Nach Anschlägen

Polizei fahndet mit Hochdruck nach Tätern

10. August 2009, 16:15

Polizeikreise: Vierte Explosion dürfte doch von ETA ausgelöst worden sein - Keine Verletzten bei Anschlagserie

Palma de Mallorca - Nach den Bombenanschlägen der baskischen Separatistenorganisation ETA auf der spanischen Ferieninsel Mallorca vom Sonntag fahndet die Polizei mit Hochdruck nach den Tätern. Die Ermittler prüften dabei besonders, ob sich die mutmaßlichen Täter noch auf der Insel aufhielten. "Wir müssen mit beiden Hypothesen arbeiten: Dass sie noch hier sind oder dass sie die Insel bereits verlassen haben", sagte Ramón Socías vom Innenministerium dem Radiosender Cadena Ser.

Zunächst soll herausgefunden werden, ob die Bomben einen Zeitzünder hatten. Dies könne einen Hinweis darauf geben, ob die Terroristen noch auf der Insel seien, sagte Socias. Außerdem war am Montag Vormittag auch die Rede von einer vierten Bombe gewesen.

ETA zündete in Palma anscheinend vier Bomben

Wie am Montag aus Polizeikreisen verlautete, deutete alles darauf hin, dass eine Explosion in einem Lokal im Zentrum der Inselhauptstadt Palma ebenfalls von der ETA ausgelöst worden war. Die Detonation war zunächst als eine Gasexplosion und ein Unglücksfall eingestuft worden.

Die Explosion in der Gaststätte hatte sich eine halbe Stunde nach einer telefonischen Warnung der ETA ereignet. Die Terroristen hatten in mehreren konfusen und schwer verständlichen Anrufen vor mehreren Sprengsätzen gewarnt. Später detonierten noch drei weitere Bomben. Menschen wurden bei der Anschlagsserie nicht verletzt.

Der Anschlag auf die Gaststätte deutet darauf hin, dass die Terroristen die Bomben schon vor mehreren Tagen deponiert und mit Zeitzündern zur Explosion gebracht hatten. Das betroffene Lokal war nämlich seit Freitag geschlossen gewesen.

Frau unter den Bombenlegern

Die ETA hatte am Sonntag in Palma drei Sprengsätze gezündet und damit Angst und Schrecken in der Inselhauptstadt verbreitet. Die drei Bomben hatten nur eine geringe Sprengkraft und richteten kaum nennenswerte Schäden an. Menschen wurden nicht verletzt. Zwei Bomben explodierten in Restaurants im Strandviertel Portixol, eine dritte in einem Einkaufszentrum in der Innenstadt von Palma. Alle drei Sprengsätze waren in Damen-Toiletten deponiert. Dies deutete nach Ansicht der Ermittler darauf hin, dass wenigstens einer der Bombenleger eine Frau war.

Unklar war auch, ob es sich bei den Bombenlegern um dieselben Terroristen handelte, die am 30. Juli im mallorquinischen Badeort Palmanova zwei Polizisten ermordet hatten. Der Generaldirektor der spanischen Polizei und der paramilitärischen Guardia Civil (Zivilgarde), Francisco Javier Velázquez, erörterte auf einem "Gipfeltreffen" mit den Chefs der verschiedenen Polizei-Einheiten das weitere Vorgehen. Die Sicherheitskräfte verschärften die Kontrollen auf Mallorca, die nach dem Mordattentat auf die Polizisten eingerichtet worden waren. Alle ankommenden und abreisenden Besucher werden nach Angaben des Präfekten Socías identifiziert.

Überraschung und Ratlosigkeit

Die Anschlagsserie löst in der politischen Führung Spaniens eine gewisse Überraschung und Ratlosigkeit aus. Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero, der auf der Kanaren-Insel Lanzarote Urlaub macht, hüllte sich zunächst in Schweigen. König Juan Carlos, der seine Ferien auf Mallorca verbringt, erklärte nach Angaben des Königshauses: "Dieser Bande von Mördern und Verbrechern wird es nicht gelingen, das demokratische Leben in Spanien oder die Normalität auf der Insel zu beeinträchtigen."

