Proteste meist Jugendlicher sind aus dem Ausland gesteuert. Und die perfekte Figur, um der internationalen Gemeinschaft eine kleine Warnung vor ungewünschter Einmischung zu senden.

Rund einhundert Männer und Frauen müssen sich derzeit in Teheran vor dem Revolutionsgericht dafür verantworten, die Wiederwahl von Präsident Mahmoud Ahmadinedschad kritisiert und Proteste angeheizt zu haben. Darunter eben Clotilde Reiss sowie Mitarbeiter der französischen und der britischen Botschaft in Teheran.

Das Fotomaterial von Reiss´ Aussage vor Gericht wurde am Samstag von den iranischen Behörden veröffentlicht. Blass und apathisch steht die junge Frau am Pult. Sie gestand laut der französischen Tageszeitung Le Monde, dass sie einen einseitigen Bericht über die iranische Atompolitik für das im Iran ansässige französische Institut Ifri verfasst habe. Angeklagt ist sie wegen Spionage, ein Tatbestand, auf den im Iran unter Umständen die Todestrafe steht.

Verhaftung vor Ausreise

Seit 1. Juli, dem Tag an dem sie am Teheraner Flughaften verhaftet wurden, sitzen Reiss und ein Landsmann der franzöischen Botschaft in Haft. Dort legten sie umfangreiche Geständnisse ab und baten um Gnade. Fünf Monate lang hatte Reiss zuvor schon an der Universität Isafahan als Lektorin für Französisch gearbeitet. An diesem 1. Juli wollter sie den Iran verlassen und nach einem Zwischenstopp bei Freunden in Pakisten wieder nach Frankreich zurückkehren. Sie spricht fließend Farsi, hat aber keine familäre Bindungen in den Iran. Ausschlaggebend für ihr Interesse am Iran soll ihre iranische Kinderfrau in Frankreich gewesen sein. Von ihr lernte sie bereits als Kind die Sprache. Laut dem Magazin "Spiegel" hat Reiss ihre Magisterarbeit über iranische Schulbücher geschrieben. Sie studierte in Lille Politikwissenschaften.

Der Vater der jungen Akademikerin, Rémi Reiss, sagte der französischen Nachrichtenagentur AFP, seine Tochter sei unschuldig. Clotildes Motivation sei die Kunst, die Kultur, sie habe Iran noch besser kennen lernen wollen: "Clotilde ist nicht militant oder politsch engagiert".

Reaktionen in Frankreich

Das freilich ist dem iranischen Regime einerlei. Die junge Frau lässt sich nach außen und innen wunderbar instrumentalisieren. Lange Zeit gab es keine Reaktion des öffentlichen Frankreichs. Erst am Sonntag, einen Tag nach der Veröffentlichung der Fotos, verlangte der französische Außenminister Bernard Kouchner die Freilassung der jungen Frau. Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy meldete sich am Freitag zu Wort: Sarkozy setze sich mehr als je zuvor bei all jenen ein, die zu einer schnellen Lösung und zur Befreiung der Französin beitragen könnten, erklärte am Montag das Präsidentschaftsamt. Der Präsident, der seit zehn Tagen in Südfrankreich im Urlaub ist, verfolge die Entwicklung des Falles "äußerst aufmerksam".

Die französische Tageszeitung L'Est Républicain bedauert das zögerliche Engagement Frankreichs im Falle Reiss: "Abgesehen von den Angehörigen der Gefangenen zaudert die Öffentlichkeit, sich für den Fall zu sensibilisieren und Druck zu machen, um ihrer absurden Gefangenschaft ein Ende zu setzen. Kann das Schweigen durch die Urlaubszeit erklärt werden? Oder fehlt eine starke Stimme, um Clotilde Reiss zu verteidigen?," fragt der Kommentator Michel Vagner.

