Sauerland-Gruppe plante Anschlag auf Flughafen

11. August 2009, 18:00
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FDP und SPD kritisieren andauernde Terrorwarnungen: "Öffentliches Geschwafel"

Düsseldorf/Berlin - Die in Deutschland vor Gericht stehende islamistische Sauerland-Gruppe wollte mit einer Autobombe am Flughafen von Düsseldorf oder Dortmund Terror verbreiten. Ziel sei es dabei aber nicht gewesen, Menschen zu töten, sondern den Flugverkehr lahmzulegen, sagte der mutmaßliche Terrorist Adem Yilmaz am Dienstag dem Düsseldorfer Oberlandesgericht. Als zweiter der vier Angeklagten legte der 30-Jährige ein umfassendes Geständnis ab. Unterdessen kam Kritik an wiederholten Terrorwarnungen aus den Reihen der Union auf.

Am Flughafen sei deswegen eine vergleichsweise kleine Explosion geplant gewesen, sagte Yilmaz. "Unschuldige sollten nicht zu Schaden kommen. Es hätten sogar Muslime getroffen werden können. Das wollten wir nicht." Die Vorwürfe gegen ihn stimmten in fast allen Punkten, hieß es in einem verlesenen Protokoll. Bereits seit Oktober 2003 sei er fest entschossen gewesen, sich am Jhihad zu beteiligen, so Yilmaz.

Die deutsche Staatsanwaltschaft wirft den vier Angeklagten in dem Prozess vor, mindestens drei verheerende Autobombenanschläge auf US-Bürger und amerikanische Einrichtungen in Deutschland geplant zu haben. Der ebenfalls geständige Anführer der Sauerland-Gruppe, Fritz Gelowicz, bekräftigte, gemeinsam mit Yilmaz die treibende Kraft der Anschlagsvorbereitungen in Deutschland gewesen zu sein. Die beiden anderen Mitangeklagten, Daniel Schneider und Atilla Selek, hätten eine untergeordnete Rolle gespielt.

Keine Reue

Gelowicz präsentierte sich am Dienstag als tief religiös und zeigte keine Reue. "Ich war und bin überzeugt von meiner Religion", sagte der 29- Jährige. Der 11. September 2001 habe ihn dazu gebracht, sich stärker mit dem Islam zu befassen. Die damaligen Flugzeug-Anschläge in den USA habe er zunächst abgelehnt, später aber befürwortet. Wie er derzeit zu ihnen stehe, wollte er dem Gericht nicht sagen.

Der FDP-Innenpolitker Max Stadler kritisierte unterdessen die wiederholten Terrorwarnungen von Unions-Innenministern. Er könne diese Form der Informationspolitik "nicht nachvollziehen", sagte der Innenexperte der "Berliner Zeitung" vom Dienstag. Zu warnen und gleichzeitig hinzuzufügen, dass es keine konkreten Hinweise gibt, führe nur dazu, dass die Bevölkerung Terrorwarnungen nicht mehr ernst nehme und ein "Gewöhnungseffekt eintritt". Der SPD-Innenpolitiker Sebastian Edathy sagte dem SWR, weniger "öffentliches Geschwafel" wäre manchmal hilfreich. Er warne davor, im Bundestagswahlkampf das Thema Terrorismusgefahr zu instrumentalisieren.

Die Kritik zielt zum Beispiel auf den niedersächsischen Innenminister Uwe Schünemann (CDU). "Die jüngsten Drohvideos zeigen, dass Deutschland eigentlich das Anschlagsland Nummer 1 im Moment ist", sagte er am Montag im Inforadio. (APA/dpa/AP)

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