Der Regierungschef der Balearen, Francesc Antich, rief Einheimische und Urlauber dazu auf, die Ruhe zu bewahren. "Wir werden nicht zulassen, dass die Terroristen unser Leben verändern", sagte er. Der Regierungschef kam mit dem spanischen Staatssekretär für Tourismus, Joan Mesquida, zusammen, um die Auswirkungen der Anschläge auf die Reisebranche zu erörtern.

Warnungen

Die ETA hatte in mehreren Anrufen vor den Bomben gewarnt. Nach Angaben der Behörden kamen die telefonischen Warnungen aus Frankreich. Sie seien jedoch so wirr gewesen, dass die betroffenen Lokale nicht in jedem Fall rechtzeitig geräumt werden konnten, hieß es.

Die Bombenanschläge der ETA auf Mallorca werden nach Ansicht der spanischen Regierung für die Reisebranche nur geringfügige Folgen haben. "Die Auswirkungen werden sehr begrenzt sein", meinte Tourismusstaatssekretär Mesquida am Montag in Palma de Mallorca. "Seit 30 Jahren versucht die ETA, dem Tourismus in Spanien Schaden zuzufügen. Aber die Reisebranche hat ständig zugelegt."

Die österreichischen Reiseveranstalter melden unterdessen kein Ansteigen der Stornierungen von Mallorca-Reisen. Anrufe von Kunden am Montag hätten sich auf "eventuell zu erwartende Flugverspätungen bezogen", jedoch nicht auf geplante Absagen, teilte TUI-Konzernsprecher Josef Peterleithner in einer Aussendung mit. Auch Birgit Reitbauer vom Österreichischen Verkehrsbüro bestätigte in einem Gespräch mit der APA am Montag, dass es bis dato unter den 200 Kunden des Verkehrsbüros in Mallorca keine Stornierungen oder Umbuchungen gab.

Steinmeier: Keine dringende Reisewarnung für Mallorca

Der deutsche Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier sieht trotz der Anschläge keinen Anlass, eine Reisewarnung für die spanische Ferieninsel auszusprechen. "Es ist noch nicht die Situation, dass wir von Reisen nach Mallorca dringend abraten", sagte der SPD-Politiker am Montag dem Sender N24. Zugleich zeigte er sich erleichtert, dass bei den drei Explosionen am Sonntag niemand verletzt wurde. "Ich hoffe, dass die Sicherheitsbehörden in Spanien Mittel und Möglichkeiten finden, diese Anschlagsserie zu beenden", erklärte er.

Mallorca ist mit seinen Nachbarinseln eines der beliebtesten Reiseziele in Europa. Allein aus Deutschland befinden sich derzeit schätzungsweise mehr als 100.000 Urlauber auf den Balearen - sie stellen normalerweise gemeinsam mit den Briten die größte Urlaubergruppe. Am Sonntag waren von den meisten deutschen Reise- und Flugveranstaltern nach den erneuten Anschlag zunächst keine Stellungnahmen zu erhalten. Eine Sprecherin von Air Berlin sagte am Nachmittag, der Flughafen in Palma sei offen, der Flugbetrieb verlaufe normal. Palma ist ein wichtiges Drehkreuz für Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft. Eine Lufthansa-Sprecherin sagte, Flüge des Unternehmens von und nach Mallorca seien nicht betroffen. TUI kündigte eine Erklärung für Montag an. (red/APA/AP/Reuters)


Nachlese
derStandard.at-Interview: "Die Taktik der ETA ist ein kolossaler Fehler"
Der geläuterte ETA-Mitgründer Julen Madariaga erklärt, warum der bewaffnete Kampf im Baskenland keine Zukunft hat

Link
El País: ETA busca el caos con una cadena de pequeñas explosiones en Mallorca

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 64
1 2
_kalisto_
30
11.8.2009, 07:53
'...Wir werden nicht zulassen, dass die Terroristen unser Leben verändern...'

muahaha! ...die derzeitige regierung hält mehr eta-angehörige bzw. eher verdächtige/sympathisanten hinter schloß und riegel als jede davor!

wenn wundert es noch das es dann wieder knallt! bewusst provozierte politik der spannung!