Nur einmal durfte ein Vertreter der französischen Botschaft Reiss am Beginn ihrer Haft besuchen. Diese sei zu diesem Zeitpunkt "gesund und in guter geistiger Verfassung" gewesen. Laut Kouchner wurde sie "wahrscheinlich" zu dem Geständnis gedrängt. (mhe, red, derStandard.at, 10.08.2009)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 59
1 2
fibiundchillie
11.08.2009 12:48

sie wollte den iran studieren, die kunst, die kultur.

jetzt kriegt sie anschauungsunterricht in iranischer kunst und kultur...

ich hoffe ja auch, daß frankreich sie freibekommt und sie ihren seltsamen studiengang halbwegs unbeschadet übersteht.

philidor85
03.09.2009 14:09

genau so ein posting hab ich erwartet...gleich on top

ich hoffe ebenfalls, dass sie freikommt und sich darüber hinaus ihre weltoffenheit beibehält...und nach wie vor in der lage is trotz schauprozess und gefängnisaufenthaltes der persischen kultur etwas abzugewinnen

Michel Berger
10.08.2009 22:06
Sie wollte den Iran studieren und kennenlernen!


Umgekehrt haben wir das auch schon von einem in Pakistan verhafteten Taliban mit deutschem Paß vernommen.
Der wollte scheinbar auch nur den Koran studieren und Nordpakistan kennenlernen.

Wer von diesen beiden ist nun glaubwürdiger?


Knieriem
10.08.2009 21:16

Iran ist eben keine Kulturnation mehr. Jeder der glaubt, daß er im Iran arbeiten oder leben muß: Hinaus und zwar so schnell wie möglich! Dort werdet ihr weder Recht noch Gerechtigkeit erfahren!

Isogseich Eini
11.08.2009 10:37
Kommt er bald, der Komet?

Knieriem
12.08.2009 12:03

Jeden Tag schaue durch`s Grün einer geleerten Flasche guten DAC und denke mir:" Diese Welt steht auf keinen Fall mehr lang! - und die Meisten merken es nicht einmal!"

fibiundchillie
11.08.2009 12:42
Kommt er bald, der Komet?

eher wird auf den mahdi gewartet.

Heinz Anderle
 
10.08.2009 20:04
Iranische Vermögenswerte beschlagnahmen,...

...diplomatisches Personal ausweisen oder internieren - irgendeine komfortable Schubhaftanstalt wird sich ja wohl finden lassen (pardon, die Zurückgebliebenen im Iran verstehen nur diese Sprache) - bis Mlle. Reiss ausreisen darf.

Währenddessen steuern französische und britische Flugzeugträger die iranische Küste an, und britische Fernbomber nehmen auf Diego Garcia Aufstellung. Sollte der jungen Dame auch nur ein Haar gekrümmt werden, liegt Teheran am nächsten Tag in Schutt und Asche.

Mit Hitler hat man auch nicht anders fertig werden können, sorry.

Dr. Heinz Anderle, abendländischer Freigeist

Alexander Neumaier
11.08.2009 08:24
Sie haben

nichts verstanden und rufen nach einem Krieg der viele Opfer fordern würde aber keine Lösung bringen kann.

Wenn es Ihnen ein Anliegen ist, den Iran militärisch zu bekämpfen, von einem Anhänger eines terroristischen Regimes ist wohl nicht viel anderes zu erwarten, dann bin ich gerne bereit, auch Ihnen ein One-Way Ticket nach Tehran zu zahlen.

Gewalt ist, selbst gegen die Gewalttäter, auch wenn Sie die Bewohner des Iran pauschal als geistig Behinderte verunglimpfen, keine Lösung.

Der Iran ist dummerweise stark genug, um sich gegen eine militärische Intervention ausreichend zu Wehr zu setzen, um diese unpraktikabel zu machen.
Da ist leider eine Verhandlungslösung notwendig.
Und die wird vermutlich auch stattfinden.
Ihnen zum Trotz.

1.Kp / EW 74
 
10.08.2009 23:43
An H. Anderle : Na, na,na, - jetzt haun`S nicht

so auf den Tisch...

Am End fallt noch ein Bierkrügl runter, und dann war`s wieder niemand...

Der Ruhestifter
10.08.2009 23:22
So geht's auch nicht

Kein zweifel, dass die iranische führung eine bande übelsten abschaums ist. Kein zweifel auch, dass es sich bei den revolutionsgarden um eine art iranische sa handelt, deren angehörige scharfen hunden ähnlicher sind als menschen. Nur: wenn man städte in schutt und asche legt, dann verhält man sich auch in einer art, die eines kultivierten menschen unwürdig ist.

