Ex-Ortskaiser will die Krone

9. August 2009, 19:27
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Umstrittener Fritz Böhm tritt mit eigener Liste an

Pasching - Vergessen scheint der Moment, als er am 5. April 2007 mit den Worten "Ich lege die Politik nicht ad acta, ich schmeiß sie in den Schredder" frustriert den Hut nahm. Das Paschinger Enfant terrible ist zurück auf der Politbühne - Fritz Böhm wird bei der Gemeinderatswahl am 27. September mit einer eigenen Liste antreten.

"Zwei Jahre ist jetzt gar nichts passiert in Pasching. Ich konnte einfach nicht länger zusehen", begründet Böhm im Standard-Gespräch seine Entscheidung. Natürlich habe es in seinem Umfeld auch Stimmen gegeben, die gesagt hätten "Fritz, warum tust du dir das noch einmal an". Böhm: "Aber ich bin mit 70 zu jung für die Frühpension." Antreten wird der Ex-Bürgermeister mit der markanten Glatze mit der "Liste Fritz Böhm" auf der bereits 18 Mitstreiter stehen würden. "Dazu kommen noch 50 Unterstützungserklärungen", freut sich Böhm. Vergangenen Freitag stand bereits das erste Foto-Shooting für Plakate und Folder auf dem Plan.

Munition für die Opposition im Wahlkampf wird aber unvermeidlich Böhms Gerichtsverfahren sein. Bei seinem Prozess im Mai 2006 am Linzer Landesgericht war er wegen Untreue, schweren Betrugs und Amtsmissbrauchs zu 41.000 Euro Geldstrafe und einer bedingten Haftstrafe von 18 Monaten verurteilt worden. Auf die Anklagebank brachten Böhm vor allem seine umstrittenen Doppelbezüge einerseits als hauptamtlicher Gemeindechef, andererseits als Geschäftsführer einer gemeindeeigenen Straßenfinanzierungs Gmbh. Der zu erwartenden Kritikwelle sieht Böhm übrigens gelassen entgegen: "Die bedingte Haftstrafe ist vorbei, alle anderen, nach dem Gerichtsverfahren eingebrachten Anzeigen wurden fallengelassen. Und mit der Frage, ob ich meine Bezüge zu recht erhalten habe, beschäftigt sich nach wie vor der Verfassungsgerichtshof."

SPÖ-Mitglied ist Fritz Böhm übrigens immer noch: "Warum sollte ich das Parteibuch zurückgeben? Ich will nur von den roten Blitzern in Pasching nichts mehr wissen." (Markus Rohrhofer, DER STANDARD Printausgabe, 10.8.2009)

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