"Eine Qualifikation für jeden Spieler"

9. August 2009, 11:29
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Teamchef sieht im Interview das Testspiel gegen Kamerun als Chance für Junge und verhandelt derzeit nicht über eine Vertragsverlängerung

Wien - In seinem dritten Match auf der ÖFB-Trainerbank geht es für Teamchef Dietmar Constantini erstmals nicht um Punkte in der WM-Qualifikation, sondern "nur" um eine gelungene Generalprobe für die anstehenden Quali-Partien gegen die Färöer und Litauen. Dennoch ist das Match gegen Kamerun am Mittwoch in Klagenfurt für ihn alles andere als ein Freundschaftsspiel, wie er im Gespräch betonte.

Wie sehen die Erwartungen für das Spiel gegen Kamerun aus, wie ist der Gegner mit jenen in der WM-Qualifikation vergleichbar?

Constantini: "Ich bin der Meinung, dass man dazulernen kann, wenn man gegen Mannschaften aus anderen Kontinenten spielt. Kamerun ist unter den drei bis fünf besten Teams in Afrika. Eine sehr schnelle und bewegliche Mannschaft, das wird eine Herausforderung für uns. Wir werden schauen, dass wir uns in dieser Art und Weise präsentieren, wie wir es in Serbien gemacht haben."

Es stehen aber nur drei Tage zur Vorbereitung zur Verfügung.

Constantini: "Das ist ja lächerlich, zu wenig. Aber da kann ich nichts machen. Ich ärgere mich nicht, sondern werde einfach improvisieren. Es gibt schlimmere Sachen. Außerdem kann ich mich nicht beschweren. Bisher habe ich einmal zehn Tage gehabt, einmal fünf, sechs Tage."

Ist das Spiel ein netter Test?

Constantini: "Ein netter Test ist es nicht, es ist auch kein Freundschaftsspiel für mich. Es ist eine Qualifikation für jeden Spieler."

Haben Sie nach Christopher Trimmel und Christopher Drazan schon weitere junge Spieler im Blickfeld, die demnächst den Sprung ins Nationalteam schaffen könnten?

Constantini: "Die gibt es immer. Ich will jetzt nicht alle aufzählen, aber ein paar gibt es schon noch. Doch wir können nicht immer die Mannschaft wechseln, nur weil ein Junger dazukommt."

Gibt es diesen Stamm, wie man so schön sagt?

Constantini: Der verändert sich auch immer wieder durch Verletzungen. Jeder Trainer hat seine Philosophie und seinen Kopf, wie er seine Mannschaft zusammenstellt. Der Stamm wird sich nicht so viel verändern, es ist aber immer so beim Nationalteam, dass der eine oder andere wegbricht und andere dazukommen."

Wie beurteilen Sie das Niveau der bisherigen Bundesliga-Saison?

Constantini: "Es ist immer so, man hat wenig Pause und gleich internationale Spiele. Für die Mannschaften, die dabei sind, ist es eine gewisse Mehrbelastung. Bei uns ist es ein wenig schwieriger als in Top-Ligen, wo sie größere Kader haben. Bei uns musst du in der Meisterschaft die beste Mannschaft spielen lassen und international sowieso."

Im internationalen Bereich schaut es bis jetzt aber nicht so schlecht aus.

Constantini: "Ja. Ich habe auch bei Salzburg gesagt, sie können aufsteigen. In der Situation, wenn man es dir am wenigsten zutraut, macht man zusätzliche Kräfte frei."

Wird unsere Liga gerne schlecht geredet?

Constantini: "Wir sind sowieso Raunzer. Schlecht geredet will ich gar nicht sagen, wir haben intern eine interessante Liga. Dahingehend sind wir gut, auch wenn es bessere und schlechtere Spiele gibt. Aber im internationalen Vergleich haben wir da nichts verloren, mit Italien, England oder Deutschland können wir uns nicht vergleichen. Wir haben weniger Einwohner als Bayern und möchten Brasilien schlagen. Wie soll das gehen?"

Es schaffen nur jedes Jahr ein, zwei ÖFB-Spieler den Sprung in namhafte Ligen. Warum?

Constantini: "Wir sind Österreicher, das hat natürlich auch damit zu tun. Ich glaube nicht, dass die spanischen und englischen Vereine nach Österreich fliegen und in Österreich fischen. Die fischen sich schon die Jungen, 15-, 16-, 17-Jährigen und bilden sie selber aus."

Um auf das Kamerun-Spiel zurückzukommen. Wir steht es in den Verhandlungen um den Weiterverbleib als Teamchef?

Constantini: "Es gibt keine Verhandlungen, überhaupt nicht. Wir reden überhaupt nie davon. Wir haben nichts gewonnen. Wir haben Rumänien geschlagen mit einem schlechteren Spiel, mit einem besseren haben wir in Serbien verloren. Ich bin niemand, der gleich sagt: Gib mir einen Dreijahresvertrag. Für mich ist es okay so, wie es ist. Ich schaue, dass ich die Burschen dazu bringe, dass wir erfolgreich Fußball spielen. Wenn es nicht gelingt, kommt der Nächste." (APA)

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