Alle Beteiligten belasten sich gegenseitig

9. August 2009, 19:12
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Der Lokalaugenschein wird helfen, Klarheit in den Fall zu bringen - Jugendliche brachen zweimal in den Supermarkt ein

Krems/Wien - Wie viele Täter waren in der Nacht zum Mittwoch an dem Einbruch in einen Kremser Supermarkt beteiligt? Die Antwort könnte wichtige Hinweise für die Frage bringen, ob zwei Polizisten einen 14-Jährigen in Notwehr erschossen haben oder der Waffengebrauch nicht gerechtfertigt war.

Derzeit geht man bei der niederösterreichischen Exekutive noch von drei Tätern aus: dem 14-Jährigen, einem 17 Jahre alten Komplizen, der mit ihm im Merkur-Markt gewesen ist, sowie einem 28-jährigen Rumänen, der im Fluchtauto gewartet haben soll. "Möglicherweise gibt es noch mehr", sagt jedoch der Pressesprecher des Landeskriminalamtes Niederösterreich, Roland Scherscher.

Auch die beiden Polizisten, die am Freitag bis in den Abend hinein vernommen worden sind, bleiben offenbar vage. Sie seien "von mehreren vermummten Personen" angegriffen worden, sagte Hans-Rainer Rienmüller, der Anwalt der Beamten, am Wochenende im ORF-Radio Niederösterreich. Ob das zwei, drei oder noch mehr Personen bedeutet, führte er nicht aus.

Die Verdächtigen hätten dabei Kapuzen getragen, nur die Augen seien erkennbar gewesen. Seine Mandanten seien mit einer Stich- und einer Schlagwaffe attackiert worden. In einer Pressekonferenz am Mittwoch war diesbezüglich von einem Schraubenzieher und einer Gartenharke die Rede. Der "sehr dynamische Angriff" sei "lebensbedrohlich" gewesen, berichtete der Wiener Anwalt weiter.

Rienmüller habe auch bestätigt, dass der Angriff in einem Nebengang des Supermarktes stattgefunden habe, der mit Notbeleuchtung ausgestattet sei. Die Beamten seien zusätzlich mit Taschenlampen ausgerüstet gewesen. Das steht im Widerspruch zu den offiziellen Angaben vom Mittwochmittag, als Polizeisprecher Scherscher noch berichtet hatte, es sei "völlig dunkel" gewesen.

Wohl noch im Laufe dieser Woche wird die Staatsanwaltschaft einen Lokalaugenschein am Tatort durchführen. Denn offene Fragen gibt es noch einige. Wo standen die Beteiligten und in welche Richtung bewegten sie sich? War der Schuss, der die Glasfassade an der Front des Gebäudes in etwa zweieinhalb Metern Höhe durchschlug, ein Warnschuss? Hatten die Polizisten die Waffen schon gezogen gehabt, zum Beispiel.

Der 17-Jährige, dem bei dem Vorfall beide Oberschenkel durchschossen worden sind, sowie der 28-Jährige, beide in Untersuchungshaft, belasten sich unterdessen gegenseitig. Der Teenager, der aussagte, er habe vor der Polizei flüchten wollen, als die tödlichen Schüsse fielen, belastet den 28-Jährigen als Mittäter. Der wiederum behauptet, der Tote und der Verletzte hätten schon drei andere Einbrüche in Krems begangen.

Gesichert scheint für die Ermittler, dass der Einbruch in zwei Etappen erfolgt ist. Zunächst sei überprüft worden, ob Alarm ausgelöst wird, dann sei man etwas später zurückgekommen und eingestiegen. (APA, moe, DER STANDARD Printausgabe, 10.8.2009)

 

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    Es wird noch dauern, bis geklärt ist, warum ein 14-Jähriger, der am Donnerstag beerdigt wird, in der Nacht auf Mittwoch in einem Kremser Supermarkt von der Polizei erschossen worden ist.

  • FS Misik: Nachts im Merkur. Warum man niederösterreichischen Polizisten nicht im Dunkeln begegnen möchte.

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