Rom wies Enthaftungsantrag von Seifert zurück

10. August 2009, 11:02
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Anwalt hatte Freilassung des 85-Jährigen aus Gesundheitsgründen gefordert

Rom - Ein italienisches Militärgericht hat einen Enthaftungsantrag des ehemaligen NS-Kriegsverbrechers Michael Seifert aus Gesundheitsgründen abgelehnt. Der gebürtige Ukrainer, der in einem Militärgefängnis im süditalienischen Santa Maria Capua Vetere inhaftiert ist, leide an einem Ekzem an einem Bein und an einer Schulter und sollte aus Altersgründen enthaftet werden, forderte sein Rechtsanwalt. Der Antrag wurde jedoch mit der Begründung zurückgewiesen, dass Seiferts Gesundheit gut sei, berichtete die römische Tageszeitung "La Repubblica" am Montag.

Seifert, der wegen Kriegsverbrechen zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, äußerte den Wunsch, seine Haftstrafe in Vancouver abzubüßen, wo er sich in der Nachkriegszeit versteckt hatte. Dort hatte er in einer Holzfabrik gearbeitet.

Militärgefängnis in Santa Maria Capua Vetere

Der heute 85-jährige Verurteilte, der 1951 in Kanada untergetaucht und 2000 von einem italienischen Tribunal in Abwesenheit verurteilt worden war, wurde im Februar 2008 an Italien ausgeliefert und befindet sich seitdem in dem Militärgefängnis in Santa Maria Capua Vetere. "Es ist schwer denkbar, dass der Sträfling außerhalb des Gefängnisses besser betreut werden könnte", urteilte das italienische Militärgericht. Seifert werde im Militärgefängnis menschlich behandelt.

Seifert soll während des Kriegs als Aufseher eines Lagers in Bozen 18 Menschen umgebracht haben. Das italienische Gericht hatte ihn für schuldig befunden, für 18 Fälle von Mord und Folter zwischen Juni 1944 und April 1945 verantwortlich zu sein. Im Oktober 2002 hatte das Kassationsgericht das Urteil des Militärgerichts bestätigt. Seifert, der auch die kanadische Staatsbürgerschaft besitzt und zwischen 1951 und 2008 in Vancouver lebte, bestreitet die Vorwürfe. Er versuchte, mit allen rechtlichen Mitteln seine Auslieferung an Italien zu verhindern. (APA)

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