Fatah-Parteitag geht erneut in die Verlängerung

10. August 2009, 14:12

Neues Fatah-Programm: Widerstand mit allen Mitteln - Israel kritisiert fehlenden Gewaltverzicht scharf

Bethlehem - Der Parteitag der Fatah-Organisation von Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas geht erneut in die Verlängerung. Wegen der Probleme von Fatah-Mitgliedern bei der Stimmabgabe im Gazastreifen soll die Auszählung der Stimmen für die beiden höchsten Parteigremien, das Zentralkomitee und den Revolutionsrat, frühestens am Montagnachmittag beginnen. Das teilte die Konferenzleitung in Bethlehem mit. Damit steht wahrscheinlich nicht vor Dienstag fest, ob der erste Fatah-Parteitag seit 20 Jahren eine Verjüngung in dem 21 Mitglieder umfassenden Zentralkomitee und dem 120 Mitglieder starken Revolutionsrat eingeleitet hat.

Die Fatah hatte sich für Widerstand mit allen Mitteln gegen die israelische Besatzung ausgesprochen. Bei dem ersten Parteitag seit 20 Jahren billigten die Delegierten am Sonntag in Bethlehem ein entsprechendes neues Programm. Abbas wurde bereits am Samstag als Fatah-Chef bestätigt.

"Obwohl wir weiter nach einem gerechten Frieden streben, werden wir keine unserer Möglichkeiten aufgeben", lautete einer der gebilligten Punkte in dem Dokument. "Wir glauben, dass Widerstand mit allen verfügbaren Mitteln das Recht besetzter Nationen ist, um ihre Besatzer zu konfrontieren." Die größte politische Bewegung der Palästinenser bekräftigte zudem die Forderung nach einem unabhängigen Palästinenserstaat in den Grenzen von 1967 mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt sowie nach einem Recht der palästinensischen Flüchtlinge auf Rückkehr und der Räumung aller israelischen Siedlungen.

Wiederwahl

Am Samstag hatten die Delegierten Abbas als Vorsitzenden der Fatah wiedergewählt. Eine überwältigende Mehrheit der über 2.000 Delegierten bestätigte den 74-Jährigen per Handzeichen im Amt, das er nach dem Tod von Yasser Arafat 2004 übernommen hatte. Abbas betonte, es könne keine endgültige Friedensvereinbarung mit Israel geben, bevor die etwa 11.000 palästinensischen Häftlinge in israelischen Gefängnissen freigelassen würden. Er versprach die Fortsetzung des Kampfes gegen die Besatzung. "Wir haben den Kampf begonnen und wir werden ihn mit der Gründung eines unabhängigen Staates beenden."

Am Sonntagnachmittag begannen die etwa 2.500 Delegierten nach drei Tagen Verzögerung mit der Wahl des Zentralkomitees und des Revolutionsrats. Mit den Ergebnissen wurde erst am Montag gerechnet. 96 Kandidaten bewarben sich nach Fatah-Angaben um 18 Posten im Zentralkomitee und 617 Kandidaten um 70 Sitze im Revolutionsrat. Weitere Posten in den beiden Gremien sollten später durch Ernennung besetzt werden. Wegen andauernder Streitigkeiten sollte der Parteitag bis Dienstag dauern.

Kritik aus Israel

Der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak sagte am Sonntag, die Rhetorik und die Positionen der Fatah-Delegierten sei "schlimm und für uns inakzeptabel". Für den Konflikt im Nahen Osten könne es keine Lösung, sondern nur eine Einigung geben, betonte Barak. Er rief Abbas zu "ernsthaften Verhandlungen" mit Israel auf. US-Präsident Barack Obama müsse eine umfassende Regelung in der Region in Gang bringen.

Ein Hamas-Sprecher kommentierte die Wiederwahl von Abbas mit den Worten, dies mache die Fatah nicht besser als zuvor. Die erneute Wahl von Abbas zum Vorsitzenden der Fatah-Bewegung sei Ausdruck des "politischen Zusammenbruchs und Verfalls", unter denen die Fatah schon seit Jahren leide, hieß es am Samstag in einer Presseerklärung von Hamas-Sprecher Sami Abu Suhri.

Die radikale Hamas hatte gut 300 Fatah-Delegierte an der Ausreise aus dem Gazastreifen gehindert, so dass diese bei dem Parteitag in Bethlehem nicht zugegen sein konnten. Fatah-Repräsentanten berichteten zudem von massiven Behinderungen der Hamas bei Versuchen, eine Wahl per Handy oder E-Mail zu ermöglichen. Die Hamas-Polizeimiliz habe Computer und Handys konfisziert, um eine Kommunikation zu unterbinden. Die Hamas hatte vor zwei Jahren gewaltsam die alleinige Kontrolle im Gazastreifen an sich gerissen und die Fatah-Führung vertrieben. (red/APA/Reuters)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 57
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Zahal1
00
11.8.2009, 16:38
Mal eine Frage

Frage an den Standard und auch in die Forenrunde, da verlangt Abbas Folgendes:

Die größte politische Bewegung der Palästinenser bekräftigte zudem die Forderung nach einem unabhängigen Palästinenserstaat in den Grenzen von 1967 mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt sowie nach einem Recht der palästinensischen Flüchtlinge auf Rückkehr und der Räumung aller israelischen Siedlungen.

Wann gab es denn einen unabhängigen Palästinenserstaat mit den Grenzen von 67 ? Und war Jerusalem VOR 67 nicht unter jordanischer Besatzung ? Räumung der Siedlungen (also judenfrei) und Rückkehr für über 5 Millionen PalAraber in Kernland Israels ? Ja dann Israel ja gleich Bankrott anmelden und/oder wieder nach Masala hochgehen oder ?

rae spiegel
 
34
10.8.2009, 13:36
einseitige diskussionen

vielleicht sollten sich alle politikerInnen im nahen osten mal zusammensetzen und gewaltverzicht erklären. auch israel. interessanterweise verlangt die viel zitierte weltöffentlichkeit keinen gewaltverzicht von israel. warum sollten die palästinenserorganisationen dann auf gewalt verzichten müssen?

Hadschi Schlehmil
 
45
10.8.2009, 15:36
ganz ihrer meinung:

wenn die israelis endlich auf gewalt verzichten würden, wäre alles in butter.
die fangen nämlich immer an!

beim abzug aus gaza heben sie es vorgemacht. die brave hamas hat sich zurückgehalten, jedoch diese juden schiesssen dauernd raketen rüber....

Zahal1
00
11.8.2009, 16:44
Wenn die Araber

die Waffen weglegen würden, hätten wir morgen Frieden, wenn Israel die Waffen weglegt, GIBT es Morgen kein Israel mehr, ist das so schwer zu verstehen ?

Wenige Tage, nachdem Israel aus dem Gaza abzog, hagelte es Kassams aus Gaza, die Gazaner zerstörten die zurückgelassene Infrastruktur, urinierten in Gewächshäuser und auf israelisches Spiezeug und zerstörten die Synagogen ohne Grund. Jeder vernünftig denkende Mensche hätte diese Dinge übernommen und davon profitiert, nicht so die Gazaner. Besser informieren sollten sich einige hier.

rae spiegel
 
02
10.8.2009, 19:47
vielleicht liest du mein posting nochmal.

die einseitige diskussion wird nicht weniger einseitig wenn du ironischerweise die andere seite ausblendest.

Flobi7
12
10.8.2009, 17:37
ganz ihrer meinung

also wenn man arafat jahre lang ignoriert bis zu seinem tod, die fatah bewegung (polizei) so stark schwächt, einen einseitigen abzug aus gaza vollzieht ohne einen verhandlungspartner (übergabe der staatsgewalt) auf der anderen seite dann darf man sich nicht wundern, dass so eine islamistische organisation wie die hamas überhand bekommt. die wie wir alle wissen von israel mitbegründet wurde um die fatah zu schwächen.die israelis werden sich noch arafat herbei wünschen, wenn die al quadia sich in den besetzten gebieten ausbreiten sollte. ich hoffe nicht für die palis. aber wenn man über 60 jahre besetzt und gedemütigt wird kommt man auch auf solch dumme ideen. täglich grüßt das murmeltier ;-)

Reddogg
 
00
11.8.2009, 07:00

Zu dem "Abzug" habe ich genug schon hier geschrieben:http://derstandard.at/?url=/pli... 8/13750591
2. die Hamas hat keine Überhand bekommen, sondern ist aufgrund der Fehler der Fatah erst an die Macht gekommen durch Wahlen und nach dem Fatah+USA+Israel den Putsch versuchte (1.5Jahre hat die Fatah die Kontrolle über die Sicherheitskräfte innegehalten ohne Regierungsrecht), diesen abgewendet.
3. Was hat die Al Qaida mit der Hamas zu tun?

NONE
00
10.8.2009, 14:36

Letzten Endes ist es egal was die Medien machen, der ganze Prozess hängt in Wirklichkeit nur von den USA ab.

rae spiegel
 
00
10.8.2009, 19:48
eigentlich nicht nur, alle beteiligten bestimmen den ausgang des prozesses.

giseun
20
10.8.2009, 14:34
Theorie des modernen Staates

Nun, dass Israel keinen Gewaltverzicht erklärt, liegt nicht nur an der Geschichte, sondern auch an der Theorie des modernen Staates. Ein Staat verfügt über ein Gewaltmonopol, über das er frei entscheiden kann (auch wenn internationale Verträge dies natürlich praktisch einschränken). Die 'besetzten' Gebiete, bilden jedoch keinen Staat, verfügen ergo also nicht über ein Gewaltmonopol. Ob sie dennoch das Recht auf Gewaltanwendung haben, darüber kann man sich streiten.
Ein Gewaltverzicht Israels würde die Souveränität beschneiden, Souveränität, über die die 'besetzten' Gebiete erst gar nicht verfügen.
Drum.

rae spiegel
 
00
10.8.2009, 20:12
die theorie des modernen staates und die modernste theorie des staates...

ich will nicht leugnen, dass der moderne staat in gewisser weise (d.i. aus bürgerlich-rechtlicher perspektive) ein gewaltmonopol darstellt, spätestens seit antonio gramsci wissen wir jedoch, dass selbst aus bürgerlich-rechtlicher perspektive eine gewaltanwendung, für die sicherung der macht, nicht immer sinnvoll ist.

manchmal ist es auch notwendig anstatt minoritäten im staat mit gewalt zu unterdrücken und auszugrenzen (hier im wahrsten sinne des wortes) sie einzubinden und sie teilhaben zu lassen, kurz eine hegemonielle führung zu übernehmen.

das ist jedoch nur möglich, wenn israel ein säkulärer staat wird und genau da liegt das problem, meiner meinung nach...

tenzing
01
10.8.2009, 11:05
"mit allen mitteln"

ob da auch handaufhalten dazu gehört?

Jambala Magdalena
00
10.8.2009, 10:15

Das Fatah-Programm (scheint mir nicht friedensichernd angelegt zu sein)und die Situation in Kolumbien/Venezuela und auch im Iran, es wird dann schon.

Simskoarl
 
01
10.8.2009, 13:12

Aus dem Kommentar soll mal wer schlau werden

Gilgamesh
33
10.8.2009, 09:47

Gibt Israel auch einen Gewaltverzicht ab???

Cello Swiss
54
10.8.2009, 08:22
Die Palaestinenser....

... lassen wahrlich keine Gelegenheit aus, sich vor der Weltgemeinschaft zu blamieren.

gideon
00
10.8.2009, 13:59
palästinensische Medien:

die ungeschminkte Wahrheit:
www.palestiniantelevision.com

Reddogg
 
00
11.8.2009, 07:03

Können Sie mal mit Ihren einseitigen, tendenziösen und z.T. Falschübersetzenden Links aufhören hausieren zu gehen.
Neutralität heißt auf jeden Fall was anderes...

FSK
03
10.8.2009, 12:45

Leider ein Irrtum, die Palästinenser können in Wirklichkeit nichts machen, das so schlimm ist, dass sie die Unterstützung verlieren.
Für erschreckend viele lässt sich alles rechtfertigen, solange es gegen Israel geht.

khaleb
30
Abstimmung per Handzeichen ist Steinzeit-Demokratie

Makronaut
00
10.8.2009, 12:28

wieso? ich halte nichts von geheimen wahlen im parlament - im gegenteil.

Com Pirx
32

Haben Sie schon mal nachgeschaut, wie sie im israelischen Parlament abstimmen?

khaleb
00
10.8.2009, 21:31
das ist so eine Sache

Abgeordnete, die in persönlicher Wahl gewählt wurden, wie z.B. in der Schweiz oder die Senatoren in den USA,
sollten namentlich abstimmen.
Abgeordete einer Liste hingegen sollten geheim abstimmen, damit sie nicht unter Druck gesetzt werden können.

Pefo
13
10.8.2009, 08:05

Ja, Com Pirx,

im israelischen Parlament gibt es offene und geheime Abstimmungen, jeweils gemäß der gültigen Grundgesetze.
Was wollten Sie also mit Ihrem Posting aussagen?

liberal joe
 
35
ich befürchte stark

die sind wieder dabei die gelegenheiten zu verpassen,
dümmer geht es nicht mehr

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