Wetten, dass Pferde­verstand nicht genügt?

9. August 2009, 17:59
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Adi Übleis zieht die Notbremse und streicht Renntage in Baden. Etliche Trainer und Besitzer sind nicht einverstanden

Baden/Wien - Vor elf Monaten war Adi Übleis, viele Jahre das Aushängeschild des Trabersports in Österreich und seit dem Frühjahr 2008 Präsident des Badener Trabrennvereins, noch recht optimistisch: "Wir sind auf dem richtigen Weg. Es ist nicht nur so, dass wieder mehr Leute auf die Rennbahn kommen, sondern es wird auch wieder mehr gewettet."

Also beschloss man, die traditionelle Sommersaison in Baden heuer von 14 auf 20 Renntage aufzustocken, wo noch dazu der frühere Rivale Racino im Juli und August pausiert. Mittlerweile hat sich der Optimismus verflüchtigt. Grund: Die Wettumsätze, aus denen der Sport zum Großteil finanziert werden muss, brachen drastisch ein. Gegenüber dem Vorjahr wurden in Baden pro Rennen um zehn Prozent weniger gewettet. Die Ursachen sind vielfältig: Harte Konkurrenz auf dem Glücksspielsektor, durch andere Sportwetten und durch Internetwetten auf attraktive ausländische Rennen. Sinkende Wettumsätze ziehen niedrigere Rennpreise nach sich.

Leistungsstarke Traber starten daher um höhere Rennpreise in Italien oder Skandinavien, Pferde aus Tirol und Salzburg gehen kostengünstiger in Bayern an den Start. Viele Besitzer haben ihre Pferdezahl reduziert oder überhaupt "das Halfter aufgehängt". Der Rennpferdebestand ist in den letzten Jahren stetig gesunken, die Zahl der Traberfohlen hat sich innerhalb von 15 Jahren fast halbiert. Weniger Pferde bedeuten schwächer besetzte Rennen und geringere Attraktivität für die Wetter. Denn mehr als die Hälfte des Wetteinsatzes kommt aus Kombinations-Wetten. Gibt es weniger zu kombinieren, reduziert sich der Einsatz. Noch dazu führte heuer die Pferde-Grippe zum Ausfall eines Renntages. Finanziell als Schuss ins eigene Bein erwies sich die Mindest-Toto-Quote von 11:10 bei der Platzwette, die an einem einzigen Renntag den Verein geschätzte 13.000 Euro vom Wett-Ertrag kostete. Sie ist mittlerweile auf 10:10 reduziert.

Jetzt zieht Adi Übleis eine Not-Bremse. Vier geplante Donnerstag-Renntage wurden gestrichen. So erhofft man sich eine stärkere Besetzung der verbleibenden Rennen und bessere Umsätze. Besitzer und Trainer sind aber keineswegs einverstanden damit. Sie stellen nun in Eigeninitiative einen Renntag (21. August) in der Wiener Krieau auf die Beine.

In Baden dürfte die Sache nicht ausgestanden sein. Es müssen wohl auch die übrigen Kosten und Spesen genauer unter die Lupe genommen werden. Aber wie bei vielen Vereinen, die von Hobby-Funktionären geführt werden, fehlt offenbar der Controller, der zeigt, wie und wo vernünftig gespart und wo investiert werden muss. In Krisenzeiten eine besonders wichtige Funktion. Es genügt nicht, nur von Pferden etwas zu verstehen. (Nikolaus Dolenz, DER STANDARD Printausgabe 10.08.2009)

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