ETA-Experte überrascht von neuen Mallorca-Bomben

9. August 2009, 22:59
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Krause: Jetzt nicht "überreagieren, denn sonst erledigt man das Geschäft der ETA-Terroristen"

Berlin - Nach Ansicht des deutschen Terrorismus-Experten Joachim Krause war binnen so kurzer Zeit nicht mit neuen Anschlägen der baskischen Terrororganisation ETA auf Mallorca zu rechen. "Ich war überrascht, dass die ETA wieder auf Mallorca zugeschlagen hat, weil dort der Fahndungsdruck am höchsten ist", sagte der Professor für Politikwissenschaft und geschäftsführende Direktor des Instituts für Sozialwissenschaften an der Christian-Albrechts-Universität Kiel am Sonntag dem Audiodienst der dpa am Telefon. Deshalb hätte man nicht erwarten können, "dass sie dort wieder zuschlagen". Dennoch sollte man jetzt nicht "überreagieren, denn sonst erledigt man das Geschäft der ETA-Terroristen".

Es sei auch nicht neu, dass die ETA Urlaubsziele für Anschläge auswähle, so Krause. Dabei seien die Terroristen aber "darauf bedacht, keine Touristen zu gefährden oder zu töten". Anders sei dies bei ETA-Angriffen auf die Polizei. "Da schrecken sie auch vor Morden nicht zurück", sagte Krause.

Lokale Eta-Zelle

Nach Einschätzung des Experten dürften sich die Attentäter nach wie vor auf der Ferieninsel aufhalten. "Es spricht vieles dafür, dass es die gleichen Täter waren wie vor 10 Tagen. Dass es sozusagen eine Zelle der ETA auf Mallorca gibt." Dabei nutzten die Terroristen offenbar die Anonymität des Urlaubsparadieses: "Versuchen Sie mal, unter den vielen Menschen, die sich derzeit auf Mallorca aufhalten, die drei oder vier ETA-Terroristen zu finden, die diese Anschläge gemacht haben."

Eine Einschätzung, ob es in nächster Zeit weitere Anschläge geben könnte, sei schwer, sagt Krause. "Man kann sich bei einem sicher sein: Die ETA verhält sich nicht so, wie man glaubt, dass sie sich verhalten wird." Es könnte in den nächsten Tagen weitergehen, aber auch eine mehrwöchige Ruhepause geben. "Das wird in ganz kleinem Kreise unter Leuten entschieden, die nicht unbedingt so ticken, wie wir es für vernünftig ansehen", so der Kieler Terrorexperte. (APA/dpa)

 

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