Bibabutzemann
00
16.8.2009, 11:37

Wenn ein demokratischer Rechtsstaat wie Spanien Verbrecher einsperrt, ist das keine Provokation, die Bombenanschläge rechtfertigt.

tec nine
12
10.8.2009, 20:25
komplett sinnfrei -

- ausser der eta selbst intressiert sich nur noch ein kleiner rest-haufen von national-idioten für ein unabhängiges baskenland...

Das Kapital ist die wahre Macht
00
10.8.2009, 19:34
Ist am Ende eh nur ein gute Werbung für die Insel.

Am Ende kommen noch mehr Touristen dorthin weil sie immer wieder Mallorca Mallorca Mallorca hören. Oder einfach Malle wie die Deutschen gerne sagen.

michih144
00
11.8.2009, 08:26

mit sicherheit schlechte werbung, aber der grundtenor der touristen scheint eher zu sein: wohin kann reisen ohne terrorgefahr? - es gibt kein restlos sicheres land, auch bsp. in wien könnte es jederzeit krachen

tec nine
00
10.8.2009, 22:42
@Kapital ...

nein - das ist SICHER KEINE GUTE WERBUNG für die Insel - ganz im Gegenteil !

neueboeing797
40
10.8.2009, 19:25
Is ja nix passiert..., was solls ????

warum möchte man das eigentlich weltweit sooooo publizieren ??

Da explodieren ein paar Schweizer Kracher in Mallorca und die halbe Welt ist in Aufruhr !!!

Keine Verletzten, geringer Schaden Die ETA will doch offensichtlich keine Opfer. Die wollen Spanien wirtschaftlich schaden, das haben die erreicht.

Der Medien Hype erinnert an der berühmten Reissack in China.

Tethys
00
11.8.2009, 09:39

Am 30. Juli gab es 2 Tote.
Was meinen Sie mit "keine Verletzten, geringer Schaden"???

sabber
23
10.8.2009, 15:46
Womit

sich das Baskenland als Urlaubsziel weiterhin disqualifiziert.

trifasciata
00
10.8.2009, 20:04
Warum?

Glauben Sie allen Ernstes die ETA wäre für die Basken repräsentativ?

Eraser1
 
00
10.8.2009, 19:04
was sehr schwer fällt...

selten ein so Atem beraubend schönes Fleckchen Erde gesehen.


lg

Elef
30
10.8.2009, 15:37
Wow, die wissen jetzt schon...

dass es 4 Bomben gibt, obwohl erst 3 explodiert sind...

Unsere Polizisten brauchen 3 Tage um rauszufinden, dass es 3 Schüsse waren, nachdem diese abgefeuert wurden...

Austro-Spanier0
21
10.8.2009, 15:50
Falsch, es sind bereits 4 explodiert.

Sie sollten sich vielleicht in spanischen Medien vergewissern, bevor sie posten.

Zaubersalz
20
10.8.2009, 13:43
Nur gut...

...daß die EU die Balkan-Länder nicht alle gleich behandelt (Visumpflicht, EU-Betritt) mit dem Argument, es mit unzähligen (Islam)Extremisten zu tun zu haben... Minderheitenprobleme, igittigitt... Aber alles kein Problem, wenn man Minderheitenprobleme wie in Spanien, Belgien, Zypern schon in der EU hat.... inklusive Bomben, die am Balkan schon lange nimmer explodieren!

Yossarian
10
10.8.2009, 16:34

Am Balkan hat dafür die EU bzw. wichtige westliche Staaten die Separatisten unterstützt (zumindest immer dann wenn es keine serbischen Separatisten waren).

kingkade21
29
10.8.2009, 11:44
Motiv?

Es kann doch nicht sein, dass die ETA wirklich glaubt, dass sie mit solchen Aktionen tatsächlich ihr Ziel erreicht. Zumal die Bevölkerung im Baskenland mehrheitlich gegen die ETA ist.

Also was ist das Motiv hinter diesen Anschlägen?

