Der Notausgang für die Notenbanken

9. August 2009, 18:37
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Exit-Strategien für Rettungspakete werden erarbeitet - Inflationsrisiken "übertrieben"

Wien - Wenn die Feuerwehrleute in ein brennendes Haus hineinlaufen, sollten sie immer wissen, wie sie aus dem Inferno wieder herauskommen können. Auf den Finanzmärkten waren es die Zentralbanken, die weltweit abertausende Milliarden Euro in die Geldmärkte gepumpt und "giftige" Wertpapiere in ihre Bilanzen genommen haben. Damit hat etwa die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) ihre eigene Bilanz auf das 2,5-fache auf knapp 2450 Milliarden Dollar (1914 Mrd. Euro) aufgebläht, die Europäische Zentralbank (EZB) auf das 1,5-fache auf 2000 Mrd. Euro.

Die Bilanzen von Notenbanken sind wichtig für die Finanzwirtschaft, weil die Geschäftsbanken dieses "Grundgeld" vervielfältigen können, circa um den Faktor zehn. Sie borgen sich Geld bei der Notenbank und können darum mehr Kredit vergeben. Da die Krise das Vertrauen im Finanzsystem erschüttert hat, haben die Banken das Geld gehortet - und sind damit wieder bei der Zentralbank angelegt.

Geldschleusen offen

Die Notenbanken sind daher eingesprungen, haben die Geldschleusen geöffnet und damit das Grundgeld massiv erhöht. Zudem haben sie auch ihr wichtigstes Instrument, den Leitzinssatz, auf enorm niedrige Niveaus gesenkt. Nachdem das Feuer im Haus jetzt also gelöscht ist, müssten die Notenbanken das Wasser irgendwie wieder absaugen, damit nicht noch mehr Schäden entstehen.

Die zentrale Frage lautet daher, wie sich die Notenbanken aus vielen Kreditmärkten zurückziehen können.

Auf das Timing kommt es an

Eine Befürchtung ist, dass die Inflation wegen der Geldschwemme steigen könnte, wenn die Zentralbank nicht rechtzeitig das Geld abzieht, wenn die privaten Finanzinstitute wieder Kredite vergeben. Fed-Chef Ben Bernanke hat Ende Juli einige Instrumente seiner Exit-Strategie vorgestellt, um das zu verhindern. Doch er ließ durchklingen, das wichtigste sei das Timing: zu früh, und man würgt einen ersten Aufschwung ab, zu spät, und die Beschleunigung der Inflation droht. Insgesamt schätzte Bernanke aber die Gefahr von hohen Inflationsraten als "übertrieben" ein.

Tatsächlich ist es schwierig, alle Notenbanken über einen Kamm zu scheren. Manche Maßnahmen (niedrige Zinsen, Kauf von Staatsschulden) sind leicht umzukehren, weil es für die Instrumente einen liquiden Markt gibt. Andere Maßnahmen, die in der Krise generell unter dem Titel "außergewöhnlich" firmiert haben, sind schwierig abzuwickeln, ohne die Märkte massiv zu belasten. Konkret geht es um jene Programme der Notenbanken, in denen sie direkt kurzfristige Unternehmensschulden gekauft oder die Preise für faule Hypothekenkredite gestützt haben. Die EZB könnte dabei bessere Karten haben, hat sie doch in der Krise weniger aggressiv agiert. (sulu, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.8.2009)

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