Lazio Rom, Schwanensee, Jackie Chan

9. August 2009, 17:36
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Wie Peking den Jahrestag der Olympia-Eröffnung beging und um die Nachnutzung der Sportstätten ringt

Worin die Feierlichkeiten zum Jahrestag der Olympia-Eröffnung in Peking gipfelten? Die Feierlichkeiten zum Jahrestag der Olympia-Eröffnung in Peking gipfelten in einem 2:1 des italienischen Cupsiegers Lazio Rom gegen den italienischen Meister Inter Mailand. Das Vogelnest-Stadion war mit 65.000 Zusehern gut gefüllt, sie sahen Lazio-Goals von Matuzalem (63.) und Rocchi (66.), das 1:2 des neuen Inter-Stürmers Samuel Eto'o (78.) kam zu spät.

Nicht anlässlich des italienischen Supercups, sehr wohl aber des Jahrestags wegen wird in Peking über die Nachnutzung der Olympia-Stätten diskutiert. Das Bocog-Hochhaus am vierten Ring, in dem 2008 das Pekinger Organisationskomitee untergebracht war, stand nach den Spielen nicht lange leer. Im März zog ein neuer Kommandostab ein, mit den gleichen Absichten wie die olympischen Planer, Chinas Größe zu feiern und dem Land zu weltweitem Ansehen zu verhelfen.

Wie Pekings Liaowang (Outlook Weekly) enthüllte, ist das Bocog-Haus nun Schaltstelle für die Vorbereitungen der 60-Jahr-Feiern zur Gründung der Volksrepublik, die Peking am 1. Oktober mit Massenveranstaltungen und Militärparade feiern lässt. Starregisseur Zhang Zimou, der die spektakuläre Eröffnungsgala für die Spiele am 8. August inszenierte, richtet auch das Feuerwerk über dem Tiananmen-Platz zum 1. Oktober aus.

Etliche andere olympische Gebäude haben größere Probleme. Wie der Standard bereits berichtete, träumten fast alle Betreiber der 31 für fast 1,5 Mrd. Euro Kosten neu gebauten oder renovierten Stadien und Sportarenen vergangenen August noch von lukrativen Fitnesszentren, Wellnessbädern, Einkaufs-, Geschäftsetagen und Büroprojekten, die aus den Arenen entstehen sollten.

Knapp ein Jahr später geht es Peking nicht anders als allen Olympiastädten. Man sitzt auf einer Herde "weißer Elefanten" . Viele der Stadien sind so überflüssig wie die seit Olympia auf inflationäre 200 Vier- und Fünfsternehotels angewachsene Zahl an Nobelherbergen, die zu kaum 40 Prozent ausgelastet sind.

Nicht nur Baumeister Größenwahn ist schuld. Viele schöne Pläne zerschlug auch die Wirtschaftskrise, die US-Investoren aus- und Touristen fernbleiben ließ. Zwei olympische Bauwerke stellen aber die Ausnahme der Regel dar: Das "Vogelnest" und die daneben liegende Schwimmarena, der "Wasserwürfel" , wurden neue Wahrzeichen der Stadt. Der laufende Betrieb wird über die Eintrittsgelder finanziert. Die Schwimmhalle bietet auch Badespaß für jedermann. Zweieinhalb Stunden Schwimmen, das nur im Aufwärmbecken erlaubt ist, verlangen aber neben 50 Yuan Eintritt, einem Gesundheitstest (20 Yuan) und dem Kauf einer Badekappe (34 Yuan) vom Touristen auch eine passable Kondition. Nur wer ohne Pause vier Bahnen (200 Meter) durchschwimmen kann, darf weiterplantschen. Viele, die schlappmachen, werden von strengen Bademeistern herausgepfiffen.

Im Schwimmwürfel wird zudem seit Juni bis zumindest Oktober fast jeden Abend "Schwanensee" als Wasserballett mit russischen Tänzern aufgeführt. Das Vogelnest konnte dagegen bisher nur mit Übergangslösungen wie Konzerten mit Plácido Domingo oder dem Schauspieler und Sänger Jackie Chan aufwarten. (Johnny Erling aus Peking, DER STANDARD, Montag, 10. August 2009)

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    Das Vogelnest und der Wasserwürfel wurden zu Wahrzeichen Pekings. Ersteres zog zum Olympia-Jahrestag nicht nur italienische Kicker an, sondern auch 33.996 Tai-Chi-Anhänger, die einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde erreichten. Letzterer strahlt vor allem nächtens einiges aus.

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