Ich glaube, es ist schlicht und einfach die Angst einiger Übriggebliebener, dass sie komplett in der Versenkung verschwinden und ihr Leben nun keinen Sinn mehr hat. Wobei das ursprüngliche Ziel eigentlich nebensächlich geworden ist. Habe leider den Eindruck, dass dieses Phänomen viele "Langzeit-Terroristen" betrifft.

salsera10
00
11.8.2009, 16:08

Danke.
Auf den Punkt gebracht.
Stimme dir absolut zu.

We all went down to new orleans For Bales, For...
12
10.8.2009, 19:28

Ob die ETA im Baskenland keine Mehrheit mehr hat, wird man erst dann wissen, wenn wieder alle Parteien im Baskenland zugelassen sind. Vorher ist alles andere (sowohl PRO als CONTRA-ETA) eine unbewiesene Behauptung, mehr nicht!

Dass die ETA Zapatero und Co am falschen Fuß erwischt hat kann man ja an deren Reaktionen (Ratlosigkeit und Gesprächsverweigerung) locker erkennen. Das kommt davon wenn man seine eigenen Siegesparolen für die Realität hält, ähnlich wie die österr. Nationalmannschaft bei der EURO 08. Da haben auch alle geglaubt, dass man MINDESTENS ins Viertelfinale kommt. Nur hatte dieser Wahn wenig mit Realität gemein.

byron sully
11
10.8.2009, 19:24
die ETA

hat nicht begriffen, daß mittlerweile franco tot und spanien eine demokratie ist. die vernünftigen eta-leute sind in den 80er jahren in richtung euskadiko ezkerra u.ä. gegangen. spätestens seit 1979 (autonomie) gibt es keinen vernünftigen grund für nichtfriedliche mittel. im unterschied zur IRA hat die ETA die zeichen der zeit nicht erkannt. zapatero hat der ETA die hand ausgestreckt, sie hat sich leider geweigert, diese anzunehmen (und sich damit selber von möglichen verhandlungen ausgeschlossen).

ihrer analyse kann ich durchaus zustimmen. hier geht es nicht mehr um idealismus (wie vielleicht den ETA-leuten der 60er/70er jahre), sondern um gewohnheitskriminelle.

dennoch: hab zweifel, ob alle parteienverbote auch richtig/sinnvoll waren.

We all went down to new orleans For Bales, For...
10
11.8.2009, 17:54
Franco mag tot sein, aber sein Geist ist noch lebendig!

Die letzte Francostatue wurde erst im Dez. 08 in Spanien entfernt. In den Exklaven Mellila und Ceuta kann man diese pervertierten Denkmäler noch immer bewundern. Die Handlanger (Parteibonzen und Klerus) des Regimes laufen teilweise noch immer frei herum und nicht umsonst ist Spanien ein beliebter Ort für Altnazis, für die ja Franco immer viel übrig hatte.

Den Konflikt mit der ETA gewaltfrei zu lösen wäre denkbar einfach, nämlich per Volksabstimmung. In Kanada hat dies wunderbar funktioniert, so konnte man den Nationalisten in Quebec 2x (1980 und 1995) das Wasser erfolgreich abgraben, da sich die Frankokanadier 2x für Kanada entschieden haben. Seitdem ist dieses Thema weitgehend beendet.

Federico Garcia Lorca
010
10.8.2009, 15:12

Das, und eine verschwommene Idee von Antifaschismus aus vergangenen Zeiten; eine Ablehnung gegen jede Form von Demokratie und Recht und ein schliesslich verbohrter Nationalismus, der die fehlende Bildung ersetzt.

_kalisto_
21
10.8.2009, 15:05
...Angst einiger Übriggebliebener...

....ähh, reden sie von der konservativen ex-regierungspartei?

Austro-Spanier0
35
10.8.2009, 14:25
Gut analysiert, gratuliere.

Sie gehören zu den Forumsteilnehmern, die das Problem verstehen und nicht irgendeinen Mist posten.

Federico Garcia Lorca
00
10.8.2009, 15:12

Richtig !

Hubert Ma.
 
201
10.8.2009, 10:38
traurig

aber wahr @GnothiSeauton.
Bin froh, dass ich in der Zeit nicht gerade in Spanien wahr, sondern mich dieses Jahr für einen Urlaub in Österreich - http://www.hinteregger-hotels.com - entschieden habe.

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