Mario Coiffure
 
10.08.2009 23:09
"hitler"

jeden unsympathler der weltgeschichte gleich mit hitler zu vergleichen (von dem jenseitigen "nuke 'em", oder "bomben über teheran"-gebrülle, ganz zu schweigen), das ist in der tat frei von geist - signatur sehr treffend gewählt!

Ava Tar
10.08.2009 17:23
Falscher ifri-Link, ihr Spezialisten

Das ifri, für das unser "westliches Aushängeschild" arbeitet ist das www.ifriran.org und nicht das www.ifri.org

Ihre "Motivation sei die Kunst, die Kultur" - und scheibt einen Artikel über die Atompolitik - na klar

Wie ja auch schon Hundertwasser, André Heller und Marcel Pravy Artikel über Atompolitik schrieben. Die Kulturwelt ist voller Artikelschreiber zum Thema Atompolitik.

Herr Kouchner, seit Lüftung seiner Privatgeschäfte bei denen er 4,6 Mio. Euro aus den Staatskassen der ärmeren Gabun und Kongo nahm etwas leise geworden, weiß natürlich, daß sie "wahrscheinlich" zu einem Geständnis gedrängt wurde

Wie das weitergeht sehen wir am anderen Artikel: Morgen heißt's sie wurde gefoltert, nächste Woche heißt's dann "vergewaltigt".

Die Nutte La
10.08.2009 23:04
Die Kulturwelt ist voller Artikelschreiber zum Thema Atompolitik.


Ich nehme an, mit Leuten, die einen kritischen Artikel zur US-amerikanischen Atompolitik schreiben, hätten Sie weniger Probleme, nicht wahr?

Alexei Pavlov
10.08.2009 16:54

Hoffentlich wird da nicht nach den Standards der westlichen Demokratien verfahren: Weder nach dem US-Muster, wo Folter gesetzlich erlaubt wird, noch nach dem westeuropaeischen, wo man einen Verdaechtigen schlicht erschiessen kann, um dann zu erklaeren, dass keiner daran schuld gewesen sei.

3301
10.08.2009 18:53

kann man so naiv sein ?
das muss doch bösartigkeit sein ?

kennen sie einen islamisten , der in us-haft sitzt und nun plötzlich behauptet , er habe sich geirrt ?
oder er habe gegen seinen willen im auftrag seiner regierung gehandelt .
oder er hat überhaupt im auftrag seiner regioerung gehandelt .
oder es war ihm nicht bewusst , was er tat , seit er unter amerikanern ist , weiss er um die wahren werte .
dass menschen vor gericht plötzlich ihre meinung ändern , ist für sie noch positiv ?

wissen sie ,auch das abu ghuraib gefängnis war unter saddam kein nobelhotel .
auch wird folter für menschen nicht angenehmer , wenn sie im dunkel geschieht , ohne anwesende fotografen .
hääää??
waaass??
woooo???

Alexei Pavlov
10.08.2009 22:51

Seit wann handeln Islamisten im Auftrag von Regierungen? Ist Al-Kaida z.B. fuer Sie eine "Regierung"? Unterstellen etwa die Amis den Guantanamo-Haeftlingen, dass diese im Auftrag irgendeiner Regierung handelten, Sie Klown?

Ob die Angeklagten in westlichen Gerichten "menschen vor gericht plötzlich ihre meinung ändern"?

Oh, ja, sehr oft sogar. Das heisst in den USA "Deal" (mit der Justiz). War's Ihnen nicht bekannt?

Dass die politische Justiz in Den Haag die serbischen Angeklagten (vermutlich) erpresste, wonach sie ihre Schuld zugaben, haben Sie aus den gleichgeschalteten Nati-Medien auch nicht mitbekommen?

Und Sie, indoktrinierter Betonkopf, der keine Ahnung von nichts hat, unterstellen mit "Naivitaet"?

Da lachen doch die Huener!

Falk Heße
10.08.2009 20:42
Kann man so naiv sein?

Ja kann man. Herr Pavlov ist aber nicht naiv sondern von einem gruseligen Selbsthass bessesen. Im gewissem Sinne ist das Bösartikeit, wenn Sie so wollen.

Seine Postings (obiges und untere) sind so voll von absurden Gedankensprüngen, dreister Anmaßung und einer Paranoia reinstem Wassers, dass es sich hier offentsichtlich nicht mehr um einen Troll handelt. Das Durcheinander in seinem Kopf möchte man sich nicht vorstellen. Am Besten in Ruhe lassen. Weiß sonst auch keinen Rat.

Alexei Pavlov
10.08.2009 22:53

Na klar, wenn ein indoktrinierter Betonkopf mangels Intelligenz keine sachlichen Gegenargumente hat, greift er gerne zu ad hominem.

Danke, dass Sie es aufs Neue bestaetigt haben!

Der Ruhestifter
10.08.2009 23:25
Sie kennen die kennzeichen der paranoia?

Eines der wichtigsten ist, sich durch beliebiges bestätigt zu fühlen. So, wie Sie sich auch hierdurch bestätigt fühlen werden.

Alexei Pavlov
11.08.2009 12:23

ber natuerlich fuehle ich mich bestaetigt, denn weder Sie, noch die anderen Trottel mir nichts Sachliches entgegenbringen koennen.

Oder soll ich mich von Ihren inhaltlosen heiligen Mantras ueberzeugen lassen?

Koennen Sie mir Denkfehler oder Luegen nachweisen, wie ich's Ihnen daemlichen Natis nachweise? Oder koennen Sie nur geifern und sich wichtig tun?

Zaubersalz
11.08.2009 14:51
Aber sachliche Beweise...

...konnten Sie in Ihren Posts bis dato auch nicht unbedingt bringen! Die Den-Haag-Justiz zwingt die armen Angeklagten dort also Sachen zuzugeben - indem sie diese mit Hunderten von Zeugen konfrontiert?! Wo ist der Beweis für diese absurde Behauptung? Und nur weil Sie im Schnellvorlauf im CSI oder Law & Order diese tollen Deals präsentiert bekommen, glauben Sie das die WESTLICHE Justizwelt tatsächlich so funktioniert?! Die Kritik der Naivität müssen Sie sich leider gefallen lassen!

Mormoloc
12.08.2009 11:57
Er verweist gerne auf ein sowjetisches Geschichtsbuch von 1965. Das reicht Ihnen nicht?

Alexei Pavlov
12.08.2009 12:44

Auf dieses Buch habe ich zu einem ganz anderen Thema verwiesen. Und ich habe Ihrerseits keinerlei sachliche Einwaende gehoert. Offenbar macht Sie gerade dieser Umstand so wuetend.

Denn Sie selbst sind nicht in der Lage, Ihre Erguesse, ob zu diesem Thema oder zu Nordkorea oder zum 2. WK mit harten Fakten und zuverlaessigen Quellen zu belegen. Nur Romane (wie Archipel Gulag), gleichgeschaltete Medien oder bezahlte Rechtskurvler.

Alexei Pavlov
11.08.2009 18:11

2) Deshalb brauchte ich,nur den "Beweis" vom Opponenten zu widerlegen,naemlich,dass die Aenderung der Aussagen von Angeklagten die Anwendung von illegitimen Mitteln seitens der Justiz nachweist.

Ich wies diesen Trottel darauf hin,dass dies des oefteren in den westlichen Gerichten passiert,ob in Den Haag oder anderswo. Solange der Opponent diese Gerichte trotzdem fuer "gutartig" haelt,ist seine These BEWIESENERMASSEN falsch.

Und was meckerten Sie mir entgegen? "glauben Sie das die WESTLICHE Justizwelt tatsächlich so funktioniert?!" Ein echt tolles Gegenargument! Billige Pathetik,die auf GLAUBEN beruht.

Und Sie bezeichnen mich dabei als "naiv"?

Warum sind Sie Natis immer so bescheuert und indoktriniert?

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 59
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.