Zukunftsvorsorge mit weniger Aktien

9. August 2009, 19:33
17 Postings

Geplante Senkung des Aktienanteils stößt größtenteils auf Zustimmung - Wiener Börse pocht auf Absenkung erst gegen Laufzeitende

Wien - Die geplante Senkung des Aktienanteils bei der staatlich geförderten Privatpension, um diese nicht so sehr den Schwankungen am Kapitalmarkt auszusetzen, stößt großteils auf Zustimmung. Für die Arbeiterkammer geht Otto Farny die angedachte Absenkung des Aktienanteils bei der Zukunftsvorsorge von derzeit 40 auf 30 Prozent "in die richtige Richtung". Die Wiener Börse spricht sich gegen eine zu starke Absenkung aus. Experten sehen "keine Auswirkungen" aus der Reduktion des Aktienanteils für den österreichischen Kapitalmarkt.

Derzeit gebe es noch keinen fertigen Gesetzesentwurf, sagte Harald Waiglein, Sprecher des Finanzministeriums. Er rechnet damit, dass die Novelle in einigen Wochen in Begutachtung gehe. Zum Ausmaß einer Senkung des Aktienanteils gebe es noch keine genauen Zahlen.

Negative Performance

Bereits im Dezember des Vorjahres war eine Änderung des Aktienanteils im Finanzausschusses des Parlaments diskutiert worden. Bei der privaten Pensionsvorsorge wurde im Jahr 2003 ein Aktienanteil von 40 Prozent festgelegt, um sowohl eine hohe Rendite als auch eine Belebung der Wiener Börse zu erreichen. Im Jahr 2008 verwalteten die privaten Pensionsversicherer 1,34 Mio. Verträge mit einem Vermögen von 2,79 Milliarden Euro. Damit müssen sie knapp 1,1 Mrd. Euro in Aktien investieren, um einen Anteil von 40 Prozent zu erreichen.

Im vergangenen Jahr mussten die Produkte der Zukunftsvorsorge aufgrund der Aktientalfahrt eine durchschnittliche negative Performance von minus 15,3 Prozent hinnehmen. Bei einer Reduktion des Aktienanteils von derzeit 40 auf angedachte 30 Prozent stünden dem österreichischen Kapitalmarkt 279 Mio. Euro weniger zur Verfügung.

Kapitalmarkt

Die Wiener Börse steht einer Senkung der Aktienquote offen gegenüber, insbesondere wenn diese gegen Ende der Laufzeit vorgenommen wird. Eine zu starke Absenkung der Aktienquote schade aber dem Kapitalmarkt. Die Wiener Börse sei in die laufenden Gespräche mit dem Finanzministerium eingebunden, so das Unternehmen. Für Kapitalmarktexperten wird die Absenkung des Aktienanteils keine negative Auswirkung für den Kapitalmarkt haben. Der Liquiditätsabfluss wäre nicht sonderlich hoch. Die Einführung der privaten Pensionsvorsorge war laut Experten für internationale Investoren vielmehr ein Signal, sich in Österreich zu engagieren. "Die Reform ist sinnvoll und damit hat sich auch der Veranlagungsspielraum vergrößert", so Manfred Zurek, Pensionsvorsorge-Manager der Erste Sparinvest. (APA, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.8.2009)

Share if you care.