Haider sollte fortan über Kärnten kreisen

9. August 2009, 17:38
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Eine Gedenkstätte mit Devotionalien hat Jörg Haider nicht verdient

Das hat Jörg Haider nicht verdient. Eine Gedenkstätte mit Devotionalien wie Turnschuhen und Bungee-Jumping-Seilen in einem alten Wehrmachtsbunker. Was ist den BZÖ-Granden da nur eingefallen?

Eine derart banale Lokation, wo der O-Ton des zu Kriegsende dort verschanzten Gauleiters Friedrich Rainer nur eine Mini-Wirkung hatte im Vergleich zur "ordentlichen Beschäftigungspolitik" des Landeshauptmanns Jörg Haider im Klagenfurter Landtagssaal.

Nichts einzuwenden, würde man - was heutzutage technisch möglich ist - des Verunglückten Asche in einen Diamanten verwandeln und fortan im Bunker funkeln lassen. Eine Mineralie statt vieler, das hätte einen tieferen Sinn. Als Gral des rechten Populismus. Die Überhöhung der Banalität.

Verbieten sollte man jedoch die am Wochenende in London bekannt gewordene Absicht des britischen Komikers Cohen, neue "Brüno" -Nummern als Bunker-Attraktion anzubieten - angeblich im Advent und "Brüno" als lebendige Kerze mit Musik von Elton John. Hier hat die Kärntner Moral über das Geld gestellt zu werden.

Schlüssiger als alles andere wäre freilich Haiders Aufstieg in den Kärntner Himmel. Zwei Stunden, rund um "High Noon" könnte täglich ein Hubschrauber über Klagenfurt kreisen und Mei liabste Weis abstrahlen. Passt mir auf mei Kärnten auf hätte eine Untermalung, und das Land gewänne einen Volksgott, wie ihn niemand noch hatte.

Zu teuer, würden selbst Anhänger des toten Jörgi leise und hinter vorgehaltener Hand sagen. Doch im grenzbewussten Kärnten würde die Spendenfreudigkeit alle Grenzen sprengen. Dazu kämen sicherlich großzügige Spritlieferungen von Muammar Gaddafi und seinen Söhnen, von belgischen und deutschen Verehrern.

Der Hubschrauber könnte natürlich auch anderswo gastieren. Seine Flexibilität wäre seine Stärke. Beispielsweise hätte er vergangenen Donnerstag, als die Premiere des von Johann Kresnik inszenierten Jura-Soyfer-Stücks "Auf uns kommt es an" stattfand, über Bleiburg kreisen können. Passt mir auf mei Kärnten auf.

Jeweils am Todestag Jörg Haiders sollte das Unfallwrack mit Seilen an den He- likopter montiert werden, um die Kärntner Bevölkerung daran zu erinnern, dass das tragische Ende des Landesvaters Resultat einer Verschwörung gewesen sein muss. Denn selbst die Ermordung von John. F. Kennedy wurde niemals aufgeklärt.

Stationieren sollten man den mit den Kärntner Heimatfarben gestrichenen Hubschrauber nicht auf dem Flughafen Annabichl, sondern im Bärental. Auch hier geht es um die geschichtliche Symbolik. Abflug und Heimkehr. Fort, wieder da. Weg und schon wieder zurück.

Schließlich sollte die Landesregierung einen Forschungsauftrag an heimattreue Wissenschafter vergeben, um die gesammelten Werke Jörg Haiders möglichst rasch kommentiert und mit Fußnoten versehen herausgeben zu können.

Eine Volksausgabe für den Schulunterricht wäre die logische Konsequenz dieses Unternehmens. Ein Liederbuch ebenso. Denn wenn auch nur ein Kärntner mit sich zusammensteht, ist er bereits ein Chor. Ein vielstimmiger Jörg. (Gerfried Sperl, DER STANDARD-Printausgabe, 10. August 2